Der Physiker Bruder Dr. Timotheus Bosch wurde zum Diakon geweiht
St. Ottilien Seine Eigenschaft, den Dingen auf den Grund zu gehen, zieht sich als roter Faden durch sein bisheriges Leben: Bis vor wenigen Jahren beschäftigte sich der Physiker Bruder Dr. Timotheus Bosch mit den kleinsten nachweisbaren Teilchen, aus denen Materie besteht. Als neu geweihter Diakon hat sich der musikalische und sportliche Mönch, 36, ebenfalls der Beschäftigung mit den existenziellen Fragen verschrieben – auf der religiösen Ebene.
Bald hat Br. Timotheus auch seinen dritten Studienabschluss in der Tasche. In nur vier Jahren – zeitweise im Doppelstudium mit Philosophie – hat er in München und Rom Theologie studiert. Beruflich wird er demnächst alles miteinander verbinden können. Nach seinem Referendariat am Weilheimer Gymnasium wird er als Lehrer für Physik, Mathematik und Religion am Rhabanus-Maurus-Gymnasium in St. Ottilien unterrichten. Am 26. Mai 2012 wird Bischof Konrad Zdarsa Br. Timotheus in St. Ottilien zum Priester weihen.
Im Interview mit dem LT erzählt Br. Timotheus, was ihn auf seiner Suche nach Gott nach St. Ottilien geführt hat.
Als Forscher und Student haben Sie in Genf, Rom und den Vereinigten Staaten gelebt. Sie sprechen Englisch, Französisch und Italienisch. Warum haben Sie sich für das Klosterdorf als Lebensmittelpunkt entschieden?
Br. Timotheus: Mir war klar, wenn Kloster, dann St. Ottilien, denn hier finde ich eine große, internationale Gemeinschaft, in der ich viele Möglichkeiten habe, meine Begabungen einzubringen. Außerdem wollte ich nicht in eine überalterte Klostergemeinschaft eintreten. Als Musiker bin ich in der Schola und als Organist aktiv. Im Blasorchester spiele ich Waldhorn und vielleicht demnächst auch mal im Schülerblasorchester.
Welche Bedeutung hat Ihr Ordensname Timotheus für Sie?
Br. Timotheus: Im Psalm 111 heißt es „Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit“. Ich suche nach Weisheit – Weisheit im Sinne von Lebenserfahrung, die hilft, die verschiedensten Probleme, die einem begegnen, zu lösen. Ehrfurcht vor Gott bedeutet für mich auch das Staunen vor der Schönheit der Schöpfung, der Natur, wie ich sie in der Landschaft um das Kloster täglich erlebe.
Wenn Sie als Physiker die Welt bis in die kleinsten Teilchen erklären können, warum brauchen Sie dann Gott?
Br. Timotheus: Zur Erklärung des Wie als Physiker brauche ich keinen Gott. Die Urknalltheorie erklärt uns heute die Entstehung des Kosmos. Als Mensch stellt sich mir aber die Frage nach dem Warum. Wer steckt hinter dem Urknall? Die Sinnfrage steht auf einem anderen Blatt. Der Physik-Nobelpreisträger Werner Heisenberg sagte einmal „Der erste Schluck aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch, aber am Grund wartet Gott.“ Ich kann nicht behaupten, dass es unter Physikern mehr religiöse Menschen gibt, aber eine besondere Offenheit für philosophische und religiöse Fragen ist in diesem Personenkreis schon vorhanden. Das habe ich auch bei muslimischen und jüdischen Kollegen beobachtet.
Als Diakon übernehmen Sie jetzt erste seelsorgerische Dienste. Welches ist Ihr erster Einsatz?
Br. Timotheus: Nächste Woche halte ich meine erste Taufe – in jeder Hinsicht eine Premiere für mich, denn eine italienischsprachige Familie hat mich gebeten, das Zwillingspärchen in ihrer Muttersprache zu taufen.
Interview: Stefanie Merlin
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.|
|
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: