Das Altstadtcafé in der Landsberger Fußgängerzone schließt Anfang Mai für immer

Ein Straußwalzer tönt leise und unaufdringlich aus irgendwo versteckten Boxen, wenig später ist es Ravels Bolero. Versorgt mit Lektüre aus dem Zeitungsständer kann mit Muße gelesen und in aller Ruhe die Tasse Kaffee oder Tee genossen werden, weder Autos noch lärmende Kaffeemaschinen stören die Gemütlichkeit. Das bietet das Altstadtcafé mitten im Herzen von Landsberg – noch. Ab Mai soll das alles der Vergangenheit angehören, soll Schluss sein mit Strudelvariationen nach alten Familienrezepten und leckeren Tortenschnittchen. Familie Maanavizadeh, seit 27 Jahren Betreiberin des Altstadtcafés, zieht sich aus der Gastronomie zurück und geht in den Ruhestand oder ist bereits anderweitig beschäftigt.
Mehdi Maanavizadeh, der Iraner, der seit seiner Studienzeit an der Ackerbauschule, dem heutigen Agrarbildungszentrum, mit Unterbrechungen in Landsberg lebt, mit einer Landsbergerin verheiratet ist und die Lechstadt als seine Heimat betrachtet, fällt die Aufgabe des Cafés nicht leicht. Dass es ganz verschwinden soll, wie er vermutet, ist für den 79-Jährigen unverständlich. „Wo finden Sie in der Landsberger Innenstadt noch ein Lokal mit 240 Sitzplätzen, wie es das Altstadtcafé bieten kann“, fragt er. Die im Lauf der Jahre zusammen getragenen Sammlerobjekte wie Uhren, Vasen, Figuren, die zum stilvollen Kaffeehaus-Ambiente beigetragen haben, stehen zum Verkauf. Auch die farblich abgestimmten und mit der Einrichtung in Einklang gebrachten Bilder von Hans Dietrich und Fritz Haid werden abgehängt und veräußert.
Mit Unverständnis auf die Schließung „ihres“ Altstadtcafés reagieren auch Stammgäste. Etwa der Münchner Konstantin von Harder. Er bezeichnet es als „traurige Situation“, wie er in einem Brief schreibt, dass „diesem Kleinod der Entschleunigung und der unbeobachteten Rückzugsmöglichkeit der Rendite-Garaus droht“.
„Grundsätzlich kommt die Bank rein“, teilt Manfred Doll von der VR-Bank Landsberg-Ammersee, die seit mehreren Jahrzehnten bereits Eigentümer der Gebäude Ludwigstraße 163 und 164 ist, auf Nachfrage mit. „Wir wollen es aber auch möglich machen, die Tradition eines Cafés fortzuführen.“ Die Eigentümerin des Hauses Ludwigstraße 165, in dem Maanavizadeh einen weiteren Raum angemietet hat, steht in Verhandlung mit Mietinteressenten, es sei aber noch nichts spruchreif, hieß es.
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