Der Chilene José Antonio Escobar präsentierte ein Wunschprogramm von Sor über Bach bis zu Villa-Lobos

Landsberg Für die dritte Ausgabe von „Festival Faszination Gitarre“ in Landsberg haben die Organisatoren ein hervorragendes, fast schon luxuriöses Programm zusammengestellt. Im Stadttheater geht es Abend für Abend von einem Höhepunkt zum nächsten.
Nach fulminantem Auftaktkonzert durften die Gitarrenfreunde ein besonderes Schmankerl genießen/erleben: José Antonio Escobar, der Chilene mit den flinken, geschmeidigen Fingern, der eigentlich vor zwei Jahren bereits spielen sollte, und dessen Auftritt damals der sattsam bekannten Aschewolke zum Opfer fiel, verwöhnte die Zuhörer im ausverkauften Stadttheater mit ausgesucht schönen Kompositionen – „mein Wunschkonzert“, hatte Christian Gruber zu Beginn des Abends verraten – und mit hinreißender Virtuosität und Musikalität. Escobar begann mit einer zarten, sehr melodiösen Fantaisie Op. 30 von Fernando Sor (1778-1839), dem großen spanischen Gitarristen und Komponisten, der etwa die zweite Hälfte seines Lebens in Paris weilte und dort auch begraben liegt.
Der Chilene präsentierte sich hier als Meister der klangrein gespielten leisen, dahinschwindenden Töne, Akkorde verebbten unter seinen sanften Fingern bis zur völligen Stille. Warum José Antonio Escobar die beiden Werke des ersten Teils getauscht hat, erschloss sich dem Zuhörer gleich zu Beginn der Partita Nr. 1 BWV 825 von Johann Sebastian Bach. Die Partita, eine von vielen, die Bach unter dem Titel „Clavierübung“ zusammengefasst hat, arrangierte Escobar für Gitarre, aber so anspruchsvoll, dass wohl nicht allzu viele Gitarristen auf der Welt sich diese sieben Sätze am Stück antun. Weite, ständig die ganze Länge des Gitarrenhalses auslotende Griffe, ganze Passagen zwei- und dreistimmig gezupft – Escobar arbeitete sich durch dieses Meisterwerk an Virtuosität hingebungsvoll, fast sportlich, aber auch nicht ganz ohne Anstrengung.
„Etudes“, die es in sich haben
Der Schweiß troff ihm nicht nur von der Stirn, die folgende Pause hatte er sich redlich verdient. Auch der zweite Teil brachte Anspruchsvolles, jetzt von dem brasilianischen Komponisten und Dirigenten Heitor Villa-Lobos (1887-1959) original für Gitarre komponierte „Etudes“, wobei die Bezeichnung „Etude“ wohl nicht wie im gängigen Sprachgebrauch zu verstehen ist. Diese „Etudes pour la guitarre“ haben es in sich, bei ihnen wirbeln Rhythmus, Takt und Tonart so wild durcheinander, dass selbst der Zuhörer gefordert ist.
Dass sie zu einem echten Ohrenschmaus wurden, ist Escobar zu verdanken. Leicht und federnd, dann wieder stolz und fordernd, bewegt und sehr bewegt – alle Facetten seines Könnens tischte der Gitarrist, der sein Meisterklassendiplom übrigens in Augsburg erworben hat, mit den Etuden noch mal auf.
Und natürlich gab es am Ende Jubelstürme, und als Belohnung für das Publikum Präludien von Villa-Lobos – trotz „verbrauchter“ Fingernägel des Gitarrenvirtuosen.
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