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Der Urgrund Mittelerdes liegt im Mythos

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Der Urgrund Mittelerdes liegt im Mythos

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    Der Philologe John Ronald Reuel Tolkien schuf sich sein Denkmal nicht als Wissenschaftler, sondern als Schriftsteller. Millionen von Menschen haben seit dem Erscheinen seiner Trilogie „Der Herr der Ringe“ die Abenteuer von Frodo und dem Ring gelesen. Und durch die epochale Verfilmung Anfang des Jahrtausends wanderte sein Fantasy-Klassiker 50 Jahre nach der ersten Auflage wieder auf die Bestsellerlisten.

    Irgendwo findet man auf den Tischen und in den Regalen deutscher Buchhandlungen immer einen Tolkien. Als Schriftsteller ist er präsenter als 1973, seinem Todesjahr. Denn damals bestand sein literarisches Werk neben dem „Herrn der Ringe“ noch aus dem „Hobbit“ und drei weiteren Erzählungen.

    Die vielen Bücher, die sich heute mit seinem Autorennamen schmücken und vorwiegend von Mittelerde handeln, sind erst posthum erschienen. Zu verdanken war dieses publikationsreiche Nachleben vor allem der unermüdlichen Arbeit seines Sohnes Christopher Tolkien, der das Entstehen der Traumwelt Mittelerde schon als Kind verfolgte und dem Vater beim „Herrn der Ringe“ assistierte.

    Er folgt in seinen Versen den Stabreimen der Skalden

    Nun hat der akribische Nachlassverwalter ein neues J.R.R.-Tolkien-Buch herausgegeben, das nicht nur für treue Fans eine Überraschung darstellt. Es trägt den Titel „Die Legende von Sigurd und Gudrun“. Entstanden ist dieses Werk vermutlich in den 1930er Jahren, wie Christopher Tolkien in seiner Einleitung ausführt, vom Verfasser wurde es aber nie für publizierenswert erachtet. Tolkien hat vor dem Zweiten Weltkrieg den Sigurd-Stoff nachgedichtet, der uns vor allem aus der altnordischen Völsungensaga und dem mittelhochdeutschen Nibelungenlied geläufig ist.

    Bei seiner Nachdichtung hat Tolkien sich aber nicht an diesen beiden Fassungen orientiert, sondern an den Bruchstücken, die aus der älteren Edda überliefert sind. Er folgt in seinen Versen den Stabreimen der Skalden. Dem Klett-Cotta-Verlag ist es in seiner deutschen Ausgabe hoch anzurechnen, dass er der deutschen Übersetzung der Tolkien-Nachdichtung das englische Original gegenüberstellt.

    In Tolkiens Fassung des Sigurd-Stoffes ist zu spüren, wie der Schriftsteller im Mythos den Urgrund für seinen „Herrn der Ringe“ fand, sowohl sprachlich in der archaischen Wortwahl als auch motivisch, etwa wenn er die Ringe im verhängnisvollen Fafnir-Hort besonders erwähnt. Und in den einleitenden Texten, darunter auch eine Tolkien-Vorlesung über die Edda, wird das Verhältnis des Autors zu den alten Stoffen und Legenden dermaßen plastisch, dass zu erahnen ist, wie Tolkien aus der Rezeption des Alten seinen eigenen Mythos schöpfte. Und das erklärt wiederum, weshalb Tolkiens Phantasterei so resistent gegenüber dem üblichen Marktgeschehen ist.

    J.R.R. Tolkien: Die Legende von Sigurd und Gudrun, Klett-Cotta, 560 Seiten, 24,90 Euro

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