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25. Juni 2010 18:20 Uhr

An der Kneippiade scheiden sich die Kneipp-Geister

Bad Wörishofen Feuer auf dem Dach ist derzeit im Verhältnis des Kneipp-Bundes mit den Kneipp-Werken: Letztere haben einen Vertrag gekündigt, der unter anderem eine Unterstützung des Kneipp-Bundes von mehr als 100 000 Euro pro Jahr vorsieht. Streitpunkt ist der Begriff "Kneippiade". Das Geld fehlt nun. Anlass für die Bundesgeschäftsführerin des Kneipp-Bundes, Annette Kersting, im Verbandsblatt "Kneipp-Intern" die Problematik Kneipp-Bund/Kneipp-Werke näher zu beleuchten und gleichzeitig einen harten Sparkurs anzukündigen. Von manfred gittel

Kern der Konflikte seit mehr als 30 Jahren sei die Verwendung des Namens "Kneipp" und aller damit in Zusammenhang stehenden Marken(rechts)fragen. Kersting: "Die Kneipp-Werke ließen über Jahre hinweg viele Marken mit dem Namensbestandteil Kneipp markenrechtlich schützen und forderten den Kneipp-Bund regelmäßig und vehement zur Achtung der Marke auf. Für die Kneipp-Werke war es immer unerheblich, wenn sich der Kneipp-Bund auf ältere Namensrechte berufen hatte oder wenn beim Kneipp-Bund und seinen Unternehmen wirtschaftliche, existenzielle Fragen berührt wurden."

Wiederholt hätten die Kneipp-Werke auch durch Abmahnungen oder sonstige Interventionen die wirtschaftlichen Aktivitäten des Kneipp-Bund behindert (siehe Info-Kasten).

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Eine ganz besondere Problematik stellte die Gründung der sogenannten Kneipp-Familie durch die Kneipp-Werke im letzten Jahr dar, so Kersting: "Kneipp-Freunde sollen zusammengeführt werden wie in einer großen Kneipp-Familie (wie im Kneipp-Verein und im Kneipp-Bund). Die Mitglieder der Kneipp-Familie bekommen einen regelmäßigen, kostenlosen Kneipp-Ratgeber und eine Familien-Karte." Kersting mutmaßt: "Über den Anreiz an Kneipp-Mitglieder, die Karte kostenlos abzugeben, wollten sich die Kneipp-Werke auf einfache Weise Zugang zu den Adressen unserer Mitglieder verschaffen."

Zweiter "Knackpunkt" ist der Begriff "Kneippiade" (Spiele der Kneipp-Bewegung). Kersting: "Da Irritationen vonseiten der Kneipp-Werke bei der Kneippiade 2009 in Scheffau vorkamen, und um die Kneippiade 2011 in Überlingen auf sichere Beine zu stellen, beantragte der Präsidialrat von Kneipp Worldwide die Löschung (der Eintragung durch die Kneipp-Werke) des Begriffs "Kneippiade".

Der Begriff "Kneippiade" sei von Kneipp Worldwide erfunden und auch regelmäßig durch Kneipp Worldwide benutzt worden. Kersting: "Warum sich die Kneipp-Werke auch diesen Begriff eintragen ließen, obwohl sie ihn nicht nutzten, konnte niemand nachvollziehen."

Die Kneipp-Werke nähmen diesen Löschungsantrag "Kneippiade" der "rechtlich und wirtschaftlich selbstständigen Organisation Kneipp Worldwide" nun zum Anlass, den Vertrag mit dem Kneipp-Bund zu kündigen. In "bedrohlicher Weise", so Kersting, werde damit der Kneipp-Bund verantwortlich gemacht für die Entscheidung von Kneipp Worldwide. Kersting: "Ausgerechnet in einem für den Kneipp-Bund finanziell sehr schwierigen Jahr trifft uns die im April 2010 ausgesprochene Vertragskündigung sehr empfindlich. Wir sind bestrebt, die finanziellen Einbußen über andere und neue Partner auszugleichen."

