Diese Geschichte hat 2009 begonnen wie so viele der vergangenen Jahre. Eine neue Band aus England, deren Debüt einem irgendein besonders gut informierter Freund ans Herz legt: „Unglaublich, was die machen. Sind gerade mal 19. Ganz großes Ding…“ Meist aber bleibt es nur eine Welle, die bald von der nächsten überrollt wird und spätestens mit dem zweiten, „etwas enttäuschenden“ Album als Gekräusel endet. Drum warnt inzwischen eine Regel vor all dem Getöse von der Insel: „Don’t believe the hype!“
Sehr studentisches Publikum
Auch das Publikum an diesem Montagabend im Freiheiz, einer neuen Konzerthalle im neuen Münchner Stadtteil beim Hauptbahnhof, ist auf den ersten Blick so, dass es zu dieser Geschichte passt: sehr studentisch und betont lässig, weil sich zu Hype eben hip gesellt. Nur: Die uncoolsten Jungs des Abends sind dann die, die auf die Bühne treten, nette Nachbarn in ordentlichen Hemden, ohne Posen. Und hier beginnt die eigentliche Geschichte des Bombay Bicycle Club.
Voller Ideenreichtum
Voller Ideenreichtum und Spielfreude schlagen die Jungs nun schon mit dem dritten Album ihre eigene Schneise zwischen Folk und Rock, ohne dabei ausgetretene Indie-Pfade noch breiter auszulatschen. Mit leicht näselndem Gesang, Gitarren, die akustisch schmeicheln, aber auch mächtig verzerrt mitreißen können, und einem nuancenreich treibenden Schlagzeug schaffen sie getragene Folk-Perlen wie auf ihrem zweiten Album „Flaws“ oder pointierte Rocknummern wie auf dem Debüt „I had the Blues, but I shook them loose“. Das aktuelle „A different kind of fix“ liegt gelungen dazwischen.
Diese Bandbreite überzeugt dann auch live über mehr als eineinhalb Stunden hinweg. So ist der Bombay Bicycle Club weit davon entfernt, eine dieser Hype-Bands zu sein, bei der die Hälfte des Abends im Warten auf zwei, drei Hits besteht. Die Jungs haben bereits jetzt ein Repertoire und doch gerade erst begonnen. Umso schöner, dass dem in München weit über tausend Zuschauer beiwohnen – und damit deutlich mehr als vor kurzem dem einstigen Oasis-Helden Liam Gallagher. Eine Resonanz, die hoffentlich bezeugt, was Vergangenheit bleibt und was Zukunft hat.