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denkwürdig(Teil 12): Altes Haus sucht neuen Liebhaber

denkwürdig(Teil 12)

Altes Haus sucht neuen Liebhaber

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    Sieht romantisch aus – ist aber sanierungsbedürftig: Das Benefiziatenhaus in Kirchhaslach direkt neben der Kirche Mariä Himmelfahrt.
    Sieht romantisch aus – ist aber sanierungsbedürftig: Das Benefiziatenhaus in Kirchhaslach direkt neben der Kirche Mariä Himmelfahrt. Foto: Foto: evb

    Unsere Sommerserie „Denkwürdig“ beschäftigt sich mit Gebäuden im Landkreis Unterallgäu, die unter Denkmalschutz stehen. Wir wollen die Besonderheiten dieser Häuser, Kirchen und Schlösser ein wenig ins Licht rücken und zeigen, wie die Besitzer damit und manchmal auch darin leben.

    Kirchhaslach Ein Haus für den Preis von 75000 Euro: 170 Quadratmeter groß, zwei Etagen. Diese Verkaufsanzeige steht im Internet unter www.immowelt.de; es handelt sich um das Benefiziatenhaus in Kirchhaslach. Doch wer die Beschreibung weiter liest, dessen Vorfreude auf ein Schnäppchen wird etwas getrübt – vielleicht schon, wenn das Wort „Denkmalschutz“ fällt.

    Und es geht weiter: „Das Gebäude ist in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand. Die Haustechnik ist komplett zu erneuern. Die gesamte Bausubstanz muss generalüberholt werden.“ Die gesamten Renovierungskosten schätze man auf insgesamt etwa eine halbe Million Euro.

    Das Haus gehört der örtlichen Kirchenpfründestiftung – doch weder Pfarrer Joachim Dosch noch Kirchenpfleger Oswald Lochbrunner wollen sich öffentlich zu dem Gebäude äußern. Der Grund: Es läuft ein Gerichtsverfahren beim Verwaltungsgericht, das aber momentan ruht.

    Markus Kremser, Leiter der bischöflichen Pressestelle, erzählt die Geschichte: Schon seit über 30 Jahren steht das Gebäude leer. Die Kirchengemeinde hat keinen Bedarf dafür. So kam die Idee auf, das Gebäude abzureißen und den Friedhof zu vergrößern. Doch ein Schreiben des Landesamts für Denkmalpflege machte diesen Plan im Jahr 2000 jäh zunichte: Ein Abriss werde nicht genehmigt, hieß es darin. Laut Kremser kam es zum Gerichtsprozess.

    Doch mittlerweile ruht das Verfahren. Die Hoffnung auf beiden Seiten: Vielleicht findet sich ein Käufer. Doch das scheint nicht so leicht zu sein. „Schon seit 2007 steht die Verkaufsanzeige im Internet“, sagt Kremser. Einen ernst zu nehmenden Interessenten habe es bisher nicht gegeben.

    Barockes Dachwerk und qualitätsvoller Bandelwerkstuck

    Und das, obwohl das Haus laut Kreisheimatpfleger Peter Kern etwas ganz Besonderes ist. Das Ensemble Benefiziatenhaus – Kirche – Pfarrhaus habe Seltenheitswert. Jedoch gibt Kern zu: „Genau diese Lage macht es schwer, dieses Haus zu nutzen.“ Es ist nämlich in die Friedhofsmauer integriert. „Aber zwei Leute könnten dort bestimmt schön wohnen“, meint Kern. Und er ist sich sicher: Für die Renovierung gebe es gewiss hohe Zuschüsse und die Arbeiten wären steuerlich abschreibbar. „Es handelt sich eben um ein hochkarätiges Denkmal.“

    Auch Beate Zarges, Pressesprecherin des Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, hebt die liebenswerten – und vor allem historisch wertvollen – Details des Gebäudes hervor. Da gebe es einen tonnengewölbten Keller, der an die Bauzeit erinnert. Errichtet wurde das Haus 1619 als Priesterhaus.

    1720 wurde es umgebaut. Es entstand ein Dachwerk, das typische Besonderheiten aus der Barockzeit aufweist. Zwei Räume seien mit „qualitätvollem Bandelwerkstuck“ verziert.

    Beate Zarges schreibt weiter: „Dank des geschlossenen Überlieferungszustands und der außergewöhnlichen Stuckaturen kommt dem Benefiziatenhaus besondere bau-, sozial-, handwerks- und kunstgeschichtliche Bedeutung zu. Gemeinsam mit der benachbarten Kirche prägt es die historische und städtebauliche Identität des Ortes Kirchhaslach.“

    Zarges betont, eine wirtschaftlich tragbare und sinnvolle Nutzung des Hauses insbesondere in seiner ursprünglichen Funktion als Wohnhaus sei durchaus möglich. Der direkt angrenzende Friedhof stelle kein Hindernis dar. Der Vorschlag des Landesamtes für Denkmalpflege: eine Bepflanzung oder die Errichtung einer Friedhofsmauer an der Parzellengrenze.

    Dass doch noch ein Abriss genehmigt wird, da macht Zarges wenig Hoffnung: Das sei nur der Fall, wenn eine Instandsetzung des Denkmals nicht mehr möglich ist. Und sie weist darauf hin, dass der Eigentümer eines Denkmals auch die Aufgabe hat, das Gebäude instand zu halten.

    Kremser fasst die Hoffnung des Bistums zusammen: „Vielleicht finden wir jemanden, der sich einfach in das Haus verliebt.“

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