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09. Oktober 2011 13:48 Uhr

Residenztheater "Zur Mittagsstunde"

Ein Wunder im Büro

Der amerikanische Dramatiker Neil LaBute geht in dem Stück „Zur Mittagsstunde“ der Frage nach, wie in der modernen westlichen Welt mit der Religion umgegangen wird.

John Smith lebte wie ein Saulus; er war „rund um die Uhr ein absolutes Arschloch“ – gegenüber seiner Frau, gegenüber seinen Kollegen. Die Frau verließ ihn, den verhasstesten Kollegen entließ er mit einem Augenzwinkern. Der allerdings legte sich ein Waffenarsenal an und zerlegte damit seinen alten Arbeitsplatz. Nur einer überlebte das Massaker: John Smith, der dabei Gottes Stimme hörte und beschloss, fortan als Paulus den Herrn zu lobpreisen.

Religion in der modernen westlichen Welt

Der amerikanische Dramatiker Neil LaBute geht in dem Stück „Zur Mittagsstunde“ der Frage nach, wie in der modernen westlichen Welt mit der Religion umgegangen wird. Im Münchner Residenztheater wurde es vom Regisseur und Bühnenbildner Wilfried Minks zum ersten Mal in Deutschland in Szene gesetzt. Die Erweckungsgeschichte bringt Minks vor eine wandlungsfähige weiße Leinwand. Mal ist sie gleißend hell wie das Licht, das John am Tag des Amoklaufs sah, mal dient sie als Projektionsfläche, mal wird sie See und Landstraße, Verhörraum und Talkshow. Die stoffliche Welt ist nur ein Zitat – der Hintergrund für das Religionsdrama.

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Dem Paulus aber will man nicht abnehmen, dass er geläutert ist. Und er selbst zweifelt an seinem neuen Glauben, weil ihm niemand seine Wandlung abnimmt: der abgebrühte Anwalt nicht, für den John mit seiner Geschichte nur Kasse machen will; die aufgebrachte Ex-Frau nicht, für die John sich nur einen neuen Trick hat einfallen lassen, um sie auszunutzen; die überdrehte Talkshow-Moderatorin Jenny nicht, für die John doch nur ein Wichtigtuer bleibt.

So gelungen das Ensemble Johns Widersacher gibt, das Stück lebt von Norman Hacker, der 105 Minuten lang in diesen Saulus-Paulus hineinkriecht, in jeder Szene präsent ist und den Bekehrten psychologisch stimmig auslotet. Dabei geht Hacker bedächtig vor. Sein John hat sich Mäßigung auf die Fahnen geschrieben, geschrien wird nur im Affekt, wenn sein John in alte Muster zurückfällt, weil die anderen den neuen John nicht ernst nehmen: Er wird als Provokation empfunden.

Die nächsten Aufführungen sind am 11., 12., 14., 21., 24. und 28. Oktober.

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