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Jubiläum in Epfach: Fast ein ganzes Leben lang an der Orgel

Jubiläum in Epfach

Fast ein ganzes Leben lang an der Orgel

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    Rupert Steinle war 70 Jahre lang Organist und Chorleiter in mehreren Gemeinden des südlichen Landkreises.
    Rupert Steinle war 70 Jahre lang Organist und Chorleiter in mehreren Gemeinden des südlichen Landkreises. Foto: Foto: Hollrotter

    Epfach „Ich habe in und mit der Kirche gelebt“, sagt Rupert Steinle: 70 Jahre lang verbrachte er praktisch jeden Sonntag in dem einen oder anderen Gotteshaus, spielte die Orgel und dirigierte den Kirchenchor. Er leitete unzählige Proben, spielte bei mehr als 150 Beerdigungen und verlebte zahllose Weihnachtsabende mit der Kirchenmusik statt im Kreis der Familie. Mit der Leonhardifahrt in Reichling am 5. November beendet der 80-Jährige sein Engagement offiziell – mit der Mozart-Messe, einer seiner Lieblingsmessen.

    Die Mutter hat Steinle zur Kirchenmusik gebracht. Sie nahm ihn schon als Bub mit in den Epfacher Kirchenchor und regte später an, dass er das Orgelspiel erlernt. Und so pilgerte der damals 15-Jährige kurz nach dem Krieg jeden Sonntag nach Reichling, wo ihn der damalige Organist Leonhard Mayr unterrichtete – für 50 Pfennig die Stunde. Mayr nahm ihn auch mit in den Reichlinger Kirchenchor und ließ ihn schon bald die erste Messe spielen. Seit damals hat Steinle fast keinen Sonntag mehr frei gehabt, spielte mal in Reichling, mal in Epfach die Orgel. Den Kirchenchor in seinem Heimatort übernahm er 1951 von seiner Mutter.

    Im gleichen Jahr schrieb er sich auf Anregung des früheren Pfarrers im Augsburger Konservatorium ein und war fortan jeden Dienstag um 5 Uhr früh auf den Beinen, um den 6-Uhr-Zug in Denklingen zu erwischen. Am Mittwochabend kehrte er dann von seinen Studien des Orgelspiels, der Musikgeschichte und Harmonielehre zurück, um in der elterlichen Landwirtschaft mitzuarbeiten.

    Viereinhalb Jahre später beendete der Tod des Vaters die Studien gut ein Jahr, bevor Steinle den Abschluss erreicht hätte. Traurig ist er deswegen jedoch nicht, denn „Kirchenmusiker zu sein ist ein hartes Brot und war es damals schon“, sagt er. Außerdem hatte der jung Verheiratete neben seiner Arbeit in der Landwirtschaft und später am Bau genug zu tun. So übernahm er 1970 zusätzlich den Reichlinger Kirchenchor samt Organistenamt und saß ab da jahrelang sonntags um 9 Uhr an der einen und um 10 Uhr an der anderen Orgel. Dazu kam mindestens eine Probe pro Chor und Woche. „Ohne meine Familie wäre das nicht gegangen“, betont Steinle.

    Erst 1985 kam eine Entlastung

    Entlastung kam erst, als eine junge Frau aus Reichling bei ihm das Orgelspiel erlernte und ihn 1985 an Orgel und Dirigentenpult ablöste. Allerdings holte man ihn bereits drei Jahre später nach Ludenhausen, um dort eine Primiz zu übernehmen - und daraus wurden sechs Jahre, in denen er den dortigen Kirchenchor leitete. Auch in Mundraching sollte er zunächst nur aushelfen und blieb dann zwölf Jahre lang. Nachdem er sein Engagement dort 2006 beendet hatte, holte ihn Reichling wieder zum Kirchenchor. Für sein ehrenamtliches Wirken – Steinle sang unter anderem auch sechs Jahre lang im Chor der Pfarrei „Heilig Engel“ in Landsberg, war zwei Perioden im Pfarrgemeinderat Epfach und leitete den Projektchor zur 2000-Jahr-Feier in Epfach, nachdem er den dortigen Kirchenchor 1992 abgegeben hatte – erhielt er bereits etliche Auszeichnungen: das Dekanatszeichen, die silberne und goldene Ehrennadel des Ordinariats, das Landkreiszeichen und das Ehrenzeichen des damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Nun beendet Steinle, der vor Kurzem – natürlich mit dem Reichlinger Kirchenchor – seinen 80. Geburtstag gefeiert hat, sein Engagement. Wenn man die Ministrantenzeit dazu nimmt, hat er der Kirche dann sogar 71 Jahre gedient. Aber „auf ein Jahr hin oder her“, lacht Steinle, „kommt es bei der Ewigkeit nicht an“.

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