Landsberg Was ist schon wichtiger als das ganz Nahe, Persönliche – die Liebe? Nichts beutelt das Individuum so sehr wie die Beziehung zur geliebten Person, daran hat sich seit Menschengedenken bis heute nichts geändert.
Passend zum Frühling und den damit einhergehenden Gefühlen hatte das Literarische Kabinett unter der Organisation von Karin Kern und dem Titel „Mit Küssen nicht zu stillen“ einen Abend der anspruchsvollen Unterhaltung aus Gedichten und Texten sowie Kunstliedern der Romantik rund ums Thema Liebe zusammengestellt, die im Stadttheater zu erleben waren.
Die Texte, die Landsbergs bekanntester Vorleser Helbert Häberlin in gewohnt gekonnter Weise vortrug, sind es allein schon wert, dass man sie sich immer wieder einmal anhört. Sie reichten vom märchenhaften Gleichnis (Der Spiegel mit den zwei Gesichtern von Michel Tournier) über schwärmerische Romantik (Nimmersatte Liebe von Eduard Mörike) bis zum humorig Absurden (Die Gurken von Robert Pinget, Die Launen der Verliebten von Heinrich Heine). Heiteres war ebenso zu hören wie Melancholisches, bis hin zum Sarkasmus (Liebesweisheit von Erich Mühsam), und jeder Text für sich war ein Juwel.
Feinfühlig ausgelotet
Die Zeit zum Nachwirken bekamen die Texte durch die eindrucksvolle konzertante Darbietung des Baritons Armin Kolarczyk und des Pianisten Stefan Veselka.
Facettenreich und sensibel, dann wieder strahlend und kraftvoll, überzeugte Kolarczyk mit seinem Gesangsvortrag und lotete damit die Höhen und Tiefen der Liebesleidenschaften in den Liedern von Schumann, Schubert, Brahms, Beethoven und Richard Strauss feinfühlig aus. Pianist Veselka stand diesem einfühlsamen Vortrag in nichts nach und trug die bekannten Kinderszenen von Schumann sowie einige Dvoràk-Menuette mit Frische, Leichtigkeit und doch subtiler Melancholie vor.
Die Mischung von Musik und Text war gelungen, sodass der Abend trotz des hohen Anspruchs kurzweilig empfunden wurde. Besonders reizvoll war es, das Gedicht „Leise flehen meine Lieder“ von Ludwig Rellstab gesprochen zu hören und dann dessen Vertonung durch Franz Schubert.
Die Schar der Landsberger Liebhaber von romantischer Literatur und Kunstlied dankte Helbert Häberlin und den Musikern mit frenetischem Applaus und Bravorufen.