Landsberg Es ist vor allem der Vandalismus, der den Tonröhrengewölben auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Kaufering VII zugesetzt hat. Zu diesem Ergebnis kommen Mitarbeiter des Landesamts für Denkmalschutz, die gemeinsam mit Vertretern der Europäischen Holocaustgedenkstätte Stiftung und der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Landsberg im März die Bunker auf dem Gelände zwischen Landsberg und Erpfting besichtigt haben.

"Ziel der Besichtigung ist die Erarbeitung eines beispielhaften Konservierungskonzeptes für das am besten erhaltene Tonröhrengewölbe", sagt Dr. Richard Nemec, der Pressesprecher des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege. Nach einer ausführlichen Besichtigung des gesamten Geländes könnten nun die notwendigen gemeinsamen Anstrengungen und Ziele für die Zukunft formuliert werden. Wie die Oberkonservatorin Dr. Susanne Fischer sagt, sollen in kleinen Schritten, praktikabel Nägel mit Köpfen gemacht werden. Blinder Aktionismus sei fehl am Platz. "Unser gemeinsames Ziel liegt im Erhalt der Bauten", sagt der Vizepräsident der Stiftung Manfred Deiler.
In einer ersten Einschätzung des Landesamts für Denkmalpflege handelt es sich bei den Gewölben nicht wie bislang angenommen um ein Problem der Standsicherheit, vielmehr hängen offensichtlich die älteren Schäden in einem erheblichen Umfang mit Vandalismus zusammen. Es zeige sich nach etwa 15 Jahren, dass die Einzäunung weitere Beschädigungen dieser Art verhindern konnte und somit wohl einen wichtigen Anteil an der bisherigen Erhaltung des Bestandes habe. Durch Witterungseinflüsse sei der Schadensprozess im gleichen Zeitraum dagegen nicht in erheblichem Maß fortgeschritten.
Umfangreiche Untersuchungen
Bei der Besichtigung wurde laut Richard Nemec vereinbart, dass zunächst durch eine naturwissenschaftliche Untersuchung erstens die Tonröhrenkonstruktion selbst - dort vor allem die Ausblühungen am Tonmaterial - und zweitens die Zusammensetzung und Dichtigkeit der Mörtelschichten, insbesondere der Abdeckungsestrich, geprüft werde. Das Landesamt für Denkmalpflege stellt den Umfang der notwendigen Untersuchungen fest.
"Zuerst ist zu klären, ob es tatsächlich notwendig ist, die auf dem Estrich aufliegende Grasnarbe abzunehmen oder ob diese im Rahmen notwendiger Maßnahmen an den Tonröhren belassen werden kann", sagt Richard Nemec. Die oberseitig auf den Tonröhren aufliegende Schale aus Portlandzement-Mörtel stelle sich nach den ersten Untersuchungen als vergleichsweise gut erhalten und weiterhin tragfähig heraus. Neben der Ausarbeitung des Konservierungskonzeptes für die Tonröhren sollen nun auch Empfehlungen formuliert werden, wie das Tonröhrenbauwerk selbst dauerhaft zu erhalten ist. Dabei stellen sich für die Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalschutz vor allem bauphysikalische Fragen zur Ausführung des langfristigen Verschlusses der Tür- und Fensteröffnungen in Hinblick auf die wohl nötige Durchlüftung. (wu)
Führung Im Rahmen des Tags des offenen Denkmals am Sonntag, 12. September, finden auf der Europäischen Holocaustgedenkstätte Führungen statt. Um 14 Uhr wird Susanne Fischer über die Ergebnisse der Untersuchungen berichten. Wer die Führungen besuchen möchte, der muss sich am heutigen Freitag telefonisch unter 08191/22380 oder via E-Mail an vorstand@buergervereinigung-landsberg.de anmelden.
|
|
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: