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Hugo Cabret: Ode an das Kino

Hugo Cabret

Ode an das Kino

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    Ein Waisenjunge (Asa Butterfield) ist Protagonist in Martin Scorseses „Hugo Cabret“, der für elf Oscars nominiert wurde.
    Ein Waisenjunge (Asa Butterfield) ist Protagonist in Martin Scorseses „Hugo Cabret“, der für elf Oscars nominiert wurde. Foto: Foto: epd/Paramount Pictures

    Fingerübung, Herzensangelegenheit, Meisterwerk – die Filmgeschichtsschreibung wird sich schwer tun mit der Einordnung von „Hugo Cabret“, dem neuen Werk von Martin Scorsese, der sich mit Filmen wie „Taxi Driver“, „Raging Bull“ oder „Good Fellas“ auf der Kinoleinwand verewigt hat. Es ist Scorseses erster Familienunterhaltungsfilm, ein Film, der in 3-D gedreht wurde und einen kleinen Jungen als Hauptfigur hat.

    Aber es ist auch eine Liebeserklärung an das Kino im Allgemeinen und vor allem an dessen Pioniere. Mit modernster Unterhaltungstechnik verneigt sich der bekennende Filmarchivar Scorsese vor den Gründervätern des Mediums. Angesiedelt ist die Verfilmung von Brian Selznicks Kinderbuch „Die Entdeckung des Hugo Cabret“ im Paris des Jahres 1931. Haupthandlungsort ist der Bahnhof Montparnasse, wo der zwölfjährige Waisenjunge Hugo Cabret (Asa Butterfield) lebt. Sein versoffener Onkel hat ihn mit der Wartung der Bahnhofsuhren betraut und ist danach verschwunden. Seitdem fristet der Junge auf dem Bahnhof sein Dasein, zieht Tag für Tag die Uhrwerke auf und stiehlt sich, was er zum Leben braucht. In einer atemberaubenden 3-D-Fahrt folgt die Kamera zu Beginn Hugo durch die geheimen Gänge hinter den Bahnhofskulissen, gibt durch versteckte Fenster den Blick frei auf die Menschenmassen, die sich durch die Hallen drängen, oder auf das Häusermeer der Stadt.

    Verbitterter Spielzeughändler mit filmischer Vergangenheit

    Mit Uhren kennt Hugo sich aus. Sein früh verstorbener Vater (Jude Law) war Uhrmacher und hat ihm einen Maschinenmann hinterlassen, dessen komplizierte Mechanik Hugo seit Jahren in Gang zu setzen versucht. Auf dem Bahnhof lernt der Junge Isabelle (Chloë Grace Moretz) kennen, deren Stiefvater Monsieur Georges (Ben Kingsley) dort einen kleinen Spielzeugladen hat. Um den Hals an einer Kette trägt das naseweise Mädchen einen herzförmigen Schlüssel, der genau in das Uhrwerk von Hugos Maschinenmann zu passen scheint. Für die beiden Kinder beginnt eine mysteriöse Entdeckungsreise, die sie in die Vergangenheit des verbitterten Spielzeughändlers führt, der einmal ein eigenes Filmstudio besessen hat und zu den wichtigsten Pionieren des Kinos gehörte. Es handelt sich um George Méliès, der in der Zeit von 1896 – 1912 mehr als 500 Filme in den verschiedensten Genres drehte.

    Die Verbindung zwischen Kinderabenteuer und Filmgeschichtsstunde funktioniert in „Hugo Cabret“ genauso gut wie die Melange von Nostalgie und moderner 3-D-Technik. In den zwei Jahren nach „Avatar“ wurden viele Filme dreidimensional nach- und hochgerüstet, aber kaum einer hat die Technik so differenziert und kreativ eingesetzt, wie es Scorsese hier tut: von der wilden Fahrt durch die geheimen Gänge von Montparnasse über einen in den Bahnhof ungebremst hineinrasenden Zug bis hin zu Dampfwolken und Staubpartikel, die in den Kinosaal hinein schweben. Dem gegenüber stehen restaurierte Originalfilmausschnitte von George Méliès, die gemütlich ratternd in die Gründerzeit des Kinos führen.

    Über die 126 Minuten Laufzeit entwickelt die Geschichte zwar einige Längen, aber die visuellen Reize dieses meisterlichen, jedoch keineswegs protzigen Bilderrausches gleichen die gelegentlichen, dramaturgischen Schwächeanfälle mühelos aus. Genauso wie Méliès vor mehr als hundert Jahren betreibt Scorsese das Kino als Illusionsmaschine, die ihr Publikum nicht nur unterhalten, sondern staunen lassen will. Das ist im hochgerüsteten Hightech-Betrieb von heute keine leichte Aufgabe, die „Hugo Cabret“ jedoch auf ebenso altmodische wie moderne Weise bravourös gelöst hat.

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