Apfeldorf Auf den ersten Blick ist das stolze Alter des Gebäudes nicht zu erahnen: Die schweren Eisenstäbe sind schon lange von den Fenstern verschwunden, Türen und Tore wurden versetzt und die Fassade renoviert. Lediglich eine weiße Plakette mit roten Lettern in Fraktur gibt Aufschluss darüber, dass „Beim Kreuzbauer“ in Apfeldorf im Jahr 1715 schon Leute wohnten. Mit solchen Hausnamensschildern, von denen derzeit etwa 80 im Ort angebracht werden, will die Gemeinde wie berichtet das historische Bewusstsein stärken und an die oftmals so bewegte Geschichte einzelner Gebäude und ihrer Bewohner erinnern. Im Rahmen einer Serie stellt das LT eine kleine Auswahl dieser Häuser vor. Heute: „Beim Kreuzbauer“.
„Mein Großvater hat das Haus im Jahr 1900 vom Maurer Thomas Deininger gekauft“, sagt der heutige Besitzer Leonhard Bader. Damals hat das Anwesen allerdings noch den Namen „Beim Schustermichl“ getragen, was auf einen gewissen Michael Pfab zurückzuführen sei, dessen Familie dort nach 1749 über mehrere Generationen hinweg als Schuhmacher tätig war. Jedoch habe die alte Bezeichnung dem Großvater, der ebenfalls Leonhard Bader hieß und ein reicher Großbauer war, nicht gefallen. „Also hat er laut mündlicher Überlieferung mehrere Banzen Bier (alte Maßeinheit für Fässer) spendiert. Und die Apfel-dorfer haben sich im Gegenzug verpflichtet, den Hof fortan ’Beim Kreuzbauer‘ zu nennen“, erzählt Bader. Schließlich habe der Hof schon immer an der Kreuzung Alpen- und Birkländerstraße gelegen.
„Das Leben hier, aber auch das Gebäude selbst hat sich im Laufe der Zeit stark verändert“, sagt Bader. Er hat seit seiner Geburt im Jahr 1953 „Beim Kreuzbauer“ gewohnt und gearbeitet, zunächst ebenfalls als reiner Landwirt, später zusätzlich als Raumausstatter im Nebenerwerb. So erinnert er sich an eine glückliche Kindheit, wobei er im Stall mit den Pferden spielte und Unfug mit den Knechten machte. Oder an Zeiten, als mit den aufgenommenen Flüchtlingsfamilien über ein Dutzend Personen in dem Haus wohnten und sich im Winter alles in der Küche abspielte, weil nur dort geheizt wurde.
Immerhin, Pferde gibt es schon lange nicht mehr, und wo früher das Lager für Brennholz war, steht heute das Wohnzimmer. Ebenso musste der Anger einem Schuppen weichen. Dennoch gibt es viele verdeckte Spuren, die das Alter des Hauses verraten, sagt Leonhard Bader. Bei der Renovierung habe er unter der Fassade sowohl Wandschichten aus alten Lechsteinen als auch aus neueren Vollsteinen freigelegt, was davon zeuge, dass das Gebäude zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts um etwa vier Meter erweitert wurde. Erst vor Kurzem hat er dagegen aus dem ältesten Teil der Scheune einen wurmstichigen Holzbalken herausgesägt, der „bestimmt 200 Jahre alt“ ist. „Wenn man über Generationen hinweg in einem Haus wohnt, entwickelt sich eine besondere Verbundenheit dazu. Und wenn es dann noch einen eigenen Namen besitzt, ist das ein einmaliges Alleinstellungsmerkmal“, sagt Bader mit einem zufriedenen Lächeln.