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Milchfrühling: Kunst, Käse und Kühe auf der Wiese

Milchfrühling

Kunst, Käse und Kühe auf der Wiese

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    Hörbuchsprecherin und Schauspielerin Dora Borkoff sprach nicht nur über die Bedeutung der Kuh in der Literatur, sondern hatte die Kuh auch als Zuhörerin.
    Hörbuchsprecherin und Schauspielerin Dora Borkoff sprach nicht nur über die Bedeutung der Kuh in der Literatur, sondern hatte die Kuh auch als Zuhörerin. Foto: Fotos: Julian Leitenstorfer

    Schwifting Kunst, Käse und Kühe – eine ungewohnte, aber gelungene Mischung, die die Familie Kaindl auf ihrem Bauernhof in Schwifting zusammenbrachte: Die Demeterbauern luden zur „Matinee im Grünen bei Käse, Wein und Kühen“ mit „Literatur in der Natur“. Die Veranstaltung stand im Rahmen des „Milchfrühlings“ der Landfrauen des Bauernverbandes. Dass die Kuh mehr ist als Milch- und Fleischlieferant, wurde in der Lesung aber auch durch Petra Kaindls Worte deutlich. Für die Schwiftingerin hat sich mit der musikalischen Umrahmung durch die Harfenspielerin und Kulturpreisträgerin Maura Knierim „ein Traum erfüllt“: Sie hatte das „göttliche Instrument“ auf der Wiese im Grünen und dahinter ihre Kühe, die sie als „Geschenk Gottes“ empfindet. Tiere, deren Grasen, Ruhen und Wiederkauen den Betrachter in meditative Stimmung versetzen kann, die Milch gebend und nährend für die Bäuerin Kaindl auch das Weibliche verkörpern.

    Kräuterquark aus Andechs und Bergkäse aus Kimratshofen

    Bevor die Gäste, unter ihnen Kreisobmann Leonhard Welzmiller und Kreisbäuerin Rita Behl, den Texten und der Musik lauschen konnten, erklärte der Kinsauer Käsermeister Bruno Schilcher, was sie sich munden lassen konnten: Romadur aus Ruderatshofen, Bergkäse aus Kimratshofen, Camembert aus Kissleg, Ziegenkäse aus Biberach und Kräuterquark aus Andechs.

    Dann entführte die am Ammersee lebende Schauspielerin und Hörbuchsprecherin Dora Borkoff in die Welt der Sprache, die auch der Kuh ein Denkmal gesetzt hat. Schon in der Mythologie spielen Rinder eine Rolle, in Welterschaffungsmythen gibt es die Himmelskuh, die heilige Urkuh. Erstaunliche Fakten und spannende Deutungen las die Schauspielerin aus einem Buch „Die Kuh“ von Florian Werner. Sogar die Sesshaftwerdung wird als Folge der Kuhhaltung gesehen. Der Besitz der Nahrungsspender macht unabhängig vom Jagen und Sammeln. Das Rind bekam im Gegenzug Nahrung, Pflege und Schutz vor Raubtieren. Die Rinder- und Milchkuhhaltung breitete sich global aus, in heutigen Tagen nicht nur zum Besten, wie Werner nicht verschweigt: In Südamerika weichen die Regenwälder den Rinderweiden.

    Dass Kühe nicht immer glücklich sind, zeigte sich in der verschmitzt-philosophischen „Geschichte von der Kuh Gloria“ von Paul Maar, die Dora Borkoff hinreißend las: Da ist die dicke Gloria, die nicht Milchkuh werden will, sondern Sängerin und Tänzerin, und sich damit vor ihren Artgenossen entsetzlich blamiert.

    Gedichte von Goethe, Ringelnatz und Ludwig Erhart

    Nach Fakten und Prosa wurde es lyrisch auf der Wiese mit Goethes Reimen zum Mai und Morgensterns „butterblumengelbe Wiesen“ in einer unaufdringlichen, und doch eindrücklichen Rezitation von Dora Borkoff. Erhards Kuhgedicht erheiterte und Mörikes Frühling ließ sein blaues Band flattern. Der Harfenton erschien nicht nur im Gedicht, sondern erklang ganz real, virtuos hervorgezaubert von Maura Knierim.

    Zwischen den Texten perlten die Melodien mal in romantischen Kaskaden, mal als moderne Komposition des 21. Jahrhunderts Akzente setzend durch die ländliche Stille. Dort draußen im Grünen schuf diese Mischung aus Harfenklang und Wort, untermalt vom Rupfen und Mahlen der Kuhmäuler eine ganz eigene Atmosphäre.

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