Bauausschuss stimmt Fällung einer Kastanie zu, um Zufahrt zu neuem Haus zu ermöglichen

Dießen/St. Georgen Nach längerer Zeit ist es im Bauausschuss des Dießener Gemeinderates mal wieder um die Kastanienallee am Kirchsteig in St. Georgen gegangen. Eine Bauvoranfrage für ein Grundstück Am Kirchsteig löste eine kurze Grundsatzdebatte aus, wie der Alleecharakter dieses Straßenabschnitts langfristig am besten erhalten werden kann.
Mittels Bauvoranfrage sollte nicht nur geklärt werden, ob auf dem besagten Grundstück ein weiteres Wohnhaus errichtet werden kann, sondern auch ob eine weitere Zufahrt auf das über 3575 Quadratmeter große Grundstück im Bereich der Kastanien möglich ist. Eine solche Zufahrt hatte der Bauausschuss im Dezember noch abgelehnt, um die Allee zu schonen. Diese zweite Erschließung wäre nämlich nur möglich, wenn ein Baum gefällt werden würde. Ein Vorteil dieser Variante wäre, dass weniger Fläche versiegelt wird als bei der zunächst vom Ausschuss favorisierten Variante mit einer längeren Zufahrt von der Ostseite her. Außerdem würde dieser Weg durch eine bestehende Obstkultur im Garten führen.
Inzwischen wäre der Bauausschuss jedoch bereit, die im Weg stehende knapp 140 Jahre alte Kastanie zu opfern. Hintergrund ist die Einschätzung des gemeindlichen Sachverständigen Peter Kaun senior. Aufgrund von Rissen und Faulstellen, so Kaun, wäre der Baum mit einigem Aufwand noch einige Jahre zu erhalten. Er schlägt aber vor, den Baum zu fällen und ein bis zwei Meter davon entfernt einen jungen Baum zu setzen.
Eine etwas andere Herangehensweise an die Allee empfahl Franz Sanktjohanser (offener Kreis). „Wenn man nur eine Lebensdauer von noch zehn Jahren sieht, sollte man jetzt grundsätzlich auf Ersatzpflanzungen verzichten“, regte er an. Stattdessen sollte sich die Gemeinde vielleicht durchringen, alle Kastanien auf der Südseite zu fällen und „eine einheitliche Allee“ nachzupflanzen, und dies später an der Nordseite fortzusetzen. Im Schatten der alten Bäume, so Sanktjohanser, würden nämlich keine schönen Bäume aufkommen können.
Dicke und Dünne
Der Widerspruch ließ freilich nicht lange auf sich warten. Insbesondere die ästhetischen Überlegungen konnte Michael Hofmann (Grüne) nicht nachvollziehen. „Es gibt große, kleine, dicke und dünne Leute, es muss nicht alles gleich sein“, meinte er. Auch Bürgermeister Herbert Kirsch (Dießener Bürger) bestand im aktuellen Fall auf eine Verpflichtung, den zu fällenden Baum zu ersetzen. Er bot aber an, sich demnächst – unabhängig von dem Bauvorhaben – die Kirchsteig-Allee einmal anzuschauen. (ger)
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