Donnerstag, 20. Juni 2013

13. Dezember 2011 11:33 Uhr

Mission: Impossible IV

Apokalyptische Sehnsüchte mit Tom Cruise

In „Phantom Protokoll“ will es Tom Cruise noch einmal wissen. Der Film kommt heute in die Kinos. Von Martin Schwickert

Mission: Impossible IV stellt die Perspektiven auf den Kopf.
Foto: Paramount Pictures

Mit fast fünfzig will es Tom Cruise noch einmal wissen. Seine Mitgliedschaft in „Scientology“, peinliche Liebesschwüre in TV-Shows und eine zunehmend aus der Bahn laufende, mediale Selbstüberschätzung hatten vor einigen Jahren zu einem Image-Einbruch des Hollywood-Stars geführt. Seit „Mission: Impossible III“, der mit einem Einspielergebnis von knapp 400 Millionen weit hinter den Erwartungen blieb, konnte Cruise im Kino keinen großen Hit mehr landen. Nun schlüpft er noch einmal in die Rolle des Geheimagenten Ethan Hunt, die er sich als Produzent der Kinoadaption der beliebten TV-Serie seit 1996 selbst auf den Leib geschneidert hat.

Der Plot von „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ erinnert an die Geheimdienstthriller aus der Zeit des guten, alten Kalten Krieges. Der finstere Bösewicht Kurt Hendricks (Michael Nyqvist) will seine apokalyptischen Sehnsüchte ausleben, indem er einen Atomkrieg zwischen Russland und den USA anzuzetteln versucht und die Einsatz-Codes russischer Marschflugkörper in seinen Besitz bringt.

ANZEIGE
003 Allgemein_300x250_dynamisch

Tom Cruise: Im echten Leben bei Scientology

Grund genug, den Meisteragenten Hunt zu reaktivieren, der praktischerweise gerade in einem russischen Gefängnis sitzt. Die Befreiungsaktion wird als Mischung zwischen Hightech-Spielerei und Massenschlägerei zu einem gelungenen Auftakt. Wenig später fliegt dann auch schon der Kreml in die Luft. Und weil die Russen glauben, dass Hunt hinter dem Anschlag aufs Allerheiligste steckt, wird das titelgebende Phantom-Protokoll aktiviert, das jegliche Verbindungen zwischen Hunt und der US-Regierung kappt.

Ihm zur Seite stehen im Kampf gegen den Nuklearterroristen der Techniker Benji Dunn (Simon Pegg), die Agentin Jane Carter (Paula Patton) sowie der im direkten Einsatz unerfahrene Analyst Brandt (Jeremy Renner). Und so geht es im bewährten Globetrottermodus von Moskau nach Dubai und Mumbai.

Klarer Höhepunkt des Actionspektakels ist die Szene, in der Hunt in Dubai nur mit mangelhaft funktionierenden Adhäsionshandschuhen bewaffnet an der Glasfassade des Burj-Khalifa-Gebäudes, dem höchsten Haus der Welt, emporklettert – ein Stunt, den Cruise, wie die Produktion nicht müde wird zu betonen, selbst ausgeführt haben soll. Die Szene ist ein Fest der Höhenangst. Der abgebrühte Filmkritiker muss gestehen, hier mehrmals laut aufgeschrien zu haben.

Mission: Impossible - Phantom Protokoll

Die Regie für diese vierte Folge hat Brad Bird übernommen, der bisher mit „Die Unglaublichen“ und „Ratatouille“ als begnadeter Trickfilm-Regisseur unterwegs war. Das merkt man dem Film deutlich an, weil Bird auch die haarsträubendsten Actioneinlagen mit der Leichtigkeit und dem Witz des Animationskünstlers inszeniert. Bird bringt ein gutes Maß an Ironie in die bierernste Geheimdienstwelt.

Was „Phantom Protokoll“ allerdings fehlt, ist ein funktionierender dramaturgischer Bogen. Die Aneinanderreihung von guten Einfällen ergibt nicht zwangsläufig einen guten Film. Auffallend auch, dass diese vierte Mission deutlich mehr auf Teamarbeit setzt und mit dem Komiker Simon Pegg, der kampfkunstfertigen Paula Patton und dem konzentriert agierenden Jeremy Renner („The Hurt Locker“) Tom Cruise als Alleinunterhalter sichtbar entlastet. „Phantom Protokoll“ ist ein solides Stück Actionkino, aber die goldenen Zeiten dieses Franchise-Unternehmens, das mit den ersten beiden Folgen einst neue Genremaßstäbe setzte, sind wohl einfach vorbei.

Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.

Artikel kommentieren

Schlagworte

Tom Cruise

Mehr zum Thema