Dießen 1912 geboren zu sein und sich bis heute an vielen Dingen des Lebens zu erfreuen, ist nicht vielen Menschen gegeben. Irmgard Forstmeier ist eine Frau, die zwei Weltkriege erlebt, den Schah von Persien kennengelernt und die Welt bereist hat. An ihrem 100. Geburtstag, den sie am Montag im Wohnstift Augustinum im Kreise ihrer Familie feiern konnte, blickt die ehemalige Dolmetscherin auf ein sehr bewegtes Leben zurück und richtet den Blick nach vorne. Denn es gibt noch einen Wunsch, den sich die Mutter zweier Töchter, Großmutter und „frischgebackene“ Urgroßmutter gerne erfüllen möchte: Ballonfahren.
In Koblenz erblickte Irmgard Forstmeier das Licht der Welt. Dank ihrer Eltern, die sich immer für viele Dinge interessierten, vor allem aber für Sprachen, sei sie ein Mensch geworden, der mit offenen Augen und Ohren durch die Welt geht. „Sprachen haben mich schon in der Schule fasziniert“, erinnert sie sich.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges – nach Abschluss der ihr bis dahin noch fehlenden Examina an der Sprachschule in Leipzig – fand die junge Frau schnell eine Anstellung als Dolmetscherin in Regierungsangelegenheiten. „Einmal bin ich sogar dem Schah von Persien und seiner Frau begegnet“, schmunzelt sie. In dieser Zeit lernte Irmgard Forstmeier ihren Mann Hans kennen, der war Regierungsrat und hat, wie Tochter Eva erzählt, die Infrastruktur Deutschlands nach dem Krieg maßgeblich mit aufgebaut. Bis zur Pensionierung (Hans Forstmeier war ein Jahr älter gewesen als seine Frau, er starb vor drei Jahren) zog es die beiden nach München, näher an ihre so sehr geliebten Bergen.
Aus dem Ruhestand wurde rasch ein „Un“-Ruhestand, denn Irmgard und Hans Forstmeier bereisten die Welt, trieben weiterhin viel Sport, wanderten und schwammen gerne. Tochter Eva: „Unser Vater wollte im hohen Alter sogar noch an der Ammersee-Überquerung teilnehmen.“ 1994 waren die beiden ins Wohnstift Augustinum gezogen.
Die Jubilarin selbst ist noch immer sehr aktiv. Am Tag vor ihrem Geburtstag spazierte sie mit ihrer aus Berlin angereisten Tochter Eva vom Wohnstift aus zur Schatzbergalm. Das sportliche und gesunde Leben, das sie immer geführt hat, kommt ihr bis ins hohe Alter zugute. Und deshalb denkt die rüstige 100-Jährige auch jetzt nicht daran, sich im Sessel ihres Appartements im Wohnstift Augustinum auszuruhen, sondern will weiterhin für so viel Bewegung als möglich in ihrem Alltag sorgen. (vaf)