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Kunstraum Schwifting: Jenseits des Sichtbaren

Kunstraum Schwifting

Jenseits des Sichtbaren

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    Aurora, 2011, Mischtechnik von Lockstädt.
    Aurora, 2011, Mischtechnik von Lockstädt.

    Schwifting Der Andrang war groß, als der Kunstraum Schwifting am letzten Samstag die aktuelle Ausstellung mit Skulpturen und Zeichnungen von Katja von Lübtow sowie Bildern von Gabriele Lockstädt eröffnete. Die Werke der beiden Künstlerinnen sprechen auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Sprachen, und so schafft ihre räumliche Trennung Klarheit. Es gibt jedoch auch viel Gemeinsames, das sich uns als Betrachter erst bei der intensiven Beschäftigung mit den Kunstwerken erschließt. Der Ausstellungstitel „Jenseits des Sichtbaren“ ist vortrefflich gewählt. Er umschreibt nicht nur das, was die neuesten Werke der beiden Künstlerinnen im Innersten ausmachen. Er impliziert auch einen spannenden Dialog mit dem Kunstwerk.

    Reise nach Irland gab die Inspiration

    Als ob sie schon immer hier stehen würden, begrüßen zwei Holzskulpturen von Katja von Lübtow den Besucher vor dem Kunstraum. Es sind abstrakte Figuren aus Eichenholz. Schlicht und aufrecht das „Paar“ (2007) und in vielen horizontalen Schichtungen gelagert „Weites Land“ (2010). Diese Arbeit wurde durch eine Reise nach Irland inspiriert und zeigt die Faszination der weiten Landschaften. Nahezu schwebend und in sich ruhend breiten sich die miteinander verzahnten Holzbalken horizontal aus.

    Von einer Irlandreise inspiriert sind auch die neuen Bilder von Gabriele Lockstädt, die im Erdgeschoss einen fulminanten Auftakt bilden.

    Die vier großformatigen Leinwände wirken in dem kleinen Raum wie Wandgemälde, die durch die Nähe den Betrachter umso heftiger in ihren Bann ziehen. Die malerische Virtuosität der Künstlerin, die an der Münchner Universität Kunst studierte und seit vielen Jahren als freischaffende Malerin international ausstellt, zeigt sich in diesen vielschichtigen Bildern. Wie selbstverständlich verbindet sie Gegenständliches mit abstrakten, ja ungegenständlichen Übermalungen. Die dünn lasierenden Farbschichten lassen dabei die darunter liegende Malerei partiell durchschimmern oder mitunter ganz verschwinden. Dann verweisen Kürzel, wie Linien, Pfeile und Schrift, auf Gegenstände oder weitreichende inhaltliche Bezüge. Der Fantasie des Betrachters sind dabei keine Grenzen gesetzt.

    Membran, die zwischen zwei Welten pulsiert

    Der erste Stock zeigt Stahlskulpturen und begleitende Zeichnungen von Katja von Lübtow. Sie studierte von 1997 bis 2002 an der Nürnberger Kunstakademie bei dem Bildhauer Tim Scott. In nur wenigen Jahren hat sich das Werk der selbstständig arbeitenden Bildhauerin verändert. Die komplexen Gefüge der früheren Skulpturen erscheinen nun beruhigt und auf wenige Teile reduziert. Auch gehen die Skulpturen mehr und mehr in die Fläche, wenngleich sie frei im Raum stehen. Sie erscheinen als bewegte Membrane, die zwischen zwei Welten pulsieren. Dabei muss man sich immer wieder vergegenwärtigen, dass es sich um starren, schweren Stahl handelt, der erst durch die schmiedende Hand der Bildhauerin in lebendige Bewegung kommt.

    Sensible Oberflächen, die man streicheln möchte

    Die sensiblen Oberflächen sind von derart haptischer Qualität, dass man sie streicheln möchte, um sie auch ganz zu „begreifen“. Keine andere Technik ermöglicht eine derartige Vielfalt an Bewegung bei gleichzeitiger Härte und Starrheit des Materials.

    Ihre sensible Wahrnehmung zeigt sich auch in den kleinen Mischtechniken oben auf der Galerie, die hier erstmals in der Öffentlichkeit gezeigt werden. Es sind sehr private Zeichnungen, in denen die Künstlerin, wie in Tagebuchnotizen, ihren Stimmungen nachspürt. Oft sind die Kompositionen durch die Natur angeregt. Dann fließt der Strich frei und leicht oder schlägt scharfe Haken in das Papier. Andere Stellen werden mit kräftiger Tusche übermalt oder pastos mit Acryl ausgelöscht. In manchen Blättern wird auch die Bildhauerin sichtbar, die dreidimensional und plastisch denkt.

    Den Abschluss der sehenswerten Ausstellung bilden im dritten Raum das Triptychon „Lamento“ sowie vier kleine, aber desto heftigere Bilder aus dem Werkzyklus „Zion“ von Gabriele Lockstädt. Auch ohne die Wurzeln dieser Arbeiten zu kennen, berühren die abstrakten Kompositionen nicht nur durch ihre Zeichenhaftigkeit, sondern auch durch die Farbe. Der Titel „Zion“ bezieht sich auf den Gottesberg Zion auf Sinai, den die Künstlerin jüngst besuchte. Ihre Bilder enthalten Ideen von Reisen, von Sehnsuchtsorten und ihren Geschichten.

    So kann der intensive Betrachter in den Werken der beiden Künstlerinnen jenseits des Sichtbaren viel mehr entdecken als auf den ersten Blick wahrgenommen wird. Je nach eigenen Erfahrungen und Assoziationen erzählen die Kunstwerke unterschiedliche Geschichten und berühren uns im Innersten.

    Öffnungszeiten Die Ausstellung „Jenseits des Sichtbaren“ mit Arbeiten der Künstlerinnen Gabriele Lockstädt und Katja von Lübtow ist bis zum 26. November, Sonntag von 14 bis 17 Uhr (vom 30. Oktober bis 26. November nur nach Vereinbarung) im Kunstraum Schwifting, Kirchberg 9 zu sehen.

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