Penzing „Völkerwanderung in der Pflanzenwelt?“ Die Landfrauen des Bauernverbandes Landsberg luden zu einem Vortrag mit diesem Titel von Monika Sedlmaier (Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege) nach Penzing. Dabei ging es um die sogenannten Neophyten, die Neulinge in der heimischen Pflanzenwelt. Unter diesem Begriff werden Pflanzen geführt, die nach 1492, also nach der Entdeckung Amerikas in die heimische Natur eingewandert sind. Zum Teil wandern diese Neulinge bewusst (zum Beispiel durch Sammlungen in botanischen Gärten und Anbau), aber auch ungewollt (Saatgutverunreinigung, Vogelfutter, „blinde Passagiere“ an Booten und Verpackungsmaterial) ein. Dabei gibt und gab es auch gezielte Importe von Garten- und Kulturpflanzen aus anderen Klimazonen. So wachsen heute in Städten oft ausländische Baumarten, die mit den veränderten Umweltbedingungen besser zurecht.
„Von 1000 eingeschleppten Arten können sich circa zehn bei uns etablieren und etwa eine davon wird problematisch für die heimische Flora. Der Mensch schafft oft unfreiwillig ideale Standortbedingungen für diese Problempflanzen“, hieß es von der Referentin. So gedeihe beispielsweise das Indische Springkraut besonders gut an offenen Stellen wie Bachufern oder am Waldrand. „Gerade dort, wo man möchte, dass die Natur sich regeneriert, überwuchert dieses Springkraut schnell alles und drängt die heimischen Pflanzen zurück.“ Der Riesenbärenklau führe bei Berührung sogar zu gesundheitlichen Schäden, da sein Pflanzensaft fototoxisch wirke. So kommt es bei Hautkontakt mit dem Pflanzensaft in Verbindung mit Sonneneinstrahlung zu Verbrennungen.
Expertin: Langfristig gesehen unabsehbare Folgen
Da nicht abzusehen sei, wie die Einwanderer in der Pflanzenwelt sich langfristig auswirken, riet die Referentin Sedlmaier zu einem verantwortungsvollen Umgang mit diesen „fremden“ Pflanzen. „Sie verdrängen heimische Pflanzen und es ist nicht abzuschätzen, was die Folgen sind, wenn sich Genmaterial vermischt.“ Nach dem Motto „Vorbeugen ist besser als heilen“ rät die Gartenbauexpertin, keine problematischen Neophyten in Gärten und Grünanlagen anzupflanzen und bei Anpflanzungen auf gebietsfremde Arten zu verzichten. Hier wird von Experten immer mehr auf die Vermehrung durch Samen anstelle von Stecklingen gesetzt, was die Vielfalt einer Art fördere und damit die Anfälligkeit für Krankheiten vermindere. Auch die ohnehin unerlaubte Entsorgung von Gartenabfällen in freier Natur kann laut Sedlmaier die Verbreitung von Neophyten fördern. In einem Quiz zur „Völkerwanderung in der Pflanzenwelt“ konnten die Zuhörerinnen gleich die neuen Erkenntnisse aus dem Vortrag einsetzen. Unter den richtig abgegebenen Lösungen wurden drei Buchpreise verlost. (lt)