Ein letztes Mal erlebten die Besucher im Festsaal des Historischen Rathauses, wie Ingo Lehmann als noch amtierender Oberbürgermeister ans Rednerpult trat. Er hatte zu einem Empfang geladen, um sich zu verabschieden nach zwölf Jahren im höchsten Amt der Stadt Landsberg.
Und Ingo Lehmann tat das, was man von einem scheidenden Oberbürgermeister erwarten konnte: Er zog noch einmal Bilanz, indem er sich bei denjenigen bedankte, denen seiner Einschätzung nach „das Wohl der Stadt am Herzen liegt“. Deshalb waren unter den persönlichen Freunden und Weggefährten auch Vertreter von Kirchen, des Bayerischen Roten Kreuzes, der Feuerwehr und anderen Organisationen und Verbänden („Der zahlreiche Besuch freut und beschämt mich“). Das beginne in den Bereichen Sport, Kultur und Feuerwehr und münde irgendwann in der Arbeit des Seniorenbeirats der Stadt.
Vor allem die Annäherung dieses Ältestengremiums mit dem Nachwuchsparlament, dem Jugendbeirat, freue ihn besonders. Das habe die Diskussion in der Stadt ausgesprochen bereichert, „gut, dass die beiden zusammengefunden haben“. Im Bereich Kultur sei das Niveau in Landsberg inzwischen „herausragend“, die Situation der Schulen sei verbessert und deutlich vorangebracht worden.
Das Verhältnis zum Kloster sei trotz „seiner persönlichen Kirchenferne“ hervorragend und konstruktiv die Zusammenarbeit mit den Kirchen am Ort („Was dort an Menschlichem geleistet wird, ist phänomenal“). Insgesamt sei er stolz darauf, „wie wir unsere Heimat Landsberg gestalten“. Dabei stelle sich ihm stets die zentrale Frage: „Wie entwickeln wir die Stadt weiter, ohne unsere Identität zu verlieren.“ Dazu gehöre für ihn gegenseitiges Vertrauen und Verlässlichkeit in der Stadtpolitik. Deshalb ärgerte ihn der Vorwurf, in Landsberg regiere der Filz. „Ich weigere mich hinzunehmen, dass sich in der Kommunalpolitik die gleichen Verhaltensweisen wie in der großen Politik einschleichen.“ Wenn die eine Seite „Hü“ sage, komme von der anderen geradezu reflexartig und oft auch wider besseren Wissens „Hott“.
Er beklagte die Tatsache, dass Informationen aus nicht-öffentlichen Sitzungen allzu oft an die Öffentlichkeit gelangen. Dies sei ein „Schatten“, der sich über die Arbeitsatmosphäre in diesem Gremium gelegt habe. Dabei untermaure gerade die positive wirtschaftliche Entwicklung der Stadt die Richtigkeit seiner Führungskonzeption.
Ingo Lehmann machte zum abschied aus seinem Herzen keine Mördergrube. Jedes Mal, wenn der „Macher“ (Dritte Bürgermeisterin Sigrid Knollmüller in ihrer Laudatio über Lehmann) ein Großprojekt anpackte, sei er sich vehementen Anfeindungen ausgesetzt worden. Das habe bis in sein privates Umfeld durchgeschlagen, wenngleich jeder, der solch ein Amt anstrebe, wissen müsse, was er sich antue. Getoppt würden diese „unsäglichen Angriffe“ inzwischen durch die Anonymität des Internets. Für Ingo Lehmann ist das, was sich dort abspiele, der „Niedergang der politischen Kultur“. Er könne mit Kritik umgehen, wenn sich die Kritiker namentlich dazu bekennen. Deshalb verstehe er auch Medien nicht, die solch anonyme Kommentare veröffentlichten. „Das führt dazu, dass sich viele motivierte Menschen aus Angst vor diesem Shitstrom einer öffentlichen Aufgabe verweigern.“ So sei das Ergebnis der für ihn verlorenen OB-Wahl nicht das Schlimmste im vergangenen halben Jahr gewesen. Im Bekanntenkreis trenne sich momentan die Spreu vom Weizen („Heute ist der Weizen hier“). Vor der Zukunft sei ihm aber nicht bange. Mehr über Lehmanns Abschied lesen Sie in der Printausgabe des LT.