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Waldbegang: Auch gesunde Bäume haben kaum eine Chance

Waldbegang

Auch gesunde Bäume haben kaum eine Chance

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    Niklas und der Borkenkäfer. Das ist nicht etwa der Titel eines beliebten Kinderbuchs, sondern sind zwei der großen Probleme, mit deren Auswirkungen das Forstamt um den scheidenden Forstdirektor Dr. Gerhard Gaudlitz zu kämpfen hat. Niklas, der Orkan, der im März 2015 über die Region fegte und für große Waldschäden sorgte sowie der Borkenkäfer, der dadurch und durch die trocken-warme Witterung im vergangenen Jahr optimale Brutmöglichkeiten vorfand.

    Noch einmal blickte gestern Gerhard Gaudlitz beim Waldbegang des Stadtrats zurück und ermöglichte dadurch seinem Nachfolger Michael Siller, der als ehemaliger Forstreferent des Stadtrats dem Waldbegang noch als Gast beiwohnte, einen ersten Ausblick auf das, was ihn ab August als künftigen Forstamtsleiter beschäftigen und in Anspruch nehmen wird: Der Nachlass des Orkans Niklas, der am 31. März vergangenen Jahres über das südliche Bayern und angrenzende Baden-Württemberg fegte – auch über den Spital- und den Stadtwald. Für Dr. Gaudlitz bedeutet dies aber auch, dass sein Forstplan gehörig durcheinandergewirbelt wurde: „Bislang konnten wir unseren Hiebsatz von 14500 Festmetern immer gut einhalten, konnten sogar eher darunterbleiben.“ 2015 stieg aber der Gesamteinschlag beinahe katapultartig von im Schnitt 12000 Festmetern vor Niklas auf 43253 Festmeter. Durch die örtliche Begrenzung der Schadensgebiete sei es aber relativ unproblematisch gewesen, Unternehmer für den Abtransport der Windwurfschäden zu moderaten Preisen zu organisieren. Es ging darum, möglichst schnell den Windwurf, allein 9000 Festmeter Fichtenholz, aus dem Wald zu bringen. Die stellen nämlich einen idealen Brutraum für die Borkenkäferarten Buchdrucker und Kupferstecher dar. Der größere Buchdrucker befällt die unteren Stammhälften, der kleinere Kupferstecher schädigt den Wipfelbereich. Alleine wäre das Forstamt mit seinen sieben Waldarbeitern auf verlorenem Posten gewesen.

    Trotz der schnellen Reaktion – bis Juli waren die städtischen Flächen weitestgehend geräumt – war die Gefahr nicht gebannt, denn einige Privatholzbesitzer hätten laut Gaudlitz zu zögerlich gehandelt. Die Folge: In diesem Jahr ist mit einer explosionshaften Vermehrung der Borkenkäferpopulation zu rechnen. „Wir werden drei Generationen erleben.“ Dazu hatte er ein Rechenexempel parat: Eine befallene Fichte biete Lebensraum für etwa 20000 Jungkäfer. Diese befallen wiederum 20 Bäume und sorgen somit für weitere 400000 Jungkäfer. Das bedeutet, dass jede befallene Fichte die Ursache ist für 400 weitere von Käfern befallene Bäume. Dazu komme, dass der Sommer 2015 trocken und heiß war, Winter und Frühjahr 2016 beide ebenfalls wieder zu trocken für die Bäume, die dem Boden nicht genügend Wasser entnehmen konnten, um gesund und damit gerüstet gegen den Borkenkäferanflug zu sein. Allerdings glaubt Revierleiter Joachim Schwarzer: „Bei der Menge an Käfern, die bei wärmerer Witterung nun ausschwärmen werden, haben auch gesunde Bäume kaum eine Chance.“

    Dem Schädling mit Chemie zu begegnen, sei keine Lösung: „Wir können nicht solch große Flächen besprühen.“ So bleiben eigentlich nur die regelmäßigen Kontrollen durch die Revierförster und Waldarbeiter. Stellen sie einen Befall fest, müsse sofort eingeschlagen werden. Dann auch könne das Holz noch verwertet werden. Dass dieses Käferproblem tatsächlich anstehe, hätte die Auswertung von Monitoringfallen ergeben: „Die Besatzdichte weist auf große Schwärme hin.“ Wie schnell die Verarbeitung zum Abtransport gehen kann, das wurde den Stadträten dann im Distrikt 2 „Schneebling“ vorgeführt. Gaudlitz ließ einen Harvester aus Dießen kommen, der einen befallenen Baum in kurzer Zeit in einen transportfähigen Stamm verwandelte.

    Das nächste Problem, mit dem der Forst durch Niklas und den Käfer zu kämpfen hat: die sinkenden Holzpreise. „Die Industrie weiß natürlich vom Käfer und zeigt sich zurückhaltend.“ Waren bis Niklas im Standardsortiment Preise zwischen 102 bis 105 Euro pro Festmeter zu erzielen, fielen die „nahezu über Nacht“ auf 80 Euro, für Bruchholz gab es gar nur noch 35 Euro pro Festmeter. Dennoch ist der Zwang zum Absatz da. Erstmals gewährte Gerhard Gaudlitz den Stadträten auch einen Einblick in seine Kundenliste. Was ihn freut: Viele Kleinkunden ergeben zusammen einen großen.“ So rangiert diese besondere Gruppe, ein Stamm von 60 bis 70 Kunden, die es hauptsächlich auf Brennholz aus den städtischen Wäldern abgesehen hat, in der Rangliste der Holzgroßabnehmer sogar auf Rang vier, noch zum Beispiel vor den Holzwerken Pröbstl. Die Nummer eins ist der Großsäger Ilim Timber (853969 Euro). Mit Abstand auf Rang zwei folgen dann Binderholz Deutschland (284520), vor der Hirschbach GmbH aus Sulz am Neckar (151264 Euro). „Das sind zum Teil langjährige und treue Kunden“, berichtet Gaudlitz.

    Der letzte Punkt auf der Tagesordnung: Derzeit laufen Gespräche mit der Gemeinde Pürgen bezüglich der geplanten Hochwasserfreilegung bei Lengenfeld (LT berichtete). Die entstehende Flutmulde soll nämlich am Hofstetter Frauenwald enden und das Niederschlagswasser bei entsprechenden Wetterereignissen dort einleiten. „Da müssen unter anderem noch Entschädigungsdetails geregelt werden“, sagte Gerhard Gaudlitz und besprach dieses Thema sicherlich am Abend beim gemeinsamen Wildschweinessen („Garantiert auf Strahlung getestet“) in der Teufelsküche mit den Stadträten weiter. "Seite 10

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