LechrainDrachen sind Bestandteil von vielen Sagen und Märchen. Was ein Drache, eine schöne Jungfrau und ein Unhold mit der Entstehung des Engelsrieder Sees bei Rott zu tun haben – darüber findet sich eine Erzählung in Bernhard Müller-Hahls Buch „Sagen und Legenden zwischen Lech und Ammersee“:
„Es stand auf dem Eichberge (heute Kalvarienberg) bei Rott eine große Burg, die mit ihren festen Mauern und Türmen weit in die Gegend sah. Auf diesem Schlosse lebte Graf Engildeo, ein mächtiger Herr. Er stand bereits in Jahren und seine Gattin, welche schon lange in der Familiengruft ruhte, hatte ihm nur ein einziges Kind, eine Tochter, zurückgelassen. Diese, eine gar schöne und sittsame Jungfrau, bildete das Glück seiner alten Tage. Gerne ging das Fräulein hinunter ins Tal, Trost und Hilfe bringend, wo man dessen bedürftig war, und ihr Mitleid und ihre Herzensgüte zauberten lichten Schein in die Hütten der Armen und Elenden. Deshalb verehrte und liebte man sie und nannte sie nur den Engel von Rott. Natürlich fanden sich viele Freier ein, aber keiner vermochte ihre Gunst zu erringen.
So verging die Zeit, als ungeahnt ein großes Unheil über die Gegend hereinbrach. In einer nicht weit entfernten tiefen und wilden Waldschlucht zeigte sich plötzlich ein greuliches Ungetüm. Ein Drache schien es zu sein. Das Ungeheuer überfiel und verschlang Menschen und Tiere und vernichtete die Herden. Furcht und Entsetzen hielt die Herzen gefangen. Wer fliehen konnte, entwich und bald lag die Stille des Todes über der Gegend.
Tief erschüttert von solchem Unglücke saß der Graf auf seinem Schlosse. Gerne hätte er selbst den Kampf mit dem Ungeheuer gewagt, aber die Schwäche des Alters und seiner Glieder machte solches unmöglich. Da entschloss er sich zum größten Opfer, das er für seine armen Untertanen zu bringen vermochte; er versprach die Hand seiner Tochter jenem Tapferen, der den Drachen töten und dadurch die Gegend befreien würde. Nun war damals in Diessen ein Ritter, riesig an Gestalt und Stärke, aber ein Unhold in Gesinnung und Tat. Nichts war ihm heilig. Was edle Ritter versucht hatten, gelang dem Bösewicht. In furchtbarem Kampfe tötete er den Drachen durch zwei geschickt geführte Speerwürfe. Triumphierend zog er nach der Grafenburg, um den Preis zu empfangen. Da warf sich das Fräulein voll Entsetzen dem Vater zu Füßen und beschwor ihn, sie lieber zu töten als dem schrecklichen Menschen auszuliefern. So bot der Graf all seine Güter als Lösegeld, aber nichts konnte diesen rühren und höhnisch verlangte er sofortige Trauung. Da siegten Empörung und Vaterschmerz und der Graf wies dem Diessener die Türe. Aber er ritt nicht nach Hause. Unweit eines Pfades, von dem er wusste, das ihn das Fräulein gerne ging, legte er sich in den Hinterhalt.
Gefangen in einer brennenden Hütte
Am dritten Tage erschien die Nichtsahnenende. Als er sie erblickte, sprang er hervor, um die Überraschte zu ergreifen. Die Jungfrau eilte bis zum „Krapfenzipfel“, wo sie eine Hütte mit schwer auffindbarem Verstecke wußte. Dort verbarg sie sich und Gott schützte sie. Da fasste der Verfolger einen teuflischen Plan. Er häufte Stroh und Reisig um die Hütte und steckte dieselbe in Brand, um so die Eingeschlossene zu zwingen entweder aus ihrem Verstecke herauszukommen oder elend zu Grunde zu gehen. Von Rauch und Flammen umhüllt flehtet die Ärmste zum Himmel um Erbarmen und ihr Gebet wurde erhört. Aus den Hängen sprangen Quellen zu Tal, Brunnen brachen aus der Tiefe und wie Schlangen eilten die Wasser zur Hütte, umspülten sie, leckten an den Wänden empor und löschten die Flammen. Unter den Füßen des Ritters aber schwankte die Erde. Da überfiel den bisher Furchtlosen Angst und Schrecken. Er wandte sich zu eiligster Flucht und keines Menschen Auge hat ihn je mehr gesehen.
Also wurde die Jungfrau gerettet. Die Wasser aber floßen ab zur tiefsten Stelle des Tales und bildeten dort einen See, der heute noch durch seinen Namen an den Engel von Rott erinnert.“