Während sich im Internet Tausende Menschen für Samstag an den Baggerseen zwischen Igling und Kaufering zur bislang größten Facebook-Party Deutschlands verabredet haben, sind die Behörden alles andere als in Feierlaune. Das Landratsamt Landsberg hat am Dienstag in Absprache mit dem Polizeipräsidium Oberbayern-Nord die Verbotszone für Facebook-Partys am Wochenende auf das Stadtgebiet Landsberg ausgeweitet.
Neben dem Appell an die „Facebookgemeinde“, am Samstag daheim zu bleiben, gibt es vom Jugendamt einen öffentlichen Aufruf an die Kauferinger Eltern, den Nachwuchs im Auge zu behalten. Erholungssuchende sollen am Samstag die Baggerseen meiden.
Per Allgemeinverfügung hat das Landratsamt vergangene Woche der Facebook-Party einen Riegel vorgeschoben. Wer dennoch kommen und feiern will, dem drohen bis zu 1000 Euro Geldbuße. „Jeder, der mit einer Facebook-Party im Raum Igling, Kaufering oder Landsberg in Verbindung gebracht wird, muss mit einer Anzeige rechnen und kann finanziell belangt werden“, sagt Wolfgang Müller, Pressesprecher des Landratsamtes. Das Verbot der Facebook-Party gilt von Freitagmitternacht bis Sonntagmorgen 6 Uhr.
Facebook-Partys und ihre Folgen – eine Chronik
Juni 2011: Auf ungewollte Art und Weise lädt die 15-jährige Thessa aus Hamburg-Bramfeld auf Facebook ein Millionenpublikum zu ihrem 16. Geburtstag ein und verspricht die „Party des Jahres“.
Etwa 15.000 Menschen aus ganz Deutschland kündigen sich via Facebook an, 1600 kommen tatsächlich in das beschauliche Wohngebiet.
Tessa selbst ist gar nicht zu Hause, die Eltern engagieren einen privaten Sicherheitsdienst, um das Haus abzusichern. Die Polizei ist mit vielen Beamten vor Ort, dennoch kommt es zu Ausschreitungen.
Elf Personen werden wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung oder Widerstand gegen die Polizei vorübergehend festgenommen.
Im Landkreis Fürth lädt eine 14-Jährige zu einer Party ins Haus der Großeltern, die gerade verreist sind. 70 ungebetene Gäste kommen, randalieren und betrinken sich zum Teil bis zur Besinnungslosigkeit.
In Wuppertal gerät ein kleines Straßenfest außer Kontrolle: 800 Leute folgen einem Aufruf bei Facebook und wollen mitfeiern. Die Lage eskaliert und die Polizei wird mit Feuerwerkskörpern beschossen. Bilanz: 41 Festnahmen und 16 Verletzte.
23. Juli 2011: Im Saarland lädt ein 16-Jähriger irrtümlich öffentlich zu einer Hausparty. Er sagt die Party zwar wieder ab und verreist mit den Eltern. Trotzdem kommen bis zu 2000 Feierwütige und hinterlassen in dem Wohngebiet 50.000 Euro Schaden.
30. Mai 2012: Rund 120 Jugendliche verabreden sich spät abends im Riemer Park in München, um einen Geburtstag zu feiern. Erst ein Großaufgebot der Polizei kann die Lage unter Kontrolle bringen.
8. Juni 2012: Ein 18-Jähriger lädt 3000 Leute zu einer Party in die Wohnung eines gleichaltrigen Ebersbergers ein. 150 Jugendliche kommen, 30 von ihnen randalieren in der Wohnung des 18-Jährigen. Die Gruppe zieht danach durch die Ebersberger Innenstadt und randaliert dort ebenfalls.
Auslöser ist eine 13-jährige Landsbergerin, die vergangene Woche im sozialen Netzwerk öffentlich zu ihrer Geburtstagsparty an die Iglinger Baggerseen eingeladen hatte. Rund 18.000 Menschen aus ganz Deutschland kündigten ihr Kommen an. Selbst nachdem die Fete aus dem Internet genommen wurde, tauchten bei Facebook Nachfolgeveranstaltungen mit ähnlich hoher Teilnehmeranzahl auf. Neben alkoholreichen Gelagen wurde im Internet auch Randale rund um Kaufering angekündigt. Am Dienstagabend gab es aktuell keinen konkreten Veranstaltungshinweis mehr.