Vor gerade einer Woche hat der durch eine Tiger-Attacke schwer gezeichnete Christian Walliser das Krankenhaus verlassen. Und schon dreht sich wieder alles nur um die Tiere. Von Miriam Zissler

Eins muss man ihm lassen. Er ist zäh. Vor gerade einer Woche hat der durch eine Tiger-Attacke schwer gezeichnete Dompteur Christian Walliser das Krankenhaus verlassen. Und schon dreht sich wieder alles nur um die Tiere. Erholung ist - wenn überhaupt - zweitrangig.
Glücklich ist der 28-Jährige, dass am Samstag das erste Außengehege eingetroffen ist. Beim Aufbau kann er aber nur zusehen. Er sitzt im Rollstuhl. Ein Kapuzenpulli, eine dicke Jacke und eine Decke schützen den hageren Mann vor der Kälte. Trotzdem friert er an den Füßen und im Gesicht. Das ist ihm aber egal. "Das Gitter kommt an das Gehege. Dort ist der Durchgang für die Tiger. Da können sie später von einem in das andere Außengehege wechseln", sagt er.
Bekannte und Mitarbeiter der Spedition Nuber sind gekommen und packen mit an. Das Gehege wird aufgebaut, die Veranda - eine Art vergitterter Balkon am Tigerkäfig - installiert. Walliser: "Zusammen mit den Käfigen, den Veranden und den beiden Außengehegen haben meine Tiger 220 Quadratmeter Auslauf." Den können sie allerdings erst genießen, wenn er selber wieder auf den Beinen ist. Denn er muss das Gitter von dem Tigerkäfig öffnen, sonst kann diese Arbeit niemand übernehmen. Es tue ihm selber weh, dass seine "Kinder", wie er die Tiger nennt, derzeit auf den Auslauf verzichten müssen. "Aber ich sitze ja selber im Rollstuhl", sagt er und hofft, dass sich dieser Zustand bald ändert.
Inzwischen hat er tatkräftige Unterstützung erhalten. Die Tierarzthelferin Katrin Strehle hilft ihm, wo es geht. Sie mistet die Käfige, verteilt Streu und Stroh und füttert die Tiere mit riesigen Rinderteilen. "Wir kennen uns seit vielen Jahren. Ich habe gerade Urlaub, da hat er wirklich Glück gehabt", sagt sie. Am Dienstag will sich ein Tierpfleger bei dem 28-Jährigen vorstellen. Wenn er endlich jemanden findet, würde ihn das sehr erleichtern. Schließlich muss er Arzttermine wahrnehmen, ein Physiotherapeut kommt täglich zu ihm nach Hause und macht Übungen mit der verletzten Hand und den Beinen.
Nach der Fütterung wird noch ein bisschen geschmust: Tigerin Ashanti bekommt ein Küsschen auf die Nase. Das ist auch Teil seiner Zirkus-Show. "Am Ende meines Auftritts sind nur noch Ashanti und ich in der Manege. Dann will sie zuerst einen Kuss haben, bevor sie neben mir das Zelt verlässt", berichtet er und strahlt das erste Mal an diesem Nachmittag.
Trainingsbeginn Ende Januar angepeilt
Wenn es nach ihm geht, will er am 6. März wieder im Circus Crocofant auftreten. Zehn Tage vorher würde er dort mit dem Training beginnen. Walliser: "Das geht hier auf dem Speditionsgelände nicht. Im Zelt ist es natürlich auch wärmer." Ob er das schafft, da ist seine Mutter Sieglinde noch skeptisch. "Jetzt warten wir mal ab", sagt sie.
Viel Hilfe hat Walliser bereits erhalten, dafür will er sich bedanken. Er hat ein Spendenkonto bei der Raiffeisenbank Kaiserstuhl eingerichtet. (Walliser Tiger, Kontonummer 21 255 300, Bankleitzahl 680 634 79). Das Geld komme ausschließlich den Tieren zugute. Miriam Zissler
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