Landsberg Es war eine große Herausforderung, der sich die beiden Regisseurinnen Claudia Dlugosch und Diedke Lichtenstern stellten. Yasmina Rezas Stück „Drei Mal Leben“ ist ein Dauerbrenner in den Theatern, die Produktion im Jahr 2000 im Wiener Akademietheater mit Susanne Lothar, Ulrich Mühe, Andrea Clausen und Sven-Eric Bechtolf setzte Maßstäbe und hat heute Kultcharakter. Ein Stück mit zwei Ehepaaren, die sich in Sachen Konflikte nichts schenken, aktionsreich allein durch die bösen Dialoge voller Wortwitz.
Eine Herausforderung, die die beiden Regisseurinnen mit der „landsberger bühne“ gut meisterten. Dlugosch und Lichtenstern lieferten ihre eigene Version. Diese ist dank eines meist einfühlsamen Umgangs mit den Figuren des Stücks und einer Besetzung, die zwar überraschend anmutet, aber sehr stimmig und gelungen im Resultat ist, sehr solide.
In Landsberg stehen Franziska Dietrich, Franz Krauß, Daniela Echterbruch und Harald Dollinger als Ehepaare auf der Bühne. Sie spielen mit Präzision und Geschick dreimal die gleiche Ausgangssituation: Ein Ehepaar kommt einen Tag zu früh zu einer Abendeinladung. Dreimal können die Zuschauer unterschiedliche Varianten erleben – die unterschiedlichen Reaktionen bestimmen die Situation.
Der Konflikt ist schnell klar. Gastgeber Henri (Harald Dollinger) plant als Astrophysiker eine erste Veröffentlichung nach langer Pause, und sein Gast Hubert (Franz Krauß) eröffnet ihm so nebenbei – zwischen zwei Appetithäppchen – dass seine ganze dreijährige Forschungsarbeit überflüssig sein könnte. Unterbrochen werden sie je nach Spielversion vom nervigen sechsjährigen Sohn, der im Nebenzimmer nur einschlafen will, wenn man ihn mit Essen vollstopft. Miriam Lichtenstern und Raphael Spatz spielen diese Rolle im Wechsel, allerdings ist nur ihre Stimme zu hören. Fast wartet man als Zuschauer schon darauf, wann denn das Geplärre wieder losgeht, denn die Reaktionen der Eltern sind durchaus vielfältig, manchmal auch sehr überraschend, bis hin zum Tobsuchtsanfall der Mutter.
Spritzige Dialoge, lebensnahe Personen
Ganz wie in Rezas Stück „Der Gott des Gemetzels“, das gerade von Polanski verfilmt in den Kinos läuft, findet man sich hier in normalen Alltagssituationen wieder, die allerdings rasch eskalieren. Selbst, wenn es nur darum geht, ob der Sohn im Bett nach dem Zähneputzen noch einen Apfel essen darf.
Alle vier Schauspieler liefern sich eine interessante, wortreiche Kissenschlacht, sprich einen rasanten Schlagabtausch. Besonders im ersten Teil sind die Dialoge spritzig, sehr lebensnah und treffen direkt – mitten ins Publikum. Denn diese Art der Konversation haben wir alle schon mal selbst erlebt.
Grob bösartig wertet Hubert seine Frau ab, die zwar meckert, ihn dadurch ebenfalls nervt, aber keine Konsequenzen zieht. Ein lange verheiratetes Paar, das seine Illusionen längst verloren hat. Hubert geht gerne mal als angenehme Abwechslung fremd – und stößt dabei bei der gelangweilten Frau (Daniela Echterbruch) von Henri auf Interesse. Denn ihr Mann Henri ist ihr viel zu unterwürfig und „kriecherisch“.
Die beiden Regisseurinnen nehmen ihre Figuren ernst, persiflieren oder überzeichnen sie nicht. Besonders gelungen ist der erste Teil der Inszenierung, dadurch erreicht das Stück eine ganz eigene Dynamik, die den Zuschauer mitreißt. Alle vier Schauspieler bieten eine beeindruckende Leistung, denn in diesem Stück gibt es keine Ablenkung durch Effekte. Nur die Schauspieler und ihre Sprache stehen im Mittelpunkt. Dialog und Mimik sind die einzigen Mittel, den Zuschauer zu fesseln. Das gelingt dem Team auch überzeugend – trotz einiger Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen haben. So muss Franz Krauß ständig Appetithäppchen oder Kekse essen und gleichzeitig reden, was nicht immer leicht ist.
Harald Dollinger ist sprachlich der Wortgewaltigste und fesselt schon alleine dadurch, allerdings neigt er im letzten Teil dazu, mimisch und gestisch seine Rolle zu überzeichnen.
Echterbruch und Dietrich ergänzen sich ideal. Echterbruch fesselt als talentierte Anwältin, die ihren Job teilweise aufgeben musste, obwohl sie die Ambitionen ihres Mannes eigentlich nicht so ganz ernst nimmt, und Dietrich gibt eine Hausfrau, die erst bei den Fragen der Kindererziehung auflebt und nur sehr wenig der perfiden Boshaftigkeit ihres Mannes entgegenzusetzen hat. Bei beiden merkt man die versteckten Frustrationen und Verletzungen – ein ruhiges Kammerspiel der besonderen Art. Die passende Musik (zum Partybeginn) und das zurückhaltende Bühnenbild von Christina Schorer tragen ebenfalls dazu bei, dass man hier einen sehr überzeugenden Theaterabend genießen kann, mit viel Sarkasmus, jenseits des Klamauks. Eine tolle Vorlage gut umgesetzt.
Vorstellungen Weitere Aufführungen finden am Donnerstag, Freitag und Samstag, 19., 20. und 21. Januar, sowie am Donnerstag, Freitag und Samstag, 26., 27. und 28. Januar, jeweils um 20 Uhr im Stadttheater statt. Karten gibt es im Vorverkauf im Reisebüro Vivell am Hauptplatz und im Kartenbüro des Stadttheaters. Telefonische Reservierungen unter 08191/917412 .
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