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Mindelheim: 46-jähriger Matthias Schön: Vom Warten auf ein Spenderherz

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46-jähriger Matthias Schön: Vom Warten auf ein Spenderherz

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    Matthias Schön (Mitte) lebt seit Januar mit einem Kunstherzen. Alle zwei Tage muss er in ärztliche Behandlung. Am Kreisklinikum in Mindelheim versorgen ihn Chefarzt und Ärztlicher Direktor Dr. Peter Steinbigler (re.) und Oberarzt Dr. Tilmann Pohl.
    Matthias Schön (Mitte) lebt seit Januar mit einem Kunstherzen. Alle zwei Tage muss er in ärztliche Behandlung. Am Kreisklinikum in Mindelheim versorgen ihn Chefarzt und Ärztlicher Direktor Dr. Peter Steinbigler (re.) und Oberarzt Dr. Tilmann Pohl.

    Mindelheim Zuerst fällt sie kaum auf, diese unscheinbare Tasche, die Matthias Schön stets bei sich trägt. Sie könnte gut seine Autopapiere enthalten, vielleicht die Autoschlüssel, den Ausweis und ein Foto seiner Lieben daheim. Nichts davon ist richtig. An dieser Tasche hängt sein Leben. Sie steckt voller Medizintechnik: ein Akku, der unermüdlich Stromstöße abgibt. Diese laufen über ein Kabel in seinen Brustbereich und versorgen die große Herzkammer mit Blut. Auch sein Herz ist eine Maschine, ein Kunstherz.

    46 Jahre jung ist Matthias Schön. Bis November vergangenen Jahres kannte er keine größeren Erkrankungen. Er schaffte bei Daimler in Untertürkheim bei Stuttgart, war zufrieden mit seinem Leben.

    Im November 2010 war es ihm dann beim Treppensteigen plötzlich schwindlig geworden. Da dachte er sich noch nicht viel. Kann ja mal vorkommen, schließlich wird im Beruf viel verlangt und jünger wird man auch nicht. Ein paar Tage später wurde es ihm am Arbeitsplatz schwarz vor Augen. Ein Arzt wurde hinzugezogen. Weitergehende Untersuchungen folgten. Dann stand die bittere Wahrheit fest: Matthias Schön leidet an einer schwerwiegenden Herzerkrankung. Ein harmloses verschlepptes Fieber sei die Ursache, erzählt er.

    Dann ging alles sehr schnell

    Dann ging alles sehr schnell. Im Januar musste er sich einer Herzoperation in Freiburg im Breisgau unterziehen. Die Erkrankung hatte sich als so schwerwiegend herausgestellt, dass das Herz nicht mehr zu retten war. Weil aber kein Spenderorgan zur Verfügung stand, blieb die Notlösung Kunstherz. Mit diesem lebt Matthias Schön seither erstaunlich selbstständig. Sein Leben hängt an dieser Apparatur, an diesem Kabel im Bauch.

    Inzwischen kann er sogar schon wieder Auto fahren. Mit dem eigenen Wagen besucht er immer wieder mal seine Mutter, die in Bad Wörishofen lebt.

    In diesen Zeiten ist Matthias Schön alle zwei Tage Kurzzeitgast des Kreisklinikums Mindelheim. Oberarzt Dr. Tilmann Pohl untersucht den Patienten. Vor allem sieht er sich die Wunde genau an, durch die das Stromkabel in den Körper geführt wird. Das ist, wenn man so will, die Achillesferse dieser Lösung. Der Ärztliche Direktor der Kreiskliniken, Privatdozent Dr. Peter Steinbigler, sagt, die Wunde müsse so infektfrei wie möglich gehalten werden. Eine Entzündung könnte schlimmste Folgen haben. Alle zwei Tage wird deshalb ein neuer Wundverband angelegt.

    Bisher ist alles gut verlaufen. Ist er in Stuttgart, wird ihm dort die Wunde versorgt, ist er in Mindelheim, kann er sich auf die Arbeit der Ärzte am Kreisklinikum verlassen, das er übrigens längst schätzen gerlernt hat. Matthias Schön ist eine Kämpfernatur. Er nimmt die Krankheit erstaunlich gefasst. Dr. Steinbigler sagt, es sei äußerst wichtig, dass Patienten in einer solchen Lage psychisch stabil sind. „Man muss positiv eingestellt sein“.

    Das ist letztlich auch eine wichtige Voraussetzung dafür, dass jemand überhaupt für ein Spenderherz in Frage kommt. Noch steht Matthias Schön aber wie rund 600 bis 700 Patienten auf der Warteliste für ein neues Herz. Rund 350 können pro Jahr versorgt werden. Nimmt man alle Organe, sind es sogar 12.000 Menschen, die auf einer Organ-Warteliste stehen. Knapp 1300 Menschen konnte im Vorjahr geholfen werden, heißt es bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation.

    Wie lange er noch Geduld haben muss – keiner weiß das. Jederzeit könnte ein Anruf eingehen und die Operation in Freiburg anstehen. Aber auch während unseres Gespräches bleibt das Handy still.

    Der Ärztliche Direktor Steinbigler und sein Oberarzt Pohl haben beide einen Spenderausweis im Geldbeutel stecken, sind also zur Organspende bereit. Damit gehören sie in Deutschland zu einer absoluten Minderheit. „Wir würden uns von ärztlicher Seite her wünschen, dass die Spendenbereitschaft höher wäre“, sagt Steinbigler. Noch gilt allerdings der Grundsatz, Organspender ist nur, wer dazu ausdrücklich seine Einwilligung gegeben hat. Österreich ist einen anderen Weg gegangen. Dort gilt: Wer nicht spenden will, muss dies erklären.

    Matthias Schön wünscht sich nichts sehnlicher als ein neues Herz und damit die Aussicht, auf viele Jahre gesundes Arbeitsleben. Denn dass er wieder zurück zu Daimler kommt, diese Hoffnung hat er noch nicht fahren lassen. Die Überlebensrate wird mit fortschreitender Hochleistungsmedizin immer besser. 65 Prozent der herztransplantierten Patienten leben fünf Jahre und länger. Inzwischen gibt es bereits Patienten, sagt Steinbigler, die seit 30 Jahren mit einem fremden Herzen ein erfülltes Leben führen können. „Das ist ein immenser Gewinn an Lebenszeit“, sagt der Chefarzt. Und Dr. Pohl ergänzt: die Fortschritte gehen weiter. Matthias Schön hat gute Chancen auf ein langes Leben – wenn er denn ein geeignetes Spenderherz bekommt.

    Spenderausweise der Deutschen Stiftung Organtransplantation gibt es bei Ärzten, in Apotheken und bei Banken. Informationen: www.dso.de

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