Nach sechseinhalb Jahren verabschiedete sich heute Nachmittag der Standortälteste in Landsberg, Oberst Klaus Schuster, im Rahmen eines launigen, aber zeitweise auch ernsten Jahresempfanges im Kasino des Fliegerhorstes Landsberg. Er melde sich als Soldat ab, werde aber dem Standort in diversen Funktionen erhalten bleiben.
Klaus Schuster ist Königsbrunner (Landkreis Augsburg) und verbringt nun dort (ab August) auch seinen Ruhestand. Der Standort Landsberg ist ihm allerdings längst ans Herz gewachsen, wie er offenmütig in der letzten Ansprache seines Berufslebens zugab. So war es für ihn auch eine Selbstverständlichkeit, beim Lionsclub Landsberg die Führung zu übernehmen, als diese kurzfristig wegen des Todes des amtierenden Präsidenten vakant geworden war.
„Ich gehe nicht gern, aber auch nicht ungern.“ Mit diesen Worten charakterisierte sich der Soldat Klaus Schuster selbst am treffendsten. Durch eine sehr oft offen zur Schau getragenen Freude an seiner Aufgabe, zuletzt als Kommandeur des inzwischen aufgelösten Waffensystemunterstützungszentrums in der Welfenkaserne, schaffte er sich nicht nur unter seinen Soldaten, sondern auch in der Öffentlichkeit viele Freunde in den vergangenen sechseinhalb Jahren.
Mit Landsbergs Oberbürgermeister Mathias Neuner durchlitt er im Falle eines Grundstücksgeschäfts bis zuletzt die Hürden ziviler wie auch militärischer Bürokratie. Mit Landrat Walter Eichner verband ihn ein unkomplizierter und geradezu herzlicher Umgang: „Wir haben sehr schnell einen guten, menschlichen Draht zueinandergefunden.“ Klaus Schuster, so der Landrat, habe sich durch seine Art die persönliche Sympathie vieler Menschen im Landkreis erworben.
Längst gilt das aber auch in Bezug auf seinen Nachfolger in der Funktion. Oberst Markus Bestgen, der laut OB Neuner inzwischen von Schuster „auch an der Cocktailfront“ gut eingewiesen worden ist, über seinen Vorgänger: „Ich habe großen Respekt für die Art, wie er das gemacht hat.“ Er habe es perfekt verstanden zu integrieren und die Aufgabe der Bundeswehr in der Öffentlichkeit richtig zu vermitteln. Klaus Schuster sei, wenn es nach ihm gehe, schon jetzt „Standortältester auf Lebenszeit“.
13 Tage Soldaten im Hochwassereinsatz befehligt
Den Bundespräsidenten allein gelassen hatte der Kapitän zur See Matthias Friese, zugunsten der Übergabe in Penzing, die er als Kommandeur des Landeskommandos Bayern vorzunehmen hatte. Mit ihm kam auch das aktuelle Zeitgeschehen wieder etwas näher an die Feierstunde zurück. Matthias Friese befehligte nämlich die vergangenen 13 Tage die über 2300 Soldaten, die beim Hochwasser in Bayern zur Unterstützung eingesetzt waren. Er freute sich verkünden zu dürfen, dass er gestern gegen 16 Uhr die letzten Kräfte aus Deggendorf abziehen konnte. Rund 2000 Soldaten würden aber noch in einer 48-Stunden-Bereitschaft gehalten. Damit sei die Bundeswehr in den Überschwemmungsgebieten der zweitgrößte Truppensteller nach dem Bayerischen Roten Kreuz gewesen.
An solchen Tagen werde für die Bevölkerung besonders deutlich, was die Bundeswehr für die Allgemeinheit leiste. Auch Klaus Schuster hatte zuvor über eine Penzinger Transall gesprochen, die für Material- und Personaltransportaufgaben in Bereitschaft versetzt worden waren. Ein SAR-Hubschrauber kam in Deggendorf zum Einsatz, ein anderer war in Bereitschaft für eine eventuelle Evakuierung der Krankenhäuser in Dresden.
Für den Rückschwenk in den unterhaltsamen Teil sorgte OB Mathias Neuner mit seinem Bekenntnis, für diesen Anlass bewusst auf Uniform und vor allem auf Schulterklappen verzichtet zu haben. „Man hätte mir in diesem Offizierskasino als ehemaligem Obergefreiten vermutlich nur die leeren Sektgläser zum Abräumen in die Hand gedrückt.“
Er beließ es daher beim luftwaffenblauen Anzug und dankte seinem Lionsclub-Freund Klaus Schuster für dessen Einsatz. Er habe sich neben all der anderen Aufgaben vor allem auch um die Gedenkarbeit verdient gemacht: „Klaus Schuster ist das Gesicht der Bundeswehr in der Region geworden.“