LechrainEine ganz besondere Entdeckung machte jetzt LT-Mitarbeiterin Gisela Klöck: Sie sah ein Ross und zwei Männer im Hochwald bei der Holzarbeit und dachte sich: „Am Lechrain scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.“ Denn wie in alten Zeiten arbeiteten hier Mensch und Tier gemeinsam, ganz ohne Maschinen. Einen Unterschied gab es da allerdings doch. Das Trio kam nicht, wie früher üblich, zu Fuß aus dem Ort zum Holzmachen, sondern mit Autos und Pferdehänger.
Arro heißt das zwölfjährige nordschwedische Kaltblutpferd, ein spezielles „Holzpferd mit Kletterbeinen“, das mit seinen Besitzern – dem Landsberger Alex Pach und dem Seeshaupter Bernhard Dolatschek – an den Lechhängen bei Reichling der Holzrücke-Arbeit nachgeht.
Pach ist Forstwirt und hat vor fünf Jahren den mit Mischwald bewachsenen Hang gekauft, stieß aber bald an Grenzen bei der Durchforstung. Alex und Bernhard sind Kumpels, die sich von der Wasserwacht Landsberg kennen, wie sie erzählen. Eines Tages entschlossen sie sich, gemeinsam ein Kaltblut-Pferd anzuschaffen. So erwarben sie bald darauf in der Nähe von Frankfurt ihren Arro und bildeten ihn für die Arbeit am steilen Waldhang aus. „Nun geht’s an den Wochenenden hobbymäßig in den Wald“, berichten sie. Das Arbeiten sei für das Pferd wichtig, und vor allem im unwegsamen Gelände habe das trittsichere Tier deutliche Vorteile gegenüber schweren Maschinen. „Und es schont den Waldboden.“
Den beiden Freunden macht’s Spaß, und sie sehen diese schweißtreibende Beschäftigung auch als Sport. Alex Pach will außerdem auf diese Weise den Altbestand durchforsten und danach junge Bäume unter die stehenbleibenden einbringen. Bernhard Dolatschek ist Berufsschullehrer in Schongau und führt und lehrt das Pferd. Die Rasse ist ein „Allrounder“, meint er, „das Pferd hat einen guten Charakter und man kann mit ihm auch Wanderreiten“.
So war Arro schon im Winter als Packpferd bei den Pfadfindern des VCP Lechrain unterwegs. Das Trio kann man auch für kleinere Holzarbeiten engagieren, bei denen Maschinen versagen. Alex Pach verwendet dazu seine „Sapie“, das ist ein besonders im Alpenraum gebräuchliches Mehrzweckgerät. Es ist eine Kombination aus Hammer und Wendehaken, die zum Holzrücken verwendet wird.
Danach läuft der durchtrainierte Waldarbeiter dem Pferd Arro voran den steilen Hang hinauf, gefolgt vom folgsamen Pferd. Gleichzeitig spurtet Bernhard hinter Arro mit den Zügeln in der Hand hoch. Inmitten von Fichtenzweigen liegen die vier Meter langen und teils starken Stämme. Alex legt eine Kette darum und hängt noch einen zweiten kurzen Stamm daran. Nun kommt die Sapie zum Einsatz.
Der Stamm wird an Bäumen vorbei gehievt. Der braune Arro, das leistungsfähige Arbeitstier, wartet brav und folgt Bernhard Dolatscheks Kommandos. Dieser lächelt stolz unter seinem schwarzen Hut hervor und freut sich, dass Arro so gut auf seine Anweisungen hört. Nun geht es zügig den Hang hinunter, den Weg entlang bis zum Holzlager. Nachdem der Stamm dort liegt, geht’s wieder bergan, stundenlang das gleiche Spiel. Und obwohl das Holzrücken eine wahre Knochenarbeit für Mensch und Tier ist, macht es allen sichtlich Spaß.
Mancher ältere LT-Leser wird sich an Begebenheiten bei der einst üblichen Waldarbeit – vor dem Technikzeitalter – erinnern.