Kneipengäste stehen vor der Tür und quatschen, Nachbarn fühlen sich um den Schlaf gebracht: Die Situation, die früher vor allem Probleme bereitete, wenn Gäste ein Lokal verließen, hat sich mit Einführung des Rauchverbots in der Gastronomie verschärft. Auch in der „Fischerei 15“, einer kleinen Dießener Bar schräg gegenüber dem Kino, gibt es Schwierigkeiten. Vor Kurzem hat sich eine Nachbarin mit einem Plakat auch dagegen verwahrt, dass in ihren Garten uriniert wird: „Viecherei 15, mein Hof ist kein Klo, pieselt anderswo. Niveau ist keine Hautcreme.“
Matthias Titze hat die aus zwei kleinen Räumen bestehende Bar am 1. Mai als Pächter übernommen und betreibt sie nebenberuflich, geöffnet ist Freitag und Samstag. Er sieht seine Gäste verunglimpft. „Das Schild hing gegenüber der Metzgerei, in der alle einkaufen.“ Anfangs habe die Nachbarin selbst im Lokal angerufen, es habe auch Gespräche gegeben, erinnert sich Titze an das vergangene Jahr, in dem er bereits in dem Lokal arbeitete. Doch dann sei öfters die Polizei informiert worden.
Titze verweist darauf, dass er sich bemühe, seine Gäste zu ruhigem Verhalten zu veranlassen. Er habe viele Stammgäste, die sich daran hielten. Nach einer Anfrage der Gemeinde sei der Schallschutz der Fenster verbessert worden und bei Veranstaltungen soll ein Türsteher für Ordnung sorgen. Auch für den normalen Betrieb sichert Titze sporadisch einen „Aufpasser“ zu. „Einen Türsteher, der permanent da ist, kann ich mir nicht leisten.“ Er verwahrt sich aber dagegen, für jeden Ärger im Umfeld des Lokals verantwortlich gemacht zu werden. „Es gibt Leute, die ziehen von Kneipe zu Kneipe oder mit eigenen Flaschen durch den Ort.“
Nachbarin Sabine Noll ist ganz bewusst an die Öffentlichkeit gegangen. Manchmal sei es so laut, dass es selbst in ihrer nach Norden zur Mühlstraße gehenden Wohnung zu hören sei. „Es ist ein generelles Problem, welches die Polizei nicht in den Griff bekommt.“ Bis die Beamten da seien, habe sich die Situation oft schon geändert. „Es wäre ja kein Problem, wenn der Betrieb bis 24 oder 1 Uhr ginge, aber in der Nacht auf Sonntag sind dort oft Gäste bis um 4 Uhr morgens.“
Zum Lärm kommen Nolls Darstellung nach Zigarettenkippen im Hof und ausgerissene Gartenpflanzen hinzu. Außerdem habe sie mehrfach gesehen, dass jemand in den Garten uriniert habe. „Ich muss mich am Wochenende erholen“, sagt auch Mieterin Friederike August, die gegenüber dem Lokal wohnt und um den Schlaf gebracht wird. Und es gebe auch weitere Anwohner, die sich gestört fühlten.
Im Mischgebiet muss mehr Lärm toleriert werden
„Seit es das Lokal gibt, gibt es Beschwerden“, berichtet der Dießener Geschäftsleiter, Erich Neugebauer. Die Gemeinde reiche die Beschwerden an das zuständige Landratsamt weiter. Bei der Fischerei handle es sich aber um ein Mischgebiet, in dem mehr Lärm zu tolerieren sei als in einem Wohngebiet.
Der Leiter der Polizeiinspektion, Hartwin Lang, hält es für schwierig, diesen unterschiedlichen Interessenlagen mit polizeilichen Mitteln zu begegnen. Wenn Gäste mit Gläsern oder Flaschen vor der Tür angetroffen würden, gebe es eine Anzeige. Sich unterhaltende Raucher würden aufgefordert, leise zu sein. Aber mitten im Ort müsse ein Anwohner eine höhere Toleranz gegenüber Vergnügungsstätten aufbringen, auch wenn das für den Nachbarn unbefriedigend sei.