Kaufering Nach wie vor ist die Zukunft des ehemaligen Gehöfts „Schmitterbauer“ am Brückenring offen. Jetzt hat die Kauferinger SPD mit einem Antrag Bewegung in die Diskussion gebracht. Ihr Vorschlag: Die im alten Forsthaus untergebrachten Gruppierungen Musikverein und Volkstanzgruppe sollen in einen sanierten Schmitterbauerhof umziehen, wo dann auch Dorfverein, Soldaten- und Veteranenverein sowie Brotbackgruppe Räume beziehungsweise einen Platz auf dem Hofgelände bekommen sollen. Finanziert werden soll das wiederum durch einen Verkauf des dann frei werdenden Forsthauses an den Brückenwirt, der es aufgrund seines Raumbedarfs als Gästehaus nutzen könnte, sowie durch einen Verkauf des südlichen Grundstücks der alten Hofstelle. Seit Montagabend sind diese Pläne aber vom Tisch. In einer offenen Sitzung des Planungsausschusses im Forsthaus sprachen sich vor allem Vereinsvertreter gegen einen Umzug aus dem Forsthaus aus.
Ganz neu ist der Vorschlag der SPD nicht, er wurde bereits Anfang Februar von SPD-Bürgermeisterkandidat Thomas Salzberger bei der Podiumsdiskussion in Kaufering-Dorf ins Spiel gebracht. Bürgermeister Erich Püttner sprach am Montag von einigen „Emotionen“, die durch den Antrag angeheizt worden seien. „Wir wollen den Antrag der SPD diskutieren, um ein Meinungsbild zu bekommen und welches Ziel wir für die Weiterentwicklung des Schmitterbauerhofs sehen.“
SPD-Marktgemeinderat Hans Koch beleuchtete nochmals die Geschichte des „Schmitterbauerhofs“, die 1552 begann. „Wir fühlen uns bestärkt, dass das Wohnhaus erhalten bleibt. Schon der Abriss des Stadels war ein bedeutender Eingriff“, so Kochs Fazit, der für den SPD-Antrag warb: „Ich bin der festen Überzeugung, wenn man sich die Gedanken durch den Kopf gehen lässt, gibt es viele nützliche Komponenten.“ Außerdem könnten bei einer Sanierung mit öffentlichen Zuschussmitteln gerechnet und wieder ein Gemeindearchiv mit entsprechenden Räumen im hinteren Teil des Hofs untergebracht werden.
Rosina Heinle verwies auf die Ende 2011 von der CSU initiierte Unterschriftenaktion für einen Abriss des Gebäudes, die 474 Bürger unterzeichnet hatten. „Die Leute sind doch nicht blöd und sie wollen nicht, dass weitere öffentliche Gelder fließen – entweder verkaufen oder Abriss und was Neues hinstellen.“ Peter Drexl meinte, dass in den vergangenen zehn Jahren im Dorf Häuser abgerissen worden seien, die mehr Charakter gehabt hätten. Als Bauexperte verwies er auf die hohen Sanierungskosten, ein Neubau mit ähnlicher Kubatur weiter südlich wäre billiger und könnte dazu beitragen, die Verkehrssituation am Brückenring mit einer Verlegung der Kurve zu entschärfen.
Zweiter Bürgermeister Norbert Sepp – zugleich Vorsitzender des Veteranenvereins – sprach sich für einen Erhalt des Forsthauses als Heimstätte der Vereine aus und zeigte sich für einen Abriss des Schmitterbauerhofs offen. „Reinhold Sixt würde sich im Grabe umdrehen, ich wehre mich gegen einen Verkauf. Das Ensemble muss erhalten bleiben. Und für den Brückenwirt gibt es mehr als eine Lösung.“ Dessen Betreiber Herbert Fischer betonte, dass das Gerücht, er wolle den Musikverein aus der Nachbarschaft haben, nicht stimme. Außerdem appellierte er an die Wirtschaftspolitik der Kommune: „Im Wahlkampf hieß es, man will das Gewerbe stärken. Vier Firmen sind im letzten halben Jahr aus Kaufering weggegangen, weil sie hier nichts bekommen haben.“
Musikverein sieht bei Umzug ein Sterben der Veranstaltungen
Hans Koch verwies auf die Aussage eines Architekten, dass der Schmitterbauerhof durchaus sanierbar wäre. Hans Vötter (Musikvereinsvorsitzender) meinte dazu: „Wir werden von jedem Experten eine andere Meinung hören.“ Er sprach sich auch gegen einen Auszug aus dem Forsthaus aus. „Die Leute vom Dorf haben hier viel Arbeit reingesteckt und noch mal werden die Leute so was nicht machen. Ein Großteil der dörflichen Bevölkerung hat dafür kein Verständnis.“ Vötter verwies auf die zahlreichen Festivitäten, die alljährlich rund ums Forsthaus stattfinden. „Das würde man bei einem Umzug alles wegwischen. Die Idee ist unausgegoren und hat nur das Ziel, den Schmitterbauer zu sanieren.“ Hans Koch gab als Antwort, den Musikverein zu verstehen. „Aber im Schmitterbauer gibt es für euch mehr Platz als hier.“ Ohnehin müsse man erst bis 2014 Klarheit schaffen, wenn zeitliche Auflagen für den Grunderwerb des Forsthauses erlöschen. Andreas Keller (Dorfverein) brachte einen komplett neuen Vorschlag ins Spiel, der von einigen Versammlungsteilnehmern belächelt, aber auch beklatscht wurde. Er schlug vor, das bestehende Rathaus abzureißen und den Verkaufserlös in eine Sanierung des Schmitterbauerhofs und den Neubau eines Verwaltungsgebäudes auf dem südlichen Areal zu stecken. „Fast alle öffentlichen Gebäude wären dann im Dorf und das würde mehr Zusammenhalt bringen.“ Gabriele Triebel (GAL) fand diesen Vorschlag gut und brachte die Unterbringung einer Demenzgruppe als Außenstelle des Seniorenstifts im Schmitterbauer ins Spiel.
Am Ende hieß der Konsens: Der Schmitterbauer soll erhalten bleiben und die Suche nach einem Investor intensiviert werden. Untersucht werden sollen die Möglichkeiten für einen Rathaus-Umzug, die Unterbringung einer Demenzabteilung, die Entschärfung der Kurve bei einem Abriss des Gebäudes sowie eine Kostenermittlung für einen Neubau und eine Sanierung.
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