"Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen." (aus Afrika) Von Thomas Wunder

Landkreis Der Begriff Prävention kann ganz allgemein mit "vorausschauender Problemvermeidung" übersetzt werden. Das ist nicht nur im Kindesalter, sondern auch bei Jugendlichen wichtig. Der Landkreis will dem Rechnung tragen und hat im Amt für Jugend und Familie zwei neue Aufgabenbereiche geschaffen. Elisabeth Ruge leitet die Koordinierungsstelle Frühe Kindheit und Gisela Zimmermann ist für den Jugendschutz im Landkreis zuständig. In einem Pressegespräch stellten die beiden Frauen vor Kurzem ihre Arbeit vor.
Die Koordinierungsstelle Frühe Kindheit richtet sich an Eltern und Alleinerziehende. "Wer Hilfe benötigt, der wendet sich in der Regel zu spät an das Jugendamt", sagt Elisabeth Ruge. Doch gerade in der frühen Kindheit werden ihrer Meinung nach die zentralen Weichen für die Entwicklung eines Kindes gestellt. Zudem sei der Nachwuchs im Alter bis zu fünf Jahren stark von Bezugspersonen abhängig. "Wenn Eltern nur begrenzt leistungsfähig sind und die Bedürfnisse der Kinder nicht angemessen wahrgenommen oder interpretiert werden, kann das fatale Folgen haben", sagt Elisabeth Ruge. Werde rechtzeitig erkannt, dass Hilfe gebraucht wird, können hohe Folgekosten vermieden werden.
Für Elisabeth Ruge ist es daher wichtig, dass die Angebote ihrer Einrichtung vielen Bürgern im Landkreis bekannt sind. Sie will offensiv auf Familien, Eltern und werdende Eltern zugehen. So soll jedes Neugeborene eine Art Willkommenstasche erhalten, die auch Informationen zur Koordinierungsstelle enthält. Mit einem Fachbranchenbuch mit dem Titel "Frühe Hilfen" und einer Veranstaltung im Februar möchte sie in der Öffentlichkeit zusätzlich die Werbetrommel rühren.
Überfordert oder unsicher
Die Beratung, die von Elisabeth Ruge angeboten wird, ist kostenfrei und freiwillig. Sie will Betroffenen in schwierigen und belastenden Situationen helfen oder ihnen passende Angebote anderer Einrichtungen näher bringen. Ansprechen möchte sie in erster Linie jene Eltern, die überfordert oder unsicher sind. Das können Alleinerziehende sein, aber ebenso Familien und Eltern, die mit Suchtproblemen, psychischer Erkrankung oder Armut kämpfen.
Während Elisabeth Ruge darauf hofft, dass die Betroffenen zu ihr kommen, ist ihre Kollegin Gisela Zimmermann gerade am Freitag- und Samstagabend im Landkreis unterwegs. Sie kontrolliert den gesetzlichen und erzieherischen Jugendschutz in Bierzelten, Spielhallen, Bars und Diskotheken. Sie will vor allem präventiv arbeiten. Mit Veranstaltern von Festen und Gewerbetreibenden setzt sie sich im Vorfeld zusammen. Diese Absprache sei wichtig. Bei der Kontrolle arbeitet sie mit der Polizei zusammen - wenn dies zeitlich möglich ist.
Gisela Zimmermann sieht sich auch als Aufklärerin. Etwa wenn sie mit Jugendlichen über die Gefahr von Alkohol und Drogen spricht. Bei ihren Kontrollen bei Dorffesten oder Zeltpartys stoße sie immer wieder auf Jugendliche, die ohne Erziehungsberechtigten feiern. Der so genannte Erziehungsauftrag werde von vielen Eltern blanko ausgestellt. Wer den aber unterzeichnet, müsse für den Jugendlichen Sorge tragen und bei einer Party immer in dessen Nähe bleiben. Vielen Erwachsenen, mit denen sie darüber spricht, seien die vielen Aufgaben, die damit verbunden sind, nicht bekannt.
Kontakt Elisabeth Ruge und Gisela Zimmermann sind im Landratsamt in Landsberg in der Von-Kühlmann-Straße 15 zu erreichen. Elisabeth Ruge unter der Telefonnummer 08191/129-332 oder via E-Mail an elisabeth.ruge@lra-ll.bayern.de; Gisela Zimmermann ist telefonisch unter 08191/129-263 zu erreichen oder per E-Mail an gisela.zimmermann@lra-ll.bayern.de
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