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Museum würdigt Ikea: Leben mit Ögla, Pöang und Billy

Museum würdigt Ikea

Leben mit Ögla, Pöang und Billy

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    Die Pinakothek der Moderne würdigt das Phänomen Ikea mit der Ausstellung "Democratic Design - Ikea".
    Die Pinakothek der Moderne würdigt das Phänomen Ikea mit der Ausstellung "Democratic Design - Ikea".

    Von Michael Schreiner München - Menschen mögen Museen: 2006 wurden laut neuester Kulturstudie hierzulande 103 Millionen Besucher gezählt. Die Leute zieht es aber auch in Massen zu Ikea. Der schwedische Bastelmöbelkonzern, der im Juni in Würzburg sein 45. deutsches Einrichtungshaus eröffnet, registrierte zuletzt 47 Millionen Kunden im Jahr - weltweit sind es über 580 Millionen. Kultur und Kontiki (ein klobiger Sessel), Bildung und Billy (DAS Regal!) gibt's jetzt unter einem Dach: in der Pinakothek der Moderne in München.

    Ikea ist im Museum - und im Museum ist Ikea. Mit der Schau "Democratic Design - Ikea" würdigt die Neue Sammlung (das Staatliche Museum für angewandte Kunst und Design) ein Phänomen, das in den vergangenen Jahrzehnten unser Wohnen und unseren Umgang mit massentauglichem Design geprägt hat wie kaum ein anderes.

    Es dürfte nicht viele Lebensräume geben im Land, die ohne jene Ikea-Bausteine auskommen, die Namen haben wie gute Urlaubsbekanntschaften: Ingolf (Holzstuhl), Beta (Gießkanne), Klingsbo (Couchtisch) oder Hamra (Sofa). Die Ausstellung ist eine Premiere. Nicht nur Museumschef Florian Hufnagl ist erstaunt, dass Ikea-Design und die (Geschäfts-)Philosophie des "Gute Form, guter Preis" nie Thema einer großen Museumsschau waren, sondern nur Privatsache in deutschen Wohnstuben. Die Einrichtung als ein Puzzlespiel auf Zeit: Auch das ist ein Trend, den es ohne Ikea wohl nicht gegeben hätte. Statt erdenschwere Ewigkeit sind Wohnungen im Zeitalter der Mobilität längst Wechselrahmen für immer wieder anderes, beliebig kombinierbares Mobiliar. Drehbuch dafür ist sehr oft: der Ikea-Katalog.

    In München, wo 1974 (in Eching) das erste deutsche Einrichtungshaus des Weltkonzerns eröffnet wurde, wird Ikea als Motor der Idee eines "demokratischen Designs" präsentiert. Das Imperium des Ingvar Kamprad wird in Bezug gesetzt zu Bauhaus, Werkbund oder der Ulmer Hochschule für Gestaltung. Wurzeln liegen in den Reformbewegungen des 19. Jahrhunderts, aufgerufen als Ikea-Ahne wird etwa die schwedische Autorin und Reformpädagogin Ellen Key (1849-1926): "Erst wenn es nichts Hässliches mehr zu kaufen gibt, erst wenn es ebenso günstig ist, etwas Schönes wie etwas Hässliches zu kaufen, erst dann kann Schönheit für jeden Realität werden."

    Man hätte sich die Schau weniger sachlich, dafür spielerischer vorstellen können. Weit und breit kein Inbusschlüssel zu sehen. Über das Alltagsphänomen Ikea erfährt man fast nichts. Wer das sucht, muss raus aus dem Museum und rein ins Einrichtungshaus, Kartons heimfahren, auspacken, schrauben, aufbauen.

    Die Museumssituation aber erlaubt einen anderen, distanzierten Blick auf die vertrauten Möbel. Auf Ikea-Pappkartonsockel gestellt, eingestreut in die Dauerausstellung, entwickeln die Stücke eine Aura abseits des Gebrauchswerts.

    Und sie müssen den direkten Vergleich mit den Ikonen der Design-Geschichte aushalten - wobei sie keinen leichten Stand haben. Dabei sind es vor allem die limitierten Auflagen der ambitionierten Ikea-Designer-Serie "PS-Kollektion", die ausgestellt werden. 1995 starteten die Schweden damit im Mekka des Designs, auf der Mailänder Möbelmesse. Das Motto der Premiere damals lieh der Münchner Schau den Titel: "Democratic Design".

    Prototypisch erzählt die Ausstellung das Prinzip Ikea am Beispiel von Stuhl "Ögla", der seit den 1960er Jahren als Zitat des berühmten Thonet-Bugholzstuhls im Programm des schwedischen Möbelhauses ist. Stühle von Thonet sind Design-Klassiker mit Welterfolg seit dem 19. Jahrhundert. Dieser Erfolg beruhte auch darauf, dass die Stühle zerlegbar und so einfach und platzsparend transportierbar waren - Jahrzehnte, bevor Ingvar Kamprad Ikea erfand. Ikea adaptierte nicht nur das Zerlegen von Möbeln, sondern auch das Design. Dazu passte Ikea seinen Thonet-Klon stets dem Zeitgeist an: Erst gab es Ögla in Holz, ab 1983 dann aus Plastik, seit 1994 aus Recyclingmaterial wie etwa alten Joghurtbechern.

    Auch ein anderes Design-Denkmal verleibte sich Ikea ein: Den Freischwingersessel 406 des finnischen Architekten und Gestalters Alvar Alto (1898 bis 1976) ließ der Japaner Noburu Nakamura 40 Jahre später, 1977, für die Schweden als "Pöang" wiederauferstehen. Das Ikea-Modell allerdings kam platter und raumfressender daher. Immerhin gab's "Pöang" auch in einer Mini-Version für die Kleinen. Überhaupt ist das eine der Stärken dieser nicht sehr sinnlichen Schau: Ins Bewusstsein zu rücken, dass mit Ikea gute Gestaltung und angemessene Form Einzug hielten in die Kinderzimmer der Durchschnittsfamilien.

    Laufzeit bis 12. Juli, Dienstag bis Sonntag 10-18, Donnerstag 10-20 Uhr.

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