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Realschule: Bully und der Regisseur

Realschule

Bully und der Regisseur

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    Autogramme waren eigentlich nur von Michael „Bully“ Herbig begehrt.
    Autogramme waren eigentlich nur von Michael „Bully“ Herbig begehrt. Foto: Fotos: Gerald Modlinger

    Schondorf „Bully, Bully“ – in der Aula der Wolfgang-Kubelka-Realschule ist der Geräuschpegel am Freitag noch etwas höher als sonst in der zweiten Pause. Oben auf der Empore steht Michael „Bully“ Herbig. Und es wird noch etwas lauter, als er „Schule frei“ ankündigt. Da geht im Tumult dann unter, dass es doch nur fünf Minuten Verkürzung sind, die er bei Schulleiter Günter Morhard raushandelt – schulfrei leider erst ab 13 Uhr.

    In der Schondorfer Bubenrealschule war am Freitag was geboten, dank der Deutsch- und Geschichtslehrerin Julia Beck. Sie hatte Herbig in die Schule geholt – ach ja, und dann war auch noch ein gewisser Herr Haußmann dabei. Der war den meisten Schülern zunächst kein Begriff, wie die Autogrammvorlieben verdeutlichten. Bully Herbig war einer permanenten Belagerung stift- und papierhaltender Schüler ausgesetzt, Haußmann steht fast unbemerkt ein paar Meter weiter. Mag denn von ihm niemand ein Autogramm? Nein, das brauche er nicht, „das ist der Regisseur, den kennt keiner“, meint ein Bub aus den unteren Klassen.

    Doch was führt zwei der prominentesten Filmleute in Deutschland in die Schondorfer Realschule? Es war – wie bereits erwähnt – Frau Beck. Die junge Lehrerin unterrichtet zwei zehnte Klassen in Geschichte. Auf dem Lehrplan dieser Jahrgangsstufe stehen auch die Diktaturen in der Mitte des 20. Jahrhunderts. In diesem Zusammenhang wurde sie auf die Filmkomödie „Hotel Lux“ aufmerksam, die im Oktober in die Kinos kam. Und dieser Film wurde unter der Regie von Leander Haußmann und mit Michael „Bully“ Herbig in der Hauptrolle des Komikers Hans Zeisig gedreht. Als sich Julia Beck mit dem Film beschäftigte, stieß sie auf eine Verlosung der Constantin Film. Sie versuchte ihr Glück: Und dabei gewann sie eine exklusive Unterrichtsstunde mit Haußmann und Herbig. Gestern ab 11.35 Uhr stand sie auf dem Stundenplan der 10b und 10c.

    Der Komiker Herbig und der Regisseur Haußmann erweisen sich dabei als überaus unterrichtstauglich. Er wäre auch gern Lehrer geworden, verrät Haußmann. „Aber ich bin im Osten groß geworden, da hat es mich nicht so gereizt.“ Für die einstige DDR, in der er 1959 geboren wurde, und die er in den Komödien „Sonnenallee“ und „NVA“ zum Filmthema gemacht hat, hat er auch 22 Jahre nach deren Untergang keine verständnisvollen oder gar freundlichen Worte übrig. „Diktatur ist Diktatur, sie ist gewalttätig und verhindert die freie Entfaltung von Persönlichkeiten“, verdeutlicht er am Ende der Unterrichtsstunde noch einmal.

    So ließe sich auch Haußmanns jüngster Film „Hotel Lux“ zusammenfassen. Darin wird die fiktive Geschichte des Komikers Hans Zeisig erzählt, der das nationalsozialistische Deutschland in Richtung Hollywood verlassen muss. Doch er kommt vom Regen in die Traufe und landet im Moskauer Hotel Lux, mitten drin in der stalinistischen Sowjetunion. Und wieder muss Zeisig um Existenz und Leben bangen.

    Vom Raubkopieren zur kommunistischen Idee

    Solchen historisch-politischen Stoff rüberzubringen ist freilich nicht so einfach. Über unser Gesellschaftssystem zu reflektieren oder über politische Theorien zu diskutieren, ist auch an der Schondorfer Realschule keine typische Pausenbeschäftigung.

    Doch ein Schauspieler und ein Regisseur wissen sich zu helfen, das Thema zu verbildlichen. So erklären Herbig und Haußmann den Begriff Kommunismus, indem sie auf die wirtschaftlichen Folgen des Raubkopierens von Musik und Filmen zu sprechen kommen. Wer das Eigentum anderer nicht respektiere, bringe es so weit, dass niemand mehr etwas habe, „und das ist dann schon die kommunistische Idee“, fasst Haußmann zusammen. (ger)

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