Greifenberg Fischbach dürfte der Bach, der vom Pflaumdorfer Moos in Richtung Autobahn fließt und dann in Neugreifenberg in die Windach mündet, bald wieder völlig zurecht heißen: Nach der Umgestaltung des Unterlaufs in Neugreifenberg können die Fische wieder in den Fischbach hinaufziehen, was ihnen in den vergangenen fast 100 Jahren durch zwei jeweils halbe Meter hohe Abstürze weitgehend unmöglich war. Ende des vergangenen Jahres wurde die Wasserbaumaßnahme im Auftrag der Gemeinde Greifenberg als Trägerin der Baulast umgesetzt.
Der Fischbach – er tritt südlich von St. Ottilien an die Oberfläche – ist bis zur Mündung in die Windach zwar nur dreieinhalb Kilometer lang, aber doch ein ziemlich wasserreiches Gewässer. Zwischen 1910 und 1920 wurde der Fischbach von dem damaligen Wasser- und Bodenverband ausgebaut, um das Pflaumdorfer Moos zu entwässern und für die Landwirtschaft besser nutzbar zu machen. Dieser Verband wurde vor mehr als zehn Jahren aufgelöst, seither ist die Gemeinde für den Unterhalt dieses Gewässers dritter Ordnung zuständig.
Hinter den Betonwänden bildete sich ein Hohlraum
Sie war somit gefordert, als noch zu Zeiten des früheren Bürgermeisters Josef Förg der Ruf nach einer Instandsetzung des Unterlaufs laut wurde. Entlang des Gasthofs Bader war der Bach vor rund 100 Jahren praktisch einbetoniert worden, wahrscheinlich um Uferausspülungen zu vermeiden, erzählt Bürgermeister Johann Albrecht. Genau solche Ausspülungen waren nach so langer Zeit dann aber doch entstanden – und zwar in Höhe des Bader-Anwesens. Dessen Besitzer fürchteten laut Albrecht um die Stabilität ihres Ökonomietrakts, außerdem seien auch Kinder in den Hohlraum hinter der Betonwand gekrochen, erzählt der Bürgermeister weiter.
Aus dieser Ursache heraus entstand schließlich eine Baumaßnahme mit einem Kostenaufwand von rund 75000 Euro. Aufgebracht wird das Geld zu 40 Prozent von der Gemeinde, der überwiegende Teil durch den Staat in Form eines Zuschusses. Für dieses Geld wurde der Bachlauf über eine Länge von rund 150 Metern technisch und ökologisch erneuert. Die Betonmauer wurde mit Flussbausteinen ersetzt, da könne später kein Beton mehr bröseln, meint Albrecht. Schließlich habe man auch den untersten Teil des Fischbachs unterhalb der Bahnhofstraße in den Blick genommen. Dort wurde ebenfalls ein Absturz abgeflacht, sodass nun keine Fischbarrieren mehr bestehen. Zudem wurde auch hier das tief eingegrabene Bachbett mit Steinblöcken stabilisiert.
Die durch die Beseitigung der Abstürze erreichte ökologische Verbesserung freut Albrecht besonders: „Jetzt können die Bachforellen wieder zum Laichen hinauf gehen, das ist bisher nur bei Hochwasser möglich gewesen.“ Lachsartige Fische wandern die Flüsse und Bäche hinauf, um dort auf kiesigem Untergrund zu laichen. Nachdem Fortpflanzungsakt ziehen die ansonsten sehr standorttreuen Fische wieder flussabwärts.
Schadensersatzforderung statt Belobigung
Anstelle einer Belobigung bekam die Gemeinde für den Fischbach-Ausbau jedoch eine Schadensersatzforderung vonseiten der Angler. Urheber ist laut Albrecht der Verein, der das Fischereirecht in der Windach besitzt. Die Sportfischer hätten geltend gemacht, dass durch die Gewässerbauarbeiten Sedimente in die Windach eingetragen wurden, sodass die Fische in der Windach in ihrem Laichgeschäft behindert worden seien. Das findet nämlich zwischen Oktober und Januar statt – also just in der Zeit, als jetzt der Fischbach ausgebaut wurde. Albrecht kann sich trotzdem nur darüber wundern: „Wir haben doch an die Fischer gedacht, ich habe ja selber mal einen Angelschein gemacht.“
Wie viel Schadensersatz der Anglerklub aus München haben will, ist Albrecht zwischenzeitlich wieder entfallen. „Ich habe mich noch nicht damit auseinandergesetzt, die sollen zuerst einmal einen Schaden nachweisen.“