Startseite
Icon Pfeil nach unten
Landsberg
Icon Pfeil nach unten
Schwifting
Icon Pfeil nach unten

Ausstellung: Lebensräume zeitenlos

Ausstellung

Lebensräume zeitenlos

  • |
  • |
  • |
    Georg Horung und sein Werk „Versuchsanordnung I“, 2005.
    Georg Horung und sein Werk „Versuchsanordnung I“, 2005. Foto: Fotos: Thorsten Jordan

    Schwifting Mit einem neuen Konzept startet der Kunstraum Schwifting ins Frühjahr. Bis 4. Juni – für einen längeren Zeitraum als bisher – ist dort die Ausstellung „Lebensräume“ mit Fotoarbeiten, Ölbildern, virtuellen Installationen, Videos und Assemblagen von sieben Künstlerinnen und Künstlern zu sehen. „Das Thema steht neuerdings immer vorher fest, und wir laden Künstler dazu ein“, sagt Galerist Eric Gand. Pro Jahr werden künftig weniger Ausstellungen angeboten, die aber länger dauern und die Werke mehrerer Künstler umfassen. Aktuell sind dies Georg Hornung, Martin Gensbaur, Gerlinde Schröter, Christiane Fleissner, Andrea Birner, Clea Stracke und Verena Seibt.

    Heimatlosigkeit oder Entwurzelung

    Der Begriff „Lebensräume“ ist bei dieser Gemeinschaftsausstellung sehr weit gefasst, meint das innerliche Zu-Hause-Sein, die Beziehung zwischen der Natur und vom Menschen geschaffener Architektur, aber auch Heimatlosigkeit oder Entwurzelung wie im Video „Und das Schiff fährt“ (Stracke/Seibt) und den auf Plexiglas kaschierten, fragmentarischen Fotos von Gebäuden und Landschaften von Christiane Fleissner.

    Bei Georg Hornung bezieht sich „Lebensraum“ auf die Interaktion von Natur (Pflanzen) und von Menschen geschaffener Umgebung. Hornung fotografiert verlassene Gebäude. Mit Hilfe des Computers entstehen Collagen aus den bearbeiteten Fotos. Überdimensionale Pflanzen und Pflanzenteile wie Knospen oder Zapfen, in der kalten Umklammerung von schweren Eisenteilen, beleben morbide wirkende Säle und Industriehallen – toter, vom Menschen aufgegebener Raum bietet neuem Leben Raum.

    Martin Gensbaur malt klassisch in Öl auf Leinwand. Er hat sich die Architektur zum Thema gemacht: vom Menschen geschaffener Lebensraum, der verlassen und öde wirkt. Gensbaurs Bilder verzichten völlig auf Personen. Er dokumentiert das Vorhandensein von Architektur. Die Objekte auf den Bildern – viel Ocker, Grüntöne und Weiß – strahlen förmlich, laden den Betrachter ein, sie „gedanklich mit Lebendigkeit zu füllen“, wie es Kurt Tykwer in seiner Eröffnungsrede formulierte.

    Gerlinde Schröter zeigt im oberen Stock „Assemblagen“. Ihre Materialcollagen geben gefundenen Fragmenten von Alltagsgegenständen eine neue Funktion. Meist zusammengefügt zu menschenähnlichen Figuren, wurden sie in Kästen gestellt und ergeben so eine eigene Art von Lebensräumen. Über Jahrzehnte sammelte die in Landsberg lebende Gerlinde Schröter ihre Materialien, die ausgestellten Collagen stammen ebenfalls aus diesem weiten Zeitraum.

    Lebendig und geheimnisvoll zugleich

    Auf der Galerie sind die Fotocollagen von Christiane Fleissner gehängt. Teils beidseitig auf Plexiglas kaschiert, erhalten die Foto-Fragmente von Gebäuden und Landschaften räumliche Tiefe, teils ergänzt durch strahlenförmig verlaufende Klebstreifen. Fleissner lässt dem transparenten Untergrund viel Raum, dadurch werden die Collagen lebendig und geheimnisvoll zugleich.

    Alte Familienfotos rötlich eingefärbt

    Zwischen den Fotocollagen hängen kleinformatige Polaroidarbeiten von Andrea Birner. Der Zyklus „Lebensräume – zeitenlos“ basiert auf alten Familienfotos, die Birner mit einer Polaroidkamera fotografiert und rötlich einfärbt. Hier konzentriert sich „Lebensraum“ auf die kleine Einheit Familie und Zuhause: Menschen im Bett, im Sessel vor dem Kamin oder auf der Veranda. Im Dachzimmer sind drei Videoinstallationen von Clea Stracke, die im Kunstraum bereits gelesen hat, und Verena Seibt zu sehen. „Und das Schiff fährt“ zeigt einen Zweckbau als Schiff auf dem Meer schaukelnd – inklusive singender Besatzung. Das Schiff schwankt so lang – hervorgerufen auch durch die Kameraführung, bis es schließlich sinkt. Die Fünf-Minuten-Sequenz kann als Hinführung zu dem Acht-Minuten-Clip „Unterwelt“ interpretiert werden. Aus der Froschperspektive beobachtet die Kamera alltägliche Szenen. Von unten wird gezeigt, was unten ist, wie Kellergewölbe, ein U-Bahnhof oder eine rollende Bowling-Kugel, wirkt Vertrautes fremdartig.

    Termine „Lebensräume“, Ausstellung mit Werken von Andrea Birner, Christiane Fleissner, Martin Gensbaur, Georg Hornung, Gerlinde Schröter, Clea Stracke/Verena Seibt im Kunstraum Schwifting. Die Ausstellung ist sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet, von 24. April bis 4. Juni nur nach vorheriger Vereinbarung per Telefon (08191/12101) oder E-Mail an info@kunstraum-schwifting.de.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden