Epfach, Landsberg Der warme Sommerwind weht durch das Treppenhaus, dessen altehrwürdige Stufen bei jedem Schritt knarzen. Die Blicke sind nach oben gerichtet an die Decken des alten Epfacher Pfarrhofes, wo prächtige Stuckornamente prangen. Einigen Besuchern steht der Mund offen, während sie die kunstvollen Verzierungen bestaunen. Der europaweite Tag des offenen Denkmals lockte gestern im Landkreis viele Besucher. Die Auftaktveranstaltung dazu fand in Epfach statt. In der frisch sanierten Pfarrkirche St. Bartholomäus eröffneten Landrat Walter Eichner und Kreisheimatpflegerin Dr. Heide Weißhaar-Kiem den diesjährigen Denkmaltag, der unter dem Motto „Romantik – Realismus – Revolution – Das 19. Jahrhundert“ stand.
„Unsere Dörfer leben von sakralen Bauten“, betonte Denklingens Bürgermeisterin Viktoria Horber bei ihrer Begrüßung. Auch wenn es dem Epfacher Gotteshaus auf den ersten Blick nicht anzusehen ist – es stammt aus der Zeit des Klassizismus. „Im Jahre 1816 wurde an dem spätgotischen Bauwerk eine starke Baufälligkeit festgestellt, 1820 wurde die Kirche baupolizeilich geschlossen und 1822 neu erbaut“, erklärte Dr. Heide Weißhaar-Kiem und nahm die Besucher mit auf eine Zeitreise durch die damals weitreichenden Veränderungen in Gesellschaft und Kirche, ausgehend von der Säkularisation im Jahre 1803, als kirchliche Güter verweltlicht wurden. „Es war ein spektakuläres Ende der alten Ordnung und eine Chance zum positiven Neuanfang“, so die Historikerin. Und der 2000 Jahre alte Ort Epfach sollte keine zwei Jahrzehnte später zu einer neuen Kirche kommen. Binnen eines halben Jahres realisierte der Bau- und Maurermeister Matthias Left 1822 den Neubau von St. Bartholomäus. Weißhaar-Kiem zufolge wurde der Turm vom Vorgängerbau übernommen, der Sockel stammt aus den Abbruchsteinen der alten Kirche, nur die südliche Umfassungsmauer wurde von Grund auf neu errichtet, der Chor neu aufgemauert, das Kirchenschiff kaum vergrößert. Im Inneren wurden Stuckarbeiten angebracht und die Kirchenbilder in strenge Rahmen getreu dem Klassizismus angebracht.
Siebenmonatige Sanierung
Damit diese Bilder heute wieder ihre ursprüngliche Leuchtkraft verströmen, der Stuck wieder einheitlich erscheint und die Feuchtigkeit aus den Wänden vertrieben wurde, dafür haben neben der Diözese vor allem die Epfacher selbst – mit großzügigen Spenden und Eigenleistung – gesorgt. Nach siebenmonatiger Renovierung ist die Kirche seit Anfang des Jahres wieder geöffnet. Über die einzelnen Maßnahmen und die Sanierung informierten Architekt Christian Bosse und Pfarrer Michael Vogg. Landrat Walter Eichner dankte allen Epfachern für ihr Engagement bei der Sanierung.
Dass Politik und altehrwürdige Bauten manchmal in Konflikt stehen, zeigte gestern ein Blick nach Landsberg. Dort führten Museumsleiterin Sonia Fischer und Pia Becker vom städtischen Bauamt durch Mutterturm und die Gartenanlagen, während auf dem Gelände Unterschriften für das geplante Bürgerbegehren gegen den Lechsteg gesammelt werden. Dieser soll vom Inselbad zum Mutterturm führen.
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