Montag, 11. Dezember 2017

28. September 2011 14:34 Uhr

Kinokritik zum Filmstart

"4 Tage im Mai": Am Ende des Krieges

Mit „4 Tage im Mai“ beweist sich Achim von Borries („Was nützt die Liebe in Gedanken“) erneut als sanfter, aber eindringlicher Kinoerzähler. Von Fred Duran

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Die Männer sind müde. Auf beiden Seiten. Der Krieg ist vorbei, die Kapitulation der deutschen Wehrmacht aber noch nicht unterschrieben. Als die Russen am 4. Mai 1945 an der deutschen Ostseeküste ein Waisenheim nach einem kurzen Scharmützel einnehmen, bleibt ein schlecht bewaffneter Trupp von acht Rotarmisten zurück. Ein paar Meter weiter am Strand sammelt sich eine deutlich größere Einheit abgeschlagener deutscher Soldaten, die hofft, mit einem Boot nach Dänemark übersetzen zu können.

Dem sowjetischen Hauptmann (Aleksei Guskov) ist klar, dass er im Gefecht keine Chance hätte. Der deutsche Oberstleutnant (Alexander Held) wiederum sieht keinen Sinn darin, seine Soldaten für einen verlorenen Krieg zu verheizen. Nur einer will kämpfen: der dreizehnjährige Peter (Pavel Wenzel), der seine Eltern an den Krieg verloren hat und die Frauen und Mädchen des Waisenheims gegen den Feind verteidigen möchte.

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Mit „4 Tage im Mai“ beweist sich Achim von Borries („Was nützt die Liebe in Gedanken“) erneut als sanfter, aber eindringlicher Kinoerzähler, der nicht nach großen Gesten und spektakulären Plotwendungen greift, sondern seine Geschichte über Stimmungsbilder entfaltet. Von Borries hält sich fern von naturalistischer Historienmalerei. Die Schrecken des zu Ende gehenden Krieges spiegeln sich hier nur in den erschöpften Gesichtern und Seelen. Über weite Strecken ist „4 Tage im Mai“, der auf realen Ereignissen beruht, als intensives Kammerspiel angelegt, das sich jedoch immer wieder aus der Enge befreit, um unter dem weiten Himmel durchzuatmen. Seine Figuren hat von Borries enttypisiert und löst sich damit vom klassischen Antikriegsfilm. ****

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