Wind, Wasser und Woge dominieren die kontrastreichen Motive, die neben Licht und Schatten vor allem Blautöne beinhalten. „Welle und Sturm bringen Veränderung“, erläutert der Krumbacher Künstler Tino Baumann. „Wir neigen dazu, uns dagegen zu wehren“. Manche Bilder wirken beinahe bedrohlich, während andere harmonisch und weich erscheinen. Häufig tauchen Taue auf. „Daran hängen Traditionen und Werte, an die wir uns gerne klammern“. Die Arbeiten bieten buchstäblich eine Menge Tiefgang und konfrontieren den Betrachter über geschickte Metaphern mit seinem eigenen Verhältnis zu den Themen Umbruch und Veränderung.
Sowohl der Künstler als auch die Besucher sind sehr angetan von der Location: Tino Baumann zeigt seine Ölgemälde in den ehemaligen Räumen des Reformhauses Glück in der Karl-Mantel-Straße. „Das war das erste Mal, dass ich bei einer Ausstellung kein künstliches Licht selbst einbauen musste“, freut sich der Künstler. Tatsächlich schaffen die vielen Deckenstrahler ein optimales Licht für die Gemälde. Auch die Tatsache, dass das hier zuvor ansässige Reformhaus auf dem Marktplatz zu Veränderung und Umbruch beiträgt, passt perfekt zum Ausstellungsthema.„Mich hat es immer schon gejuckt, hier mal auszustellen“. Baumann spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Da wirkt es sehr passend, dass er auf die sonst übliche Laudatio sowie ein musikalisches Rahmenprogramm verzichtet.
„Ich mag das Publikum hier“
Ein kreativer junger Kopf wie Tino Baumann würde sicher auch gut in die Berliner Kunst-Szene passen. Warum hält er Krumbach die Treue? „Ich mag das Publikum hier. In größeren Städten ist das immer ziemlich elitär. In Krumbach kommen sehr verschiedene Leute. Wieso sollte jemand, der zum ersten Mal mit Kunst konfrontiert wird, nicht auch einen interessanten Blick auf die Bilder mitbringen?“
Während der Ausstellung unterhält sich der Grafiker immer wieder angeregt mit seinen Besuchern. Krumbach bezeichnet er als seine „Comfort-Zone“. Für ihn war klar, dass er nach dem Grafik-Studium in München nach Krumbach zurückkehren würde. „Die Großstadt war für mich nie eine Option“, stellt er fest.
Seit zwölf Jahren nutzt er die Knöpfle-Halle als Atelier. Die neue Fensterfront liefert ihm mit ihrem Ausblick Inspiration für die vielen Himmels-Motive in den „Wellen“-Arbeiten.
Obwohl er sich in Krumbach sichtlich wohlfühlt, verschließt er sich nicht vor der Außenwelt. Die Bewerbung für einen Londoner Kunstpreis läuft, und nach erfolgreichen Ausstellungen in Kempten und Augsburg würde sich der 30-Jährige natürlich auch über eine Gelegenheit freuen, seine Werke in Berlin zu zeigen. Letztlich ist ihm der Standort aber egal: „Jeder sieht in einem Bild individuell etwas anderes“.
Wer gerne seinen eigenen Blick auf die Werke der Ausstellung „Wellen“ finden möchte, hat dazu noch einmal am heutigen Samstag, 30. Dezember ab 18 Uhr die Gelegenheit dazu.