Landsberg Die Lange Kunstnacht bleibt in ihrer bisherigen Form bestehen. Das gab die Stadt Landsberg nach einer Fragebogenaktion unter den Einzelhändlern nun bekannt.
Zur Wahl standen folgende Möglichkeiten: Soll die Kunstnacht in ihrer bisherigen Form bestehen bleiben, oder gibt es eine zusätzliche Shoppingnacht, die die Stadt bei der Regierung beantragen müsste? Weiter zur Wahl stand eine Kunstnacht mit verlängerten Öffnungszeiten für den Verkauf? Bisher dürfen die Händler nur bis 20 Uhr verkaufen und kein Fachpersonal zur Beratung einsetzen.
Pressesprecherin Eva Schatz sagt zum Ergebnis. „Wir haben 87 Fragebögen versandt und davon 43 zurückbekommen. 26 stimmten für eine Kunstnacht wie bisher, 14 für zusätzliche Shoppingnacht und drei für eine Kunstnacht mit verlängerten Öffnungszeiten für den Verkauf.“ Somit, so Schatz, werde die Lange Kunstnacht in bewährter Form, ohne Verkauf, weitergeführt.
Die Stadt hatte sich zuvor dieses Ergebnis gewünscht. „Wir schätzen die Lange Kunstnacht so, wie sie im Moment ist. Die Kunst steht im Vordergrund. Das ist Sinn und Zweck der Veranstaltung. Wir denken, sobald ein Verkauf nach 20 Uhr möglich ist, wird die Lange Kunstnacht im Laufe der Jahre zu einer reinen Shoppingnacht verwässern, die dann in der Folgezeit auch nicht mehr genehmigungsfähig wäre, weil die überregionale Bedeutung fehlt.“
Unter den Landsberger Einzelhändlern war lange über das Thema debattiert worden. Medardus Wallner (Tabakwaren und Artisan du vin) beispielsweise spricht sich beispielsweise generell für eine Änderung des Kunstnachttermins aus. „Das gehört mehr in Richtung Sommer, damit man draußen mehr machen kann. Jedes Geschäft sollte sich auch vor der Tür mit Kunst präsentieren, eine Kunstmeile wie auf dem Montmartre in Paris.“
Kritik am Vorgehen der Stadt
Edmund Epple vom Discy übt Kritik an der Entscheidungspolitik der Stadt Landsberg. „Die Stadt suggeriere eine Kunstnacht wie bisher. Da die Ladenschlussproblematik nun aber erstmals ernsthaft auf dem Tisch liegt, ist davon auszugehen, dass sich einige der Geschäfte aus der Kunstnacht zurückziehen werden. Auch ich sehe für unseren Betrieb keine Möglichkeit unter diesen Umständen weiter mitzumachen. Weder möchte ich mich dem Good-Will von Herrn Stolz und dem Ordnungsamt ausliefern, noch möchte ich Gefahr laufen von Dritten angezeigt zu werden.“ Ein Öffnen ohne Beratung und ohne Einkaufsmöglichkeit sei in seinem Fall schlicht absurd. Eine Fashion Night sei zwar grundsätzlich zu begrüßen, aber noch nicht mal im Ansatz durchdacht. Epple: „Beim derzeitigen Organisationsgrad des Einzelhandels in Landsberg sehe ich auch schwarz für die Verwirklichung in naher Zukunft, lasse mich aber gern eines Besseren belehren.“
Ein Zurückziehen der Stadt aus der Organisation der Kunstnacht bei gleichzeitiger Freigabe der Öffnungszeit hält Epple nicht für zwingend. „Ich denke ganz allgemein muss eine Stadt wie Landsberg überlegen inwieweit ihr Stadtzentrum den Spagat zwischen kulturell relevant und wirtschaftlich notwendig hinbekommt. Die Kunstnacht wäre ein toller Hebel um sich entsprechend zu positionieren und diesen Spagat elegant zu bewältigen.“
Beim Reisebüro und der Lottobezirkstelle Vivell ist man dagegen mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Lotto-Geschäftsführer Michael Vivell: „Bei uns steht der Verkauf an diesem Abend nicht an erster Stelle, wir wollen uns auch Kunden öffnen, die sonst nicht zu uns kommen.“ Die Kunstnacht sei sehr erfolgreich gerade weil der Kommerz nicht im Vordergrund stehe.“ Das müsse man so beibehalten und den Hauptplatz noch mehr in diese Nacht einbinden, etwa so wie in der Alten Bergstraße.
Vivell sagt, er sei nicht böse, wenn nun der ein oder andere wegen der Öffnungszeiten aussteige. „Dadurch könne sich die Qualität des Angebots bei der Kunst auch verbessern.“ Eine zusätzlich Shoppingnacht hält er für eine gute Idee. „Man sollte von den vier Marktsonntagen zwei fallen lassen und dafür so eine Nacht versuche. Gerade bei Hauptplatzumbau wäre das eine gute Sache“. Das „Verwurschteln von Kunstnacht und Shoppingnacht“ halte er dagegen für eine „Katastrophe“.