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Mattsies: Alle Blicke gehen nach oben

Mattsies

Alle Blicke gehen nach oben

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    Alle Blicke gingen nach oben, als Grob Aircraft seine G-520-Egrett vorführte. Die Mattsieser Firma hatte den 20 Jahre alten Flieger vor einem Jahr aus Australien zurückgekauft, um ihn wieder neu aufzulegen. Der Höhenaufklärer kann sowohl bemannt als auch unbemannt fliegen – letzteres ist hier aber nicht erlaubt.
    Alle Blicke gingen nach oben, als Grob Aircraft seine G-520-Egrett vorführte. Die Mattsieser Firma hatte den 20 Jahre alten Flieger vor einem Jahr aus Australien zurückgekauft, um ihn wieder neu aufzulegen. Der Höhenaufklärer kann sowohl bemannt als auch unbemannt fliegen – letzteres ist hier aber nicht erlaubt. Foto: Melanie Lippl

    Es begann mit dem kleinsten und endete mit dem größten Fluggerät: Am Freitag wurde auf dem Gelände von Grob Aircraft in Mattsies das Deutsche Erprobungszenrum für Unbemanntes Fliegen eröffnet – und was wäre zu diesem Anlass passender als eine Flugshow?

    Zunächst stieg die rund zwei  Kilogramm schwere Drohne der Firma Ascending Technologies aus Krailing in die Luft. In weniger als drei Minuten schafft sie es, hochwertige Bilder von einer Fläche in der Größe eines Fußballfelds zu machen. Dank GPS-Unterstützung ist die Drohne auch für Laien leicht manövrierbar: Das bewies Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer, der mithilfe der an der Drohne befestigten Kamera sogleich ein Luftbild von den zahlreichen, winkenden Festgästen machte.

    Die jeweiligen Vorteile von Flugzeug und Hubschrauber kombiniert das sogenannte Transitionsfluggerät Quantum VRT von Quantum-Sytems – einer Firma, die erst vor Kurzem gegründet worden ist. Ihr Modellflieger kann mithilfe mehrerer Rotoren senkrecht starten und landen, besitzt aber auch die Aerodynamik eines auf den Reiseflug ausgelegten Flugzeugs. Der Übergang von Schwebeflug in den Reiseflug erfolgt in der Transitionsphase: Dabei werden die Rotoren aus der horizontalen in die vertikale Position geschwenkt – was einfach aussieht, ist regelungstechnisch alles andere als leicht. In Mattsies präsentierte das Startup-Unternehmen nur die kleine Version seines Modellfliegers – bei der 25 Kilogramm schweren konnte die Übergangsflugphase noch nicht erprobt werden. Das kann sich mit dem Gelände in Mattsies ändern. Das künftige Einsatzgebiet dieser Drohne könnte sich sein Hersteller beispielsweise bei Hochwasserlagen vorstellen, wenn es darum geht, den Zustand von Dämmen zu analysieren.

    Wie zwei Drohnen „im Duett“ fliegen können, zeigten die Experten der ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH aus Fürstenfeldbruck. Die Firma, die auch in der Drohnenabwehr forscht, präsentierte einen kontrollieren Schwarm – der in diesem Fall aus zwei Drohnen bestand – sowie ein Flugprogramm, bei dem der Schwarm vorgegebene Raumpunkte zu vorgegebenen Zeitpunkten abfliegt. 4-D-Trajektorie nennt sich das, was extrem aufwändig zu programmieren und steuern ist.

    Gelb wie die Sonne war das Flugzeug, das die Nesselwanger Elektra UAS GmbH vorführte. Der Ultraleichtflieger hatte im Juli die Alpen in beiden Richtungen mit nur 18 Kilowattstunden elektrischer Energie überquert. Mit seinem Akku kann er nach Abzug der Energie durch den Start gute zwei Stunden fliegen; Solarzellen verlängern die Flugzeit um gut eine Stunde. Hauptinteresse von Elektra sei die rasche 3-D-Modellierung von Landschaften, beispielsweise im Katastrophenfall oder bei Waldbränden.

    Wie Elektra forscht auch Grob Aircraft in Sachen „optional bemannter“ Flugzeuge: Das heißt, es kann ein Pilot an Bord sein, muss es aber nicht. Denn das unbemannte Fliegen stecke noch in den Kinderschuhen, vor allem, was die Zulassungen betreffe, erklärte Andreas Konle, Finanzvorstand von Grob Aircraft. Der Mattsieser Flugzeugbauer will nun seine rund 4,7 Tonnen schwere G-520-Egrett wiederbeleben, einen 20 Jahre alten Höhenaufklärer – und hofft zudem auf neue Erkenntnisse durch die Drohnen–Testflüge der Modellflugzeuge im Unterallgäu, die sich teils auch auf die großen Varianten übertragen lassen.

    Sorgen machen, dass sie im eigenen Garten künftig von einem unbemannten Flugobjekt überrascht werden, müssen sich die Anwohner rund um den Flughafen Mattsies jedoch nicht: Die bis zu 150 Kilogramm schweren Drohnen werden nur auf dem Gelände von Grob Aircraft getestet, „und alles innerhalb der Genehmigungen des Luftfahrtbundesamts“, betont Finanzvorstand Andreas Konle. Zudem werden nicht täglich auswärtige Unternehmen oder Forschungsunternehmen vor Ort sein. „Die Testtage sind relativ teuer für die Firmen“, so Konle.

    Die örtliche Flugleitung koordiniert dann die Abstimmung zwischen den Drohnen-Testern und Grob Aircraft: Wenn die einen fliegen, müssen die Maschinen der anderen am Boden bleiben. Bei der Eröffnungsshow sorgte Gerd Berchtold (Grob Aircraft) dafür, dass die Fluggeräte in der richtigen Reihenfolge starteten und landeten. Er moderierte das eineinhalbstündige Programm. Nach einem Mittagsimbiss stellten sich dann die Firma Grob Aircraft und die weiteren Aussteller aus der Luftfahrt den Besuchern der Eröffnungsfeier vor.

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