Vilgertshofen Thomas kennt sich aus. Der Neunjährige weiß, dass Hasen einen nahezu 360-Grad-Rundumblick haben, aber oft überfahren werden. Und er weiß, dass nicht alle Tiere ihr Geweih abwerfen. Aber auch die anderen Drittklässler der Issinger Grundschule sind seit heute viel schlauer, wenn es um Schalentiere, Raubwild, Vögel, Bäume und Pflanzen geht. Denn fünf Jäger haben ihnen unter freiem Himmel Flora und Fauna in ihrer natürlichen Umgebung nahe gebracht.
So gut, ist Klasslehrerin Silke Koprowski überzeugt, könnte man den Kindern das alles im Unterricht gar nicht vermitteln. Sie freut sich über die besondere Atmosphäre in der Natur und über die vielen Exponate, die die Jäger mitgebracht haben, damit die Kinder Tiere und Pflanzen im wahrsten Sinne des Wortes begreifen können. So prägt sich direkt vor dem Dachsbau auch viel stärker ein, wie reinlich das große Tier ist: „Der buddelt extra Toilettenlöcher“, weiß Tanja.
Ihre Freundin Leonie hat sich auch gemerkt, dass die Dachshöhle „viele Meter tief runtergeht“ und im Vergleich zum „winzigen“ Fuchsbau „eine richtige Villa“ ist. Den Füchsen, ergänzt Tara, ist Reinlichkeit „egal“.
Im Herbst einen Wintervorrat an Eicheln vergraben
Tanja fand es auch sehr interessant, dass man an den Jahresringen der Bäume nicht nur das Alter ablesen, sondern auch feststellen kann, ob es ein gutes oder schlechtes Jahr für den Baum war. Und Maximilian hat sich den Eichelhäher gemerkt, der im Herbst einen Wintervorrat an Eicheln vergräbt und über vergessene Früchte für neue Bäume sorgt. Linus und Lukas berichten von den Rehkitzen, die die Mutter im hohen Gras ablegt und die auch bei Gefahr nicht fliehen. Und Dominik weiß, dass Hirsche bis zu 200 Kilogramm schwer werden und Wildschweine fast alles fressen – „auch Müllreste“.
Neben dem Wissen, das die Jäger an den vier Stationen vermitteln, lernen die Kinder aber auch ganz nebenbei eine ganze Menge. Der zweite Maximilian in der Klasse etwa hat rote Ameisen entdeckt, ein Mädchen Harz am Baum. Außerdem finden die Schüler Vogelfedern an einer „Kampfstelle“ – und bekommen auch dort fachkundige Antworten auf ihre vielen Fragen.
Silke Koprowski freut sich über die Möglichkeit, so viel an einem Vormittag zu lernen. Und sie genießt es, dass die Jäger die komplette Vorbereitung übernommen haben und sogar noch eine Brotzeit stellen. So machen sich die Kinder mit Wienern, Semmeln und Getränken gestärkt auf, noch weiteres Wissenswertes über Tiere und Pflanzen zu erfahren. Zum Beispiel, dass Uhus ihren Kopf immerhin um 250 Grad drehen können - aber nicht so häufig überfahren werden. (dh)