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Auslandshilfe: Damit man wieder umarmen kann

Auslandshilfe

Damit man wieder umarmen kann

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    LandsAid und die Otto-Bock-Stiftung helfen mit vereinten Kräften den versehrten Erdbebenopfern in Haiti. Das Foto zeigt Dieter Storck mit einer Patientin.
    LandsAid und die Otto-Bock-Stiftung helfen mit vereinten Kräften den versehrten Erdbebenopfern in Haiti. Das Foto zeigt Dieter Storck mit einer Patientin. Foto: Foto: Claudette Coulanges

    Kaufering Seit September 2010 kümmert sich die Kauferinger Hilfsorganisation LandsAid mit ihrer Prothesenwerkstatt in Port-au-Prince um die vom Erdbeben im Januar 2010 versehrten Menschen. Bisher wurden ausschließlich Beinamputationen versorgt. Seit April kann laut Pressemitteilung mit der Unterstützung von Spezialisten der Otto-Bock-Stiftung auch Kindern und Erwachsenen helfen, die bei der Katastrophe einen Arm verloren haben.

    Verglichen mit der Beinprothetik, ist die orthopädietechnische Versorgung mit künstlichen Armen deutlich aufwendiger und komplexer. „Wir wollen, dass die Menschen wieder gehen, aber sich auch wieder umarmen können“, erklärt LandsAid-Geschäftsführer Dirk Growe. Im Auftrag von LandsAid und der Otto-Bock-Stiftung machten sich die Spezialisten Ulrich Müller und Dieter Storck mit drei zusätzlichen Koffern für 70 Kilo Prothesenpassteile auf den Weg. Anhand der Patientendokumentationen hatten sie individuelle Versorgungspläne erarbeitet und die benötigten Komponenten zusammengestellt, deren Finanzierung LandsAid übernahm. Die gut ausgestattete Prothesenwerkstatt hat LandsAid gemeinsam mit dem Roten Kreuz in Port-au-Prince aufgebaut. Dort haben die beiden Orthopädie-Techniker in zwei Wochen sieben Patienten mit Armprothesen versorgt.

    Manchmal fließen Tränen beim Anprobieren der Prothese

    Für die Helfer war spürbar, dass die 15 Monate zurückliegenden traumatischen Erlebnisse noch nicht verarbeitet sind. „Tränen sind einige geflossen. Mal ist es Enttäuschung, weil sich der Patient den künstlichen Arm anders vorgestellt hat. Mal ist es die Erleichterung, dass endlich nach so langer Zeit jemand da ist, der endlich die versprochene Armprothese baut“, erzählt Ulrich Müller. Einer seiner Patienten war der neunjährige Luciano. Er erwies sich als aufgeweckter Junge und verstand sofort, als ihm Ulrich Müller den Umgang mit der Prothese erklärte. Luciano erhielt eine kosmetische Prothese und übte eifrig mit ihr. „Kinder und Jugendliche sehen das alles oft viel spielerischer und unbefangener“, stellte Dieter Storck fest. Aber es ist auch sehr wichtig, die Patienten nach der Versorgung zur Mitarbeit zu motivieren. Erst wenn die richtigen Bewegungen und der richtige Umgang mit der Prothese über Wochen und Monate mit professionellen Therapeuten geübt wurden, lässt sich die Prothese optimal nutzen.

    Die 21-jährige Mireille hat es besonders hart getroffen. Sie hat durch sieben aufeinanderfolgende Amputationen, die wegen ständiger Infektionen nötig wurden, nicht nur ihren Arm, sondern auch die Schulter verloren. Die Techniker stießen an die Grenzen dessen, was in Haiti geleistet werden kann. „In vielen Fällen wären die Stumpfverhältnisse besser, wenn die medizinischen Bedingungen andere gewesen wären“, so Dieter Storck. Nun prüft LandsAid, ob die junge Frau für eine Versorgung nach Deutschland geholt werden kann, und hofft dabei auch auf die hiesige Spendenbereitschaft. (lt)

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