Dießen Dießen wird zum Drehort. Regisseur Tom Bohn, der in der Marktgemeinde lebt, will hier im Januar einen Psychothriller, "Reality XL", fürs Kino produzieren. Der Inhalt: Nachtschicht im Teilchenbeschleuniger des Cern bei Genf, 24 Wissenschaftler beginnen abends, nur einer verlässt am Morgen den Kontrollraum. Diesem mysteriösen Verschwinden gilt es nachzuspüren. "Die Aufklärung, das ist die Story des Films", erzählt Bohn, der mit mehreren Tatortproduktionen und Kinofilmen erfolgreich war. Mehr will er an dieser Stelle noch nicht verraten. Nur so viel, hinsichtlich der wissenschaftlichen Fragen werde er von zwei Physikern beraten. Von STephanie Millonig
Diesmal ist es keine Auftragsproduktion, sondern Bohns eigenes Projekt, umgesetzt über das Label Indiestars, einer Internetplatform für Independent-Filme, welche Tom Bohn gegründet hat. Zur Entstehungsgeschichte zählt übrigens auch die Finanzkrise. Der 50-jährige Regisseur stand vor der Entscheidung, zuzusehen, wie seine Lebensversicherung voraussichtlich von Jahr zu Jahr weniger wert ist. "Heb's ab und mach einen Film draus", sagte er sich, der finanzielle Grundstein für die Produktion war gelegt.
Als Produzent mehr Freiheit
So bewegt er sich als Produzent zwar in einem engen ökonomischen Rahmen, ist aber durch keine anderen Vorgaben beschränkt: "Vom Inhalt und der Machart her hätte dieser Film nie eine Chance gehabt, von einem Fernsehsender produziert zu werden." Diese künstlerische Freiheit reizt offensichtlich auch die Schauspieler und das Filmteam. Alle arbeiten laut Bohn auf Gagenrückstellung, das heißt, sie verdienen erst etwas, sobald der Film Geld erwirtschaftet. Es gelang Bohn Max Tidof, der beispielsweise als einer der Comedian Harmonists zu sehen war, zu gewinnen und er ist auch mit weiteren bekannten Schauspielern im Gespräch.
Das begrenzte Budget bestimmt die Kulisse, die Produktion müsse sich auf einige bestimmte Szenenbilder beschränken, so Bohn. Hauptkulisse ist das Gebäude der ehemaligen Druckerei Huber in der Johannisstraße in Dießen. Auch die Drehzeit konzentriert sich auf 16 Tage vom 11. bis 28. Januar. Berlin und Dießen seien für ihn als Drehorte infrage gekommen, erzählt Bohn, die Mehrheit des Filmteams habe aber lieber nach Dießen gewollt. "Und ich freue mich, dass ich zum Drehen nicht weg muss."
Im Januar gilt es, 25 Leute unterzubringen und zu verköstigen. Die Dießener Gastronomie und der MTV, der seine Jugendsportherberge zu günstigen Konditionen zur Verfügung stellt, sind dem Filmemacher entgegengekommen. Jetzt wird noch das Drehbuch überarbeitet. Wie Bohn erzählt, entwickelten sich nach der ersten Fassung eines Filmdrehbuchs immer noch weitere.
Zwei Praktikanten werden gesucht
Und Bohn sucht auch noch zwei Praktikanten aus dem Ammerseegebiet, mit Film- oder Theatererfahrung, die Lust haben reinzuschmecken ins Filmgeschäft, angefangen von der Vorbereitung über die Drehzeit bis zur Abwicklung des Films. Die sogenannte Postproduction erfolge in München. Auch die Entwicklung dieser Filmproduktion lässt sich gut mitverfolgen: Tom Bohn bloggt die wichtigsten Ereignisse, von der Drehgenehmigung bis zur Zu- und Absage von Schauspielern.
Für Neugierige und mögliche Praktikanten:
www.indie-stars.de
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