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15. Oktober 2011 15:00 Uhr

Musik

Wenn ein Priester mit Rockgrößen konkurriert

Pater Vianney Meister aus St. Ottilien ist bei einem einzigartigen Musik-Projekt dabei. Nächste Woche erscheint die CD

Pater Vianney Meister aus St. Ottilien. Er ist einer von drei Geistlichen, die an dem in Deutschland bislang einzigartigen Musikprojekt „Die Priester“ der Universal Music Group mitgewirkt haben.
Foto: Dominic Wimmer

St. Ottilien Momentan ist es nur ein matter Fotoausdruck aus dem eigenen Computer, der die Demo-CD ziert. Ab nächstem Freitag, wenn in ganz Deutschland die neuesten Musikalben in den Regalen liegen, dann ist es eine Hochglanzaufnahme von Pater Vianney Meister und seinen beiden „Kollegen“. Der Benediktinerpater aus Sankt Ottilien hat bei einem in Deutschland bislang einzigartigen Musikprojekt des Musikgiganten Universal mitgewirkt. Ab Freitag, 21. Oktober, sind „Die Priester“ mit ihrem Album „Spiritus Dei“ in Deutschland auf dem Musikmarkt vertreten. Man darf gespannt sein, ob klerikale Musik hierzulande den Himmel von Pop- und Rock-Musik erklimmen wird. Bei einem ähnlichen Musikprojekt in Frankreich haben die dortigen Priester sogar Lady Gaga und Madonna von der Spitze der Albumcharts vertrieben.

Am Boden liegt der Gitarrenkoffer, in der Ecke steht ein Notenständer, an den Wänden hängen Fotos von einer New York-Reise mit dem Schülerblasorchester. Pater Vianney Meister sitzt in seinem Büro im Internat des Rhabanus-Maurus-Gymnasiums St. Ottilien und blickt auf die Demo-CD auf dem Couchtisch. Der Verkaufsstart in Deutschland rückt näher. 400 000 CDs hat die Musikfirma Universal in einer ersten Auflage pressen lassen. Und der schlaksige Benediktinerpater mit dem jugendlichen Grinsen kann es wohl selbst noch nicht so ganz begreifen, dass sein Musikalbum ab nächstem Freitag neben der neuen Scheibe „Mylo Xyloto“ der britischen Pop-Rockband Coldplay in den Musikgeschäften der Republik liegen wird.

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Eineinhalb Jahre sind vergangen, seitdem der frühere Erzabt der Bendiktinerabtei St. Ottilien Notker Wolf auf Pater Vianney zukam. Ob er sich nicht vorstellen könne, an einem CD-Projekt mitzuarbeiten. Ja, das könne er, sagte der Chef des Internats und Leiter der Mönchsschola. Es sollte ja schließlich nicht die erste CD sein, nach Aufnahmen mit dem Schülerblasorchester und dem gregorianischen Klosterchor. „Trotzdem war es für mich ein Aufbruch zu neuen Wegen“, sagt der 48-Jährige. Bevor er Ja zu dem Musikprojekt sagte, fiel ihm ein, was ihm vor Jahren ein älterer Mitbruder sagte. „Er meinte, ich hätte eine schöne Stimme und ich sollte was daraus machen.“

Texte umgeschrieben und ergänzt

Nach fast eineinhalb Jahre andauernden Vorarbeiten mit dem Umschreiben und Latinisieren von fünf der 13 spirituellen Lieder durch Pater Vianney wurde es kurz nach Pfingsten 2011 ernst. Nachdem sich die anderen beiden singenden Priester aus einer Vielzahl von Mönchen herauskristallisiert hatten, ging es in Unterföhring in die Weryton Studios. Für Pater Vianney eine völlig neue Erfahrung.

„Das Mikrofon ist sehr genau und verzeiht keine Fehler. Man hört die kleinsten Schlucker oder Intonationsschwächen.“ Nach acht Tagen mit jeweils zwölfstündigen oder noch längeren Aufnahmetagen im Studio – immer in Begleitung eines Vocal coaches – und zwei Tagen mit Ausbesserungsarbeiten hatten die drei Priester das Album schließlich eingesungen. „Das war eine sehr anstrengende, aber kreative Arbeit. Vieles hat sich beim Singen ergeben und wurde spontan entschieden“, so der Pater.

Mit Bass hinterlegte Kirchenmusik

Herausgekommen ist ein Musikalbum mit elf regulären Titeln und zwei Bonus-Liedern. Viele Songs werden begleitet von melodischen Beat-Rhythmen, die der CD zwar einen modernen Stempel aufdrücken, dabei aber keineswegs den geistlichen Hintergrund vergessen lassen. Die klerikalin Liedtexte harmonieren perfekt mit weltlichen Stücken. Wie zum Beispiel bei „Glorificamus te“ über der Melodie von Tschaikowskis Schwanensee, „Dieser Weg“ von Xavier Naidoo oder bei „Cantare jubilare“ die Moldau von Smetana. Zu letzterem Titel hat Pater Vianney eine besondere Verbindung. „Das macht meinen Lebenssinn aus, Jauchzen und Singen. Oder anders ausgedrückt: Das Leben ist schön.“ Bei seiner Arbeit mit den Liedtexten hatte er auch Unterstützung von Sängerin und Musikproduzentin Anette Humpe, die durch das Duo Ich + Ich bekannt wurde.

Zum Videodreh in die Schweizer Alpen

Die Aufzeichnungen für das Album gingen in den Pfingstferien über die Bühne. Ansonsten wäre es für Pater Vianney Meister schwierig geworden, an dem Projekt teilzunehmen. Während des Schuljahres leitet er das Internat des Gymnasiums St. Ottilien. 18 Buben und junge Männer leben und lernen dort fürs Abitur. Die Sommerferien verschlugen den Benediktinerpater und die beiden anderen Priester in die Schweiz, wo nach Abschluss der Aufzeichnungen im Tonstudio noch ein Videodreh auf dem Programm stand. Am Mont Lac Bland hoch über Chamonix ging es zunächst eineinhalb Stunden zu Fuß mit dem Filmteam in Richtung Gipfel.

„Am 11. August haben wir in 2200 Metern Höhe im Hintergrund des Mont Blanc gedreht“, erzählt Vianney. Für den Titel „Spiritus Dei“ wurde ein Videoclip aufgenommen, das die Geschichte eines Liebespaares mit Kind erzählt. Am Ende ist die Familie nach dem Weggang des Vaters wieder vereint. Gemeinsam standen die drei Priester in La Chapelle d’Abondance in einer Kirche für die Fotoaufnahmen für das CD-Cover vor der Kamera. Erhaben stehen die drei Geistlichen in der Dorfkirche, während im Hintergrund das Licht in Lilatönen durch die Fenster strömt. Optisch dürften „Die Priester“ der Konkurrenz von Coldplay ab nächster Woche in den Plattenläden die Schau stehlen – musikalisch auch.

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