Da die Facebookgemeinde im Vorfeld eine wilde Party angekündigt hat, reagiert mancher Lebensmittelmarkt in Kaufering, wo sich die Besucher mit Alkohol eindecken könnten. Laut Recherche unserer Redaktion hat ein Markt für Samstag bei der Konzernzentrale Sicherheitspersonal angefordert. Alkoholische Getränke werden die Märkte am Wochenende aus ihren Regalen jedoch nicht verbannen.
In Kaufering steigt Sorge vor dem Party-Chaos
Bereits am Dienstag hatte das Landratsamt in Absprache mit dem Polizeipräsidium Oberbayern-Nord das am Wochenende geltende Verbot der Facebook-Party auf das Landsberger Stadtgebiet ausgeweitet. Nachdem eine 13-Jährige vergangene Woche im sozialen Netzwerk öffentlich zu ihrer Geburtstagsparty an einen Baggersee eingeladen hatte, sagten bis zu 18.000 Menschen aus ganz Deutschland ihr Kommen zu. In Kaufering steigt nun die Sorge vor einem Party-Chaos.
Auch das Jugendamt des Landratsamtes richtet einen eindringlichen Appell an Eltern aus der Region, ihre minderjährigen Kinder am Samstag nicht zur Party zu lassen oder gar dort hinzubringen. „Keiner weiß, was am Samstag passiert. Bei einigen Teilnehmern steckt Aggressionspotenzial dahinter“, sagt Jugendamtsleiter Peter Rasch. Schaulustige könnten von der Polizei nicht mehr von Besuchern unterschieden werden, „und das könnte dann zu blöden Situationen führen“.
Facebook-Partys und ihre Folgen – eine Chronik
Juni 2011: Auf ungewollte Art und Weise lädt die 15-jährige Thessa aus Hamburg-Bramfeld auf Facebook ein Millionenpublikum zu ihrem 16. Geburtstag ein und verspricht die „Party des Jahres“.
Etwa 15.000 Menschen aus ganz Deutschland kündigen sich via Facebook an, 1600 kommen tatsächlich in das beschauliche Wohngebiet.
Tessa selbst ist gar nicht zu Hause, die Eltern engagieren einen privaten Sicherheitsdienst, um das Haus abzusichern. Die Polizei ist mit vielen Beamten vor Ort, dennoch kommt es zu Ausschreitungen.
Elf Personen werden wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung oder Widerstand gegen die Polizei vorübergehend festgenommen.
Im Landkreis Fürth lädt eine 14-Jährige zu einer Party ins Haus der Großeltern, die gerade verreist sind. 70 ungebetene Gäste kommen, randalieren und betrinken sich zum Teil bis zur Besinnungslosigkeit.
In Wuppertal gerät ein kleines Straßenfest außer Kontrolle: 800 Leute folgen einem Aufruf bei Facebook und wollen mitfeiern. Die Lage eskaliert und die Polizei wird mit Feuerwerkskörpern beschossen. Bilanz: 41 Festnahmen und 16 Verletzte.
23. Juli 2011: Im Saarland lädt ein 16-Jähriger irrtümlich öffentlich zu einer Hausparty. Er sagt die Party zwar wieder ab und verreist mit den Eltern. Trotzdem kommen bis zu 2000 Feierwütige und hinterlassen in dem Wohngebiet 50.000 Euro Schaden.
30. Mai 2012: Rund 120 Jugendliche verabreden sich spät abends im Riemer Park in München, um einen Geburtstag zu feiern. Erst ein Großaufgebot der Polizei kann die Lage unter Kontrolle bringen.
8. Juni 2012: Ein 18-Jähriger lädt 3000 Leute zu einer Party in die Wohnung eines gleichaltrigen Ebersbergers ein. 150 Jugendliche kommen, 30 von ihnen randalieren in der Wohnung des 18-Jährigen. Die Gruppe zieht danach durch die Ebersberger Innenstadt und randaliert dort ebenfalls.
Seitens der Polizei hält man sich bedeckt. „Wir haben die Sache im Auge und werden uns entsprechend der Lageeinschätzung aufstellen“, so Peter Grießer vom Polizeipräsidium Oberbayern-Nord. Klar ist wohl: Wer trotz Verbots kommt, dem geht es an den Geldbeutel. „Sollte es zu einer Ansammlung von Menschen kommen, ist es unsere Aufgabe die Personalien festzustellen.“ Und dann greift die Allgemeinverfügung des Landratsamtes, das Bußgelder verhängen kann.
Mittlerweile sind die konkreten Veranstaltungsseiten bei Facebook gelöscht worden, doch nach wie vor soll am Samstag an den Baggerseen die bislang größte Facebook-Party Deutschlands steigen – aller Behördenverbote zum Trotz. Per Allgemeinverfügung droht das Landratsamt jedem mit 1000 Euro Geldbuße, der zwischen Freitagmitternacht und Sonntagfrüh im Raum Landsberg an einer Facebook-Party teilnimmt.
Wie viele Feierwütige werden kommen?
„Landratsamt und Polizei appellieren an die ,Facebookgemeinde‘, am Samstag zu Hause zu bleiben, da es weder einen Veranstalter für eine Party noch die nötige Infrastruktur an genannten Orten geben wird“, heißt es in einer Pressemitteilung. Ob und wie viele Leute tatsächlich kommen, ist offen.