Kammlach Mit stehenden Ovationen haben die Freien Wähler ihren Landratskandidaten Hans-Joachim Weirather am Donnerstagabend im Vereinsheim Unterkammlach gefeiert. Als Versammlungsleiter Dr. Reinhold Bäßler gegen 21 Uhr das Ergebnis verkündete, war kein Halten mehr. Alles erhob sich von den Plätzen und applaudierte dem 52-Jährigen.
Exakt 100 Wahlberechtigte waren ins Vereinsheim Unterkammlach gekommen und exakt 100 hatten Weirather die Stimme gegeben. Selbst der Bewerber stimmte für den Landratskandidaten Weirather.
Die Nominierungsversammlung der Freien Wähler war so verlaufen, wie sich das die Strategen um Peter Senner und Otto Weikmann gewünscht hatten. Fast jedenfalls. Der Besuch der Versammlung vor sechs Jahren war mit mehr als 120 Personen noch spürbar größer. Damals allerdings, sagt Weikmann, seien viele neugierig auf den politischen Neuling gewesen, der für die Freien dann die Wahl im ersten Anlauf gewonnen hatte.
Für Stimmung sorgten zunächst Kammlachs Bürgermeister Josef Steidele als Dirigent der Blaskapelle Unterkammlach. Peter Senner rollte dann symbolisch den roten Teppich für den Kandidaten aus. Mit „sehr sehr großer Überzeugung“ habe sich der Führungskreis der Freien Wähler wieder für Weirather ausgesprochen. Er pries dessen Überparteilichkeit und Neutralität. „Das ist sein besonderes Verdienst“. Immer gehe es ihm um die Sache, selbst dann, wenn es ihn einzelne Wählerstimmen kosten sollte. „Der Bürger will, dass man es recht macht, aber nicht, dass man es allen recht macht“. Einen Wechselwunsch in der Bevölkerung gebe es nicht.
Weirather selbst erinnerte sich an die Woge der Begeisterung, die ihn vor sechs Jahren bei den Freien Wählern getragen habe. Heute fühle er sich sattelfest, dem Amt gut gewachsen. Dass es in der Familie durchaus Diskussionen gab, ob er noch einmal antreten soll, ließ Weirather anklingen. Hermine Weirather begleitete ihren Mann nun sogar zur Nominierungsversammlung.
In seiner Bilanz unterstrich er die vielen Investitionen in Schulen. Das soll so weiter gehen. An allen Schulstandorten will Weirather generalsanieren. Nicht minder betonte er die Straßenbauprojekte seiner bisherigen Amtszeit wie die Illerbrücke bei Lautrach oder die Kreisstraße Boos - Fellheim, seinem Heimatort.
Auf seiner Habenseite verbuchte Weirather Seniorenkonzept, Klimaschutzkonzept oder auch die Umweltstation in Legau, die nach „desaströser Situation wieder in ruhiges Fahrwasser kam“.
Zur Fortentwicklung der Kreiskliniken bekannte er sich. Mit der Augenheilkunde in Ottobeuern und kardiologischer Fachkompetenz in Mindelheim seien neue Leistungsfelder für die Krankenhäuser erschlossen worden. Er sei stolz, dass er die Tür in Richtung Memmingen geöffnet habe. „Die war 2006 noch fest verschlossen von maßgeblicher Seite des Landkreises Unterallgäu“, so Weirather.
Ebenso für sich in Anspruch nahm er geordnete Finanzen im Landkreis in „fester Partnerschaft“ mit den Gemeinden. Zu seinem Politikverständis sagte Weirather, ihm sei Dialog wichtig. Vetternwirtschaft jeglicher Art lehne er ab. Er nutze aber den Ermessensspielraum im Sinne der Bürger. Beispiele dafür nannte er nicht. Für die nächsten acht Amtsjahre sieht er in der Überalterung der Gesellschaft besondere Herausforderungen. Augenmerk solle auf Seniorenwohnheime gelegt werden. Das Landratsamt wolle er weiter zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen ausbauen. Er erwarte von allen Mitarbeitern, immer freundlich zu sein.
Aktivieren will er den Wirtschaftsstandort. Besonders setzt Weirather dabei auf interkommunale Gewerbegebiete. Zugleich will er mit Umweltpolitik im Kleinen zum Erhalt der schönen Landschaft beitragen.
In den kommenden Wochen will Weirather 50 Wahlversammlungen abhalten.