Kaufering Wie bereits im Vorfeld angekündigt, ist der Vorstand des VfL Kaufering bei der Jahreshauptversammlung am Freitag geschlossen zurückgetreten. Potenzielle Nachfolger waren in der Versammlung noch nicht in Sicht. Bis zu den Neuwahlen führt der zurückgetretene Vorstand aber gemäß Satzung die Geschäfte kommissarisch weiter.
Bereits in der Eröffnungsrede des VfL-Vorsitzenden Wolfgang Gottschalch wurde deutlich, dass der zweitgrößte Sportverein im Landkreis derzeit an mehreren Baustellen arbeitet und dass die Kämpfe nicht nur im sportlichen Bereich stattfinden: sinkende Mitgliederzahlen, finanzielle Engpässe und ein nicht gerade harmonisches Verhältnis unter den einzelnen Abteilungen. „Verein heißt alle zusammen, aber hier scheiden sich die Geister. Ein paar Abteilungen sehen sich halt nur selber und nicht im Gesamten – außer es würde für sie etwas herausschauen“, so Gottschalch. Der Verein nutze zum Beispiel die von Gottschalchs Frau gepachtete Sportzentrumsgaststätte Lechau zu wenig. Viele Abteilungen würden Feiern in anderen Gaststätten veranstalten. „Der Verein benötigt die Pacht der Gaststätte, die – Gott sei dank – die letzten sieben Jahre geflossen ist, um die erforderliche Tilgung für dieses Objekt zu begleichen“, so Gottschalch, „bei uns im VfL gilt leider: Eigennutz vor Gemeinnutz. Vergessen wir nicht, dass alles, was hier unsere Sportler nutzen, nur in Verbindung mit Einnahmen der Gastronomie möglich ist.“ Ohne funktionierende Gastronomie sei die Sportanlage auf Dauer für den Verein nicht finanzierbar.
Wie es um die Finanzen bestellt ist, darüber informierte Schatzmeister Gerhard Himmelstoß. Im Geschäftsjahr 2011 sei man mit einem „blauen Auge“ davongekommen. Den Einnahmen von 214500 Euro standen Ausgaben von 215322 Euro gegenüber. Hätte die Abteilung Turnen und Leichtathletik nicht auf die Ausschüttung der ihr zustehenden Beitragsrückflüsse verzichtet, hätte der Verein statt des Minus von 822 Euro einen Verlust von rund 20000 Euro im vergangenen Jahr in seiner Bilanz gehabt.
Eine Viertelmillion Euro ist bei der Gaststätte noch offen
„Turnen und Leichtathletik hat uns unter die Arme gegriffen. Wir sind ein Verein und da hilft man sich aus“, so Himmelstoß. Allerdings war der ursprüngliche Plan, mit der Verzichtssumme der Abteilung Sondertilgungen für das Gaststättengebäude zu tätigen. 270870 Euro muss der VfL für das 2002 errichtete Gebäude noch stemmen, wie Himmelstoß erläuterte. „Dass sich der ehemalige Vorstand vorgestellt hat, dass er mit den Einnahmen von der Gaststätte auch die Halle finanziert, ist sehr euphorisch gewesen“, so Himmelstoß über die finanziellen Belastungen des Vereins. 2005 hatte die Gemeinde den Schuldendienst der Lechauhalle vom Verein übernommen, um den VfL finanziell zu entlasten. Rund 60000 Euro überweist der Verein pro Jahr an seine Übungsleiter. Was den Verein 2011 ebenfalls finanziell belastet hat, war der Mitgliederschwund. Zwischenzeitlich sanken die Zahlen sogar unter die 2000er-Marke. Aktuell hat der Verein 2050 Mitglieder (2005 waren es noch 2548 Mitglieder). Laut Schatzmeister spülte der Mitgliederschwund 2011 im Vergleich zum Vorjahr 6000 Euro weniger an Beiträgen in den Haushalt.
Sonderstundensätze für Wochenendnutzung
Den aktuellen Etat für 2012 erläuterte Dritter Vorsitzender Harald Goos. Auch heuer soll auf finanzielle Rückflüsse bei bestimmten Abteilungen verzichtet werden. Somit soll ein Überschuss in Höhe von 26530 Euro erwirtschaftet werden. Einsparungen soll es durch neue Festzinsverträge und höhere Rückflüsse durch höhere Sonderstundensätze bei Wochenwettkämpfen einzelner Abteilungen in der Turnhalle geben. Harald Goos war es auch, der nach den Ehrungen auch die Rücktrittserklärung des Vorstands verlas (siehe unten). Weiterer Bericht über die Versammlung folgt.