Der Kneipp-Bund insgesamt sei jedoch, so Kersting gegenüber der MZ, nicht bedroht: "Wir sind an finanzielle Probleme gewöhnt. Nun müssen wir drastisch sparen und vor allem Modernisierungen unserer Gebäude schieben, die nötig wären, um sie auf den heutigen Stand zu bringen." Doch das sieht Kersting eher gelassen: "So etwas schweißt einen Verband auch zusammen." Generell glaubt sie nicht, dass die Problematik so heiß gegessen wird, wie sie derzeit gekocht wird: "Das ist nun ein Riesenfeuerwerk, das man wieder löschen wird - wie in der Vergangenheit auch. Wenn man gemeinsam etwas unternehmen will, sollte man nicht aufeinander losgehen. Die Kneipp-Werke machen ihren Job, wir unseren. Um die Zukunft ist uns nicht bange, der Kneipp-Bund wird das Ganze überstehen." Nur eines stellt Kersting unmissverständlich klar: "Wir können uns nicht zum Werkzeug der Industrie machen lassen. Es geht nicht an, das Ehrenamt so zu instrumentalisieren."

"Vertrag wurde verletzt"

Das wiederum sehen die Kneipp-Werke nicht als Grund für die derzeitigen Auseinandersetzungen an. Angela Kreipl, Sprecherin des Würzburger Unternehmens: "Es kam zu Vertragsverletzungen, weshalb eine Kündigung erfolgt ist." Der bisherige Vertrag regele unter anderem die Markenrechte. Der Kneipp-Bund habe diese anerkannt und wollte auch nicht gegen sie vorgehen." Angela Kreipl: "Dagegen hat er verstoßen, indem er Antrag auf Löschung des Begriffs Kneippiade gestellt hat."

Die Argumentation, dass die Löschung nicht der Kneipp-Bund sondern Kneipp Worldwide beantragt habe, lassen die Kneipp-Werke nicht gelten: "Organisatorisch und personell sind beide eng miteinander verknüpft."

Nicht gelten lassen die Kneipp-Werke auch die Behauptung, durch die Familien-Karte wollten sie an die Adressen der 160 000 Kneipp-Bund-Mitglieder kommen - und dies alles mit der Vertragskündigung als Druckmittel. Schließlich gehe es um eine Unterstützung von jährlich 100 000 Euro zuzüglich bezahlter Anzeigen im Kneipp-Journal des Kneipp-Dachverbandes. Kreipl: "Das ist eine Falschaussage. Wir wollten mit der Familien-Karte mit dem Kneipp-Bund zusammenarbeiten. Es ging und geht uns darum, neue, junge Leute für Kneipp zu gewinnen. Wir haben keinerlei Interesse an der Mitgliederdatei."

Wie geht es weiter? Kreipl: "Wir sind weiterhin gesprächsbereit. Allerdings haben wir derzeit eine etwas verfahrene Situation, da die Führung des Kneipp-Bundes Verfehlungen begangen hat. Gerade gibt es einen Stillstand." Doch generell wollten die Kneipp-Werke weiterhin die Kneipp-Bewegung als Ganzes unterstützen. Als Wirtschaftsunternehmen müsse man jedoch seine Produkte verkaufen: "Und so können wir den Kneipp-Bund nur unterstützen, wenn wir erfolgreich am Markt sind. Alles andere ist schwarz-weiß gedacht."

Den Namen "Kneipp" wolle man, so Kreipl, niemandem streitig machen: "Allerdings werden wir weiterhin alle Bezeichnungen mit Kneipp prüfen, um eine Verletzung der Schutzrechte zu vermeiden und die Qualität sicherzustellen. Mit dem Namen Kneipp darf kein Missbrauch betrieben werden."

Gleiche Augenhöhe gefordert

Da sind die Werke auf gleicher Höhe mit dem Bund. Diese "gleiche Augenhöhe" wünscht sich deshalb auch die Präsidentin des Kneipp-Bundes, Staatssekretärin a.D. Marion Caspers-Merk, generell: "Es kann nicht sein, dass wir uns Markenrechten unterwerfen sollen und keine Chance haben, unser Engagement auszuweiten. Dabei hat Kneipp die Vereinsgründung bewusst angelegt, damit seine Lehre verbreitet wird. Dem sollte man keine Steine in den Weg legen."

Caspers-Merk fordert von den Kneipp-Werken einen "Umdenkungsprozess" im Bezug zur Ehrenamtlichkeit. Ärgerlich sei, dass durch die Vertragskündigung nun die Aktivitäten des Kneipp-Bundes eingeschränkt werden müssten. Und dennoch, so Caspers-Merk: "Wir sind nach wie vor bereit, die Hand zu reichen."

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