Godela Orff, die einzige Tochter des Komponisten und Musikpädagogen Carl Orff (1895 - 1982) widmet ihr Leben dem künstlerischen Werk des Vaters – wenngleich sie Lebensabschnitte erleben durfte, wo sie, wie in den 17 Jahren als Schauspielerin, bekannter war als er. Die in Grafrath lebende Künstlerin wurde heuer 90 Jahre alt, das Carl-Orff-Museum in Dießen widmet sich beim Museumstag ihrer Vita.
Am 21. Februar 1921 ist Godela Orff in München geboren, als Tochter von Carl Orff, seinerzeit Kapellmeister und Korrepetitor, und der Sopranistin Alice Solscher. Die Mutter verließ die junge Familie für ihre künstlerische Karriere. Godela wuchs beim Vater auf, eine Jugend geprägt von häufigem Schulwechsel und Internatsaufenthalten. Obwohl Godela Orff Ärztin werden wollte, folgte sie dem Wunsch des Vaters, und ging auf die Schauspielschule in München.
„Ich war immer sehr diszipliniert“, sagt sie und erinnert sich, wie sie in den 1930-er Jahren kleinere Rollen spielen durfte.
Als Godela 1939 am Bayerischen Staatsschauspiel in München innerhalb von 36 Stunden ihre erste Rolle als Luciana in „Die Komödie der Irrungen“ von William Shakespeare übernehmen musste, jubelt die Augsburger Zeitung: „Die junge Künstlerin besitzt in hohem Grade die Kunst der verzauberten Seele und gehört dank ihrem starken szenischen Instinkt zu den meistversprechenden Bühnenbegabungen unter dem heutigen Nachwuchs.“ 1942 feierte Godela mit Friedrich Hebbels „Agnes Bernauer“ Erfolge. Ihr Vater komponierte „Die Bernauerin“ für seine Tochter neu. Wieder größtes Medienlob: „Aus Godela sprach das Urgeheimnis der bayerischen Lautmalerei in ihrer rhythmischen Biegsamkeit und Klangfülle aus jedem Absatz.“ (Schwäbische Landeszeitung). Von 1957 bis 1959 produzierte Godela Orff, zusammen mit Orffs engster Mitarbeiterin Gunild Keetmann, die 18-teilige Fernsehserie „Musik für Kinder“ über das Orff Schulwerk. 1969 wurde sie als Dozentin für „Sprecherziehung und Sprachgestaltung“ in Verbindung mit dem Orff Schulwerk an die Akademie für Musik und darstellende Kunst ins Mozarteum nach Salzburg berufen.
1971 fing sie an, ein weiteres Talent zu beleben: Das Schreiben. 1992 publiziert der Piper-Verlag die erste Auflage ihres Buches „Mein Vater und ich“. Später produzierte sie das Hörbuch „Mein Vater Carl Orff und ich“ mit Ausschnitten aus Werken und Lesungen von Carl Orff und einem reich bebilderten Booklet. (Oskar-Verlag, 2007). Und sie schreibt weiter, wann immer es ihre Kraft erlaubt. Godela Orff betrachtet es als ihre Aufgabe, die künstlerischen Ideen ihres Vaters lebendig zu erhalten. Für ihre Bearbeitung des Märchenstückes „Der Mond - ein kleines Welttheater“ bekam sie den Medienpreis „Leopold 1999“ des Verbandes Deutscher Musikschulen. Von zentraler Bedeutung ist für sie das letzte Werk von Orff – sein Vermächtnis: „De temporum fine Comoedia, das Spiel vom Ende der Zeiten“. Hier hat sie durch Straffung und erläuternde Übersetzungen des dreisprachigen Werks einen Weg aufgezeigt, mit heutigen Mitteln das Verständnis für dieses Werk zu wecken. Godela Orff möchte noch in diesem Jahr die „Kleine Chronik der Anna Magdalena Bach“ als Hörbuch publizieren. Öffnungszeiten Das Museum ist am Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Sonderführungen mit Rotraut Freytag gibt es um 11, 14 und 16 Uhr und nach Vereinbarung.