Philosophieprofessor Wilhelm Schmid, der aus Billenhausen stammt, gibt Tipps Von Walter Kaiser
Günzburg/Billenhausen Was ist Liebe? Generationen von großen Geistern haben versucht, eine Antwort auf diese Frage zu finden. Das erste Buch über die Liebe hat der griechische Philosoph Platon vor etwa 2400 Jahren geschrieben. Auch Wilhelm Schmid hat Bücher über die Liebe verfasst. Der in Billenhausen bei Krumbach geborene Philosophieprofessor sprach jüngst im Rahmen der Reihe „LesArt“ von Volkshochschule, Buchhandlung Hutter und Volksbank in Günzburg. Was Liebe ist, kann auch er nicht abschließend sagen. Schmid gab aber Tipps, wie sie gelingen kann – trotz aller Schwierigkeiten.
Kann Liebe gut gehen und auch anhalten?
Das Grundproblem: Die Liebe gibt es nicht. Wir alle haben höchst unterschiedliche Ansichten darüber, was Liebe ist und was sie ausmacht. Hinzu kommt, dass Männer und Frauen in ihrem Denken, Fühlen und Handeln kaum unterschiedlicher sein könnten. Kann Liebe trotzdem gut gehen und halten? Im Kern, so Schmid nach der Begrüßung durch Volkshochschul-Leiterin Petra Demmel, ist Liebe Wissen, Übung und Arbeit. Und das auf verschiedenen Ebenen: der gefühlsbetonten, der geistigen, der sinnlichen und der körperlichen. Das klingt nicht romantisch, ist aber realistisch. Wer davon ausgehe oder gar voraussetze, dass der Partner oder die Partnerin auf allen Ebenen die gleiche Wellenlänge hat, der werde scheitern.
Romantische Gefühle sind etwas Schönes. Sie allein können eine Beziehung aber nicht tragen. Ebenso wichtig seien der Austausch von Gedanken, die geistige Ebene. „Ohne die wären meine Frau und ich kein Paar mehr“, erklärte der vierfache Vater, Jahrgang 1953. Dabei gehe es nicht um Harmonie. Streit und Ärger seien letztlich ebenso eine Voraussetzung für die Liebe wie die verbindenden Gemeinsamkeiten. „Liebe ist wie Atmung“, betonte Schmid. „Dem erfrischenden Einatmen folgt das weniger angenehme Ausatmen. Freude und Ärger gehören zur Liebe.“ Liebe habe also immer zwei Seiten: Nähe und Wärme auf der einen, Distanz und Eigenleben auf der anderen Seite. Und alles wolle gelernt sein: das Plaudern, das Diskutieren, die Gemeinsamkeit und die Abgrenzung, die Bewältigung des Alltags, die Sexualität. Oberste Maxime sei: Üben, üben und nochmals üben. Dauerhaft.
Beziehungen unterliegen einem gesellschaftlichen Wandel. Früher, so Schmid, seien Ehen in hohem Maße durch religiöse Konventionen und soziale Kontrolle zusammengehalten worden. Dieser „Druck von außen“ sei heute meist und glücklicherweise weg. Dafür seien moderne Beziehungen von Fliehkräften bedroht – etwa von unterschiedlichen Arbeitswelten und auseinanderdriftenden Erlebniserfahrungen.
Nach Schmids Überzeugung ist das „Zentrale der Liebe heute“ ein möglichst „großes Wohlwollen“, das sich die Partner entgegen bringen müssen. „Damit steht und fällt heute die Liebe.“ Ob er zu diesem Wohlwollen bereit sei, müsse jeder selbst entscheiden. „Denn die Liebe ist eine freiwillige Schicksalsgemeinschaft“, schloss Schmid, der in Berlin lebt und in Erfurt lehrt, seinen Vortrag.
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: