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19. Mai 2010 05:40 Uhr

Immer mehr Bienen sterben

Landkreis Die offiziellen Zahlen sprechen von einem Verlust bis zu 25 Prozent. Doch Manfred Hederer, der Präsident des Berufs- und Erwerbsimkerbundes, und Arno Bruder, Fachberater für Imkerei beim Bezirk Oberbayern, schätzen die Verluste bei den Bienenvölkern in der Region weit höher ein. Die Nachfrage nach Völkern sei derzeit sehr hoch und das Angebot gering. Früher habe ein Imker vielleicht über den Winter maximal fünf Prozent seiner Völker verloren, heuer geht Manfred Hederer von einem Verlust von bis zu 50 Prozent aus.

Der lange Winter ist nach Meinung von Experten aus der Region nicht der alleinige Grund für das Bienensterben. Als weitere Ursachen dafür gelten Pestizide, Parasiten, Virenbefall und Stress. Foto: Thorsten Jordan
Foto: Thorsten Jordan

Von Stephanie Millonig und Thomas Wunder

Der lange Winter ist nach Meinung der beiden Experten aus dem Landkreis nicht der alleinige Grund für das Bienensterben. Heutzutage seien die Bienenvölker oft geschwächt, sagt Arno Bruder. Als Ursachen dafür gelten Pestizide, Parasiten oder Virenbefall und Stress, der das Immunsystem der Tiere angreift. Gehen die Völker geschwächt in den Winter und geht dies mit einem hohen Befall an Varroamilben einher, dann kann das katastrophale Auswirkungen haben. Manfred Hederer fürchtet, dass zudem die Anwendung von Agrarchemie auf den Wiesen und Feldern die empfindlichen Organismen trifft. Er hat seine Bienenvölker an vielen Standorten im Landkreis. "Sie sind zurückgekommen, sind komisch getorkelt, haben sich auf den Rücken gelegt und mit den Beinen immer wieder über den Rüssel gestrichen, als wollten sie ihn herausreißen. Noch ein Zucken, dann waren sie tot." Für den Imker sind das Vergiftungserscheinungen.

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Wechselwirkungen werden befürchtet

Den Landwirten will Hederer dabei nicht unterstellen, dass sie die Pflanzenschutzmittel unsachgemäß verwenden. Er befürchtet aber unter anderem, dass bei Mischungen im Tank Wechselwirkungen von im Einzelnen als nicht bienengefährlich geltenden Chemikalien entstehen. Problematisch empfinden Hederer und Bruder auch den Trend hin zu nachwachsenden Rohstoffen und Monokulturen. Dort werde in der Produktion ein niedrigerer Anspruch hinsichtlich des Pflanzenschutzes gestellt, da es sich nicht um Lebensmittel handle. Besorgt ist Hederer auch über den Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels Starane Ranger. Es werde vor allem gegen Ampferarten in der Wiese eingesetzt, vernichte aber auch Löwenzahn und andere Blühpflanzen - zum Beispiel auf Flächen des Staatsgutes Achselschwang. Zum einen werden dadurch Blühpflanzen und damit Bienennahrung vernichtet, zum anderen stört Starane Ranger nach Hederers Überzeugung den Pheromonhaushalt des Bienenstockes, der von der Königin gesteuert wird. "Jeder Stock duftet anders, und wenn die Königin nicht mehr den charakteristischen Geruch hat, wird sie getötet." Er habe so mehrere Königinnen verloren. Dadurch, dass in vielen Bereichen die gesamten Flächen auf einmal gemäht werden, um das Mähgut zu silieren, sei auf einen Schlag die Bienennahrung weg. "Es kommt zum Futterschock", sagt Manfred Hederer. Werde nur eine kleine Menge gemäht, um diese als Grünfutter zu verwenden, sei der Schaden viel geringer. Ein Dorn im Auge ist dem Bienenzüchter auch die Umwandlung von Wiesen in Ackerflächen.

"Jedes tote Bienenvolk hat neben wirtschaftlichem Schaden auch ökologische Auswirkungen", sagt Arno Bruder. Die Bestäubungsleistung dieser Völker fehle in der Fläche. Viele Hobbygärtner und Obstbaumbesitzer, aber auch Erwerbsobstbauern mit Sonderkulturen, wie Süßkirschen-, Himbeeren- und Erdbeeranpflanzungen, fragen gezielt nach Bienenvölkern. Mittlerweile fehlen einfach Bienen. Auch viele Naturpflanzen sind auf die Bestäubung durch die Honigbienen angewiesen. Sie sei Grundlage für den Fortbestand der Pflanzen.

